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„Radnetz eher ein Flickenteppich“

15.10.2012 | 00:07 Uhr
„Radnetz eher ein Flickenteppich“
Am 29. Mai 2012 wird der neue Fahrrad Stadt Route Wege zum Wasser offziell eingeweiht. Die rund 25 Kilometer lange Strecke fuehrt vom Regattaturm am Baldeneysee ueber Ruettenscheid und die Innenstadt zum Hafen Matthias Stinnes am Rhein-Herne-Kanal. Foto: Sebastian Konopka / WAZ FotoPoolFoto: Sebastian Konopka

Die Meldung auf der Seite 1 dieses Lokalteils scheint es zu bestätigen: Radfahrer in Essen leben oftmals gefährlich, selbst wenn die Frage, wer Schuld ist an Unfällen, nicht immer zu Lasten des Autofahrers zu beantworten ist und auch Radler Fehler machen. Unser Aufruf, Erfahrungen aus dem Radler-Alltag beizusteuern und die Radfreundlichkeit der Stadt zu bewerten, hat jedenfalls eine lebhafte Resonanz gefunden.

Holger Boehnke etwa fährt jeden Tag von seiner Wohnung in Leithe in die Innenstadt - „meistens bin ich mit dem Rad schneller und flexibler unterwegs“, sagt er. Dennoch könne er nur bestätigen, dass es in Essen noch erheblichen Nachholbedarf gebe. „Ein geschlossenes Radwegenetz ist leider nicht vorhanden, eher ein Flickenteppich.“ Folge: Entweder man nimmt das nicht ungefährliche Fahren auf Hauptverkehrsstraßen in Kauf oder die Umwege über Wohnstraßen.

Mülltonnen auf den Radwegen

Als positiv empfindet Boehnke, dass viele Einbahnstraßen im Gegenverkehr für Radfahrer offen sind. „Leider sind sich viele Autofahrer dieser Situation nicht bewußt und halten mich für einen illegalen Geisterfahrer oder Kampfradler. Hier wäre eine deutlichere Kennzeichnung sicher besser.“ Höchst ärgerlich sei, wenn die wenigen vorhandenen Radwege dann auch noch zweckentfremdet genutzt werden: „Falschparker, Jogger oder Inline-Skater am Baldeneysee.“ In der Stadt treffe man häufig auf Mülltonnen und Laubhaufen, für die die EBE gern die Radwege nutze. „Radfahrer werden so immer wieder in den Verkehrsstrom gezwungen.“

Boehnke sieht in Essen eine klare Hierarchie: „Erst kommt der fließende Autoverkehr, dann der stehende Autoverkehr (Parkplätze), dann erst mal lange nichts und dann der Radfahrer.“ Letztere müssten in Essen gute Nerven und ein dickes Fell haben. Politiker und Autofahrer sollten sich klar machen: Jeder Radfahrer bedeute: ein freier Parkplatz mehr, ein kürzerer Stau, weniger Umweltbelastung.

Auch Monika Eßer moniert die fehlende Alltagstauglichkeit des Radwegenetzes und macht dies an der sanierten Frankenstraße fest, die zwar am Anfang einen schmalen „Pseudo-Radweg“ habe, dem dann aber still und leise die Puste ausgehe.

Und Ursula Herz schreibt: Ja, es hat sich viel getan, aber ständig freilaufende Hunde machen das Leben schwer.“ Entspanntes Fahren sei unter diesen Umständen nur selten möglich. „Wann gibt es da mal eine vernünftige Regelung?“


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