Das aktuelle Wetter Essen 16°C
RWE-Hauptversammlung

"Quo vadis, RWE? Quo vadis, Herr Großmann?"

20.04.2011 | 09:49 Uhr
"Quo vadis, RWE? Quo vadis, Herr Großmann?"
RWE-Chef Jürgen Großmann auf der Jahreshauptversammlung in Essen. Foto: dapd

Essen.   Rund 200 Atomkraftgegner demonstrierten am Morgen an der Grugahalle, wo die Jahreshauptversammlung des Energiekonzerns RWE stattfindet. Bei der steht eine lange Generalaussprache an. Konzernchef Jürgen Großmann wird scharf kritisiert.

Friedlich aber lautstark demonstrierten am Mittwochmorgen rund 200 Atomkraftgegner auf dem Gelände zwischen Messe Ost und Grugahalle, wo heute die Jahreshauptversammlung des Energiekonzerns RWE stattfindet. Mit einer Sitzblockade vor der Gruga erschwerten die Demonstranten den rund 5000 Aktionären ab 9 Uhr den Eingang. Immer wieder bildeten sich Staus, die Polizei musste die Aktionäre außen herum führen. Bis zu einer halben Stunde dauerte der Einlass zeitweise.

Der für 10 Uhr geplante Beginn der Jahreshauptversammlung musste um 20 Minuten verschoben werden. Für die zum Teil betagten RWE-Funktionäre war der Weg zum Eingang ein beschwerlicher: Die AKW-Gegner bewarfen sie mit Wollknäulen. Dies solle die "Verflechtungen innerhalb des Konzerns und die Geschäftsbeziehungen des Unternehmens" symbolisieren, erklärten die Organisatoren. Zu den Kundgebungen hatten mehrere Anti-Atomkraft- und Umweltorganisationen, die Gesellschaft für bedrohte Völker sowie Grüne und Linke aufgerufen.

"RWE ist aber ein tief gestaffeltes Energieunternehmen, KEIN Atomkonzern"

Mit lauten Trommeln und Anti-AKW-Rufen übten die Demonstranten Druck auf die RWE-Funktionäre aus. Erst gegen 10.30 Uhr entspannte sich die Lage ein wenig. RWE steht im Mittelpunkt der Kritik der Atomgegner, weil der Konzern als einziger der vier großen Energieversorger in Deutschland gegen das Atommoratorium der Bundesregierung klagt . RWE will damit gegen die vorläufige Abschaltung des Reaktors Biblis A vorgehen.

Anti-AKW-Pro­test bei RWE

Zu Beginn der Jahreshauptversammlung sagte Konzernchef Jürgen Großmann, dass Fukushima eine Zäsur bedeute, vor allem in Deutschland. Rigoroser als jedem anderen europäischen Land lehnten hierzulande viele Menschen die Kernenergie ab. Vor diesem Hintergrund sei es nachvollziehbar, dass die Politik nicht zur Tagesordnung übergehe, so Großmann weiter. In der öffentlichen Wahrnehmung werde RWE allerdings seither auf den Betrieb ihrer Kernkraftwerke reduziert . "RWE ist aber ein tief gestaffeltes Energieunternehmen, KEIN Atomkonzern. Aber wir betreiben Kernkraftwerke. Und dazu stehen wir", sagte Großmann.

"Von der beschleunigten Abschaltung der Kernkraftwerke profitieren viele - nur die Deutschen nicht"

Immer wieder hätten Politik und Industrie miteinander gesprochen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Das solle auch in Zukunft so sein. "Man hat jedoch den Eindruck: Statt den volkswirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, konzentriert sich die Politik darauf Schadenersatzforderungen der Versorger zu vermeiden. Dabei werden wir es sein, die den Umbau hin zu einer kernenergiefreien Erzeugung leisten müssen", sagte Großmann. Um die Energiewende herbeizuführen, müsse die Privatwirtschaft enorme Mittel einsetzen."Wir reden hier nicht von Peanuts, sondern von einem dreistelligen Milliardenbetrag. Dieses Geld stammt bisher zumindest in Teilen aus Kernenergie. Das weiß auch die Politik. Mit dem Moratorium hat die Bundesregierung schnell, nach Ansicht vieler in- und ausländischer Beobachter überhastet gehandelt", warf Großmann vor. An dieser Stelle brandete zum ersten Mal Applaus für den Konzernchef auf.

Video
Gegen den strikten Atomkurs von RWE demonstrierten Atomkraftgegner in Essen.

"Wir haben Gebrauch von unserem Recht gemacht und daher Klage gegen die Anordnung der hessischen Landesregierung eingereicht. Das sind wir Ihnen, unseren Aktionären, schuldig", gab sich Großmann kämpferisch. Die Klage sei weder eine Kampfansage an die Politik, noch wolle RWE die Menschen brüskieren, die sich ernsthaft sorgen. "Von der beschleunigten Abschaltung der Kernkraftwerke profitieren viele - nur die Deutschen nicht", kritisierte Großmann: "Wir machen es dem Klima schwer, gefährden Arbeitsplätze, verteuern Energie - jedenfalls so lange, bis echte Alternativen bereit stehen. RWE ist gesprächsbereit und an einer einvernehmlichen Lösung interessiert."

40 Wortmeldungen wurden angekündigt

Zu Beginn der Generalaussprache warfen Vertreter von Großaktionären dem RWE-Vorstand und Großmann vor, angesichts der neuen Entwicklung keine geeignete Strategie für die Zukunft zu haben. Es dürfte eine lange Debatte werden - 40 Wortmeldungen wurden angekündigt.

Marc Tüngler, Geschäftsführer der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), unterstützt zwar die Klage gegen das Moratorium, warf Großmann aber auch indirekt vor, noch keine neue Strategie entwickelt zu haben und fragte: „Quo vadis, RWE? Quo vadis, Herr Großmann? Was bleibt übrig von RWE, wenn die Atomkraftwerke abgeschaltet sind?“

Energieriese Großmann

Auch weitere Vertreter von Großanlegern machten klar, dass sie eine neue Ausrichtung vermissen. Es fehle an einer klaren strategischen Ausrichtung. Die Frage ist, wie der Kapitän auf die rauere See reagiert.

Christoph Hirt, Sprecher der Vereinigung der Institutionellen Privatanleger (VIP) formulierte große Sorge angesichts der Klage gegen das Moratorium. Es bestehe das Risiko, dass RWE auf Grund der Klage an Akzeptanz und Reputation verlören. Es werde schwierig für das Unternehmen, an einer sachlichen Diskussion zur Atomfrage teilzunehmen. Der Konfrontationskurs laufe womöglich dem eigentlichen Sinn der Klage – Schaden vom Unternehmen – abwenden zuwider. Deshalb solle RWE die Klage noch einmal überdenken.

Dauerhafter Interessenkonflikt

Immer stärker regt sich Widerstand gegen die kommunalen Vertreter im Aufsichtsrat. „Sie tragen kommunale Politik in den Aufsichtsrat. Das gehört sich nicht und muss abgestellt werden“, so Marc Tüngler (DSW). Er sieht einen dauerhaften Interessenkonflikt. Deutlich wird das am Beispiel Dortmund: Als neuer Besitzer der Steag ist die Stadt Konkurrent von RWE, sitzt aber gleichzeitig in dessen Aufsichtsrat. Tüngler machte darauf aufmerksam, dass bei einem dauerhaften Interessenkonflikt die Aufsichtsratswahl angefochten werden kann.

Christoph Hirt stellte gar den Gegenantrag, den Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) nicht in den Aufsichtsrat zu wählen. Angesichts dessen Ämterhäufung (sechs Aufsichtsrats-Mandate, etwa 50 Ausschüsse und Beiräte) habe er kaum Zeit für die Erfüllung seiner Aufgabe bei RWE. Auch der Vertreter von Union Investment lehnt die Wahl Sieraus ab. (Mit Material von dapd.)

Kai Süselbeck, Tobias Bolsmann

Facebook
 
Kommentare
28.05.2011
01:42
Quo vadis, RWE? Quo vadis, Herr Großmann?
von samson84 | #56

Wo bleibt der kritische Journalismus?
Anstatt von Großgewicht in der Branche zu schreiben, könnte man kritisch die Aussagen hinterfragen und spätestens in einem Kommentar von Lachnummer sprechen!

28.05.2011
01:36
Quo vadis, RWE? Quo vadis, Herr Großmann?
von samson84 | #55

Zum Abschluss sei mir eine emotionale Äußerung erlaubt!
Man kann über Merkel, Rösler und Steinmeier vortrefflich sachlich diskutieren!
Aber was macht man mit den Totengräbern unserer Gesellschaft - mit Ackermann (laut Sueddeutsche Zeitung der gefährlichste Banker der Welt), mit Grossmann oder Pischetsrieder (früher Versager bei BMW mit hoher Abfindung und jetzt beiVW) ? Was soll man gegen diese Kerle unternehmen? - Antworten erwünscht!

28.05.2011
01:18
Quo vadis, RWE? Quo vadis, Herr Großmann?
von samson84 | #54

Herr Grossmann, glauben Sie eigentlich, was sie reden oder sind Sie nur ein skrupelloser Abzocker?
RWE hat im letzten Jahr Milliardengewinne gemacht! Wieso muss RWE diese Gewinne machen? (einfache Antwort wäre die Sensation - kommt aber nie!)
Nun wehren Sie sich beim möglichen Ausstieg gegen die Brennelementsteuer.
Was für ein Abzockersyndrom haben Sie eigentlich? Bei den Milliardengewinnen des letzten Geschäftsjahres können Sie sowohl die Steuer finanzieren und obendrein die Strompreise reduzieren.
Alles kein Problem, wenn Sie Ihrer gesellschaftlichen Aufgabe der Stromversorgung nachkämen ohne unsinnige Gehälter (nicht leistungsentsprechend) einschließlich Ihres eigenen zu finanzieren und ohne unsinnige Aktiendividenden auszuschütten.
Sie sollten sich einmal erinnern, was RWE einmal war und welche Aufgabe es hatte.
Ist Ihnen ja vollkommen egal und nun kommen die dummen Schlagworte, am Markt etablieren, der Zukunftsentwicklung internationaler Energiekonzerne anpassen, usw., usw.
Alles nur hohles Bla,Bla, um abzuzocken!

22.04.2011
19:56
Konzern-Chef Großmann verteidigt Klage von RWE
von meinemeinungdazu | #53

#51:
Gut und richtig Ihre Stellungnahme.

21.04.2011
18:19
Konzern-Chef Großmann verteidigt Klage von RWE
von Sparbier | #52

@tom 009
Mit Verlaub, ich kann Ihre Kommentare nicht lesen...haben Sie Ihre Shift-Taste im Pfandhaus hinterlegt?
Sie kopieren Ihre Kommentare doch eh´ nur von einem Forum ins Nächste, wie wäre es denn dann mit einer orthographisch korrekten Urversion.
Das würde uns doch allen helfen. Nur Mut, Sie schaffen das.

21.04.2011
14:22
AKW-Gegner werfen mit Wolle auf RWE-Aktionäre
von nicoben | #51

Und weiterhin erzählt Grossmann, nahezu unwidersprochen, den größten fachlichen Unsinn:
Wir machen es dem Klima schwer, gefährden Arbeitsplätze, verteuern Energie - jedenfalls so lange, bis echte Alternativen bereit stehen. Jeder wirklich Informierte weiß: AKWs schützen kein Klima (Co2 etwa gleich Gaskraftwerk - Gesamtrechnung!); alternative Energiesektor hat zig-fach höheres Beschäftigungsvolumen; Energie von AKWs ist höchstsubventioniert, also zu falschen Preisen auf dem Markt(!) Außerdem steigen trotzdem die Strompreise. Grossmanns Co2-Schleudern - wie auch z.B. seine Georgsmarienhütte - kennen keine Energieeffizienz, daher hohes Verbrauchsvolumen!

21.04.2011
11:38
AKW-Gegner werfen mit Wolle auf RWE-Aktionäre
von feder24 | #50

aus 39: Zitat:. ..Wenn ich mich nicht irre, hat der Monopolist RWE Strom im letzten Jahr 4,5 Milliarden Gewinn ..

Dieser Gewinn bringt den Aktionären ca. 6% Rendite. Die Windmühlen- und Solarindustrie wirbt Investoren mit Renditen von 8-9%! Na, wer ist da der bessere Kapitalist?

21.04.2011
11:27
AKW-Gegner werfen mit Wolle auf RWE-Aktionäre
von feder24 | #49

aus 33:..Wie bitte soll denn als beispiel die Alluminium Industrie versorgt werden?????...

Wofür brauchen wir Aluminium.
Die zukünftigen E-Mobile werden aus nachwachsenden Hölzern a la Nachkriegs-Loyd gebaut mit Baumwoll/ Leinwandbespannung.

20.04.2011
20:47
Konzern-Chef Großmann verteidigt Klage von RWE
von maped | #48

Diese ökologistischen Fanatiker unterscheiden sich bezüglich ihrer ideologischen Verbohrtheit und Kompromissaversion kaum von religiösen Fanatikern.

Eine sachliche Debatte ist aufgrund dieser Radikalisierung schon längst nicht mehr möglich. Wenn man sich die Unaufgeregtheit in unseren Nachbarländern anschaut, muss an sich wirklich fragen, was hierzulande falsch gelaufen ist.
Das traurige an der ganzen Sache ist, egal wie viele Fakten man vorbringt, die Ökos ignorieren Sie einfach oder Beten stumpf ihre Kampfslogans runter. Wer von denen hat überhaupt in der Richtung studiert????

20.04.2011
20:41
Blockierter Kommentar.
von Matsumura | #47

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/4563676/create

Aktuelle Fotos und Videos
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
30. Pfingst Open Air
Bildgalerie
Festivals
Aus dem Ressort
Ruhrmuseum und Kinemathek zeigen alte Krupp-Filme
Krupp
Im Rahmen der Ausstellung „200 Jahre Krupp“ haben Ruhrmuseum und Kinemathek im Ruhrgebiet sieben Kinoabende auf Zollverein und in der Lichtburg mit Filmen von und über Krupp zusammen gestellt. „In dieser Fülle hat es das bisher nicht mal im Ansatz gegeben“, sagt Museumschef Heinrich Theodor Grütter.
Foto Text
Steinchen bremsen Skater auf dem Welterbe Zollverein aus
Zollverein-Rundweg
Vom Asphalt des neuen Rundwegs auf Zollverein lösen sich kleine Steinchen, kritisiert Leser Martin Butzer. Das sei vor allem für Inline-Skater gefährlich. Bis zum Herbst sollen alle Stellen nachgebessert werden, sagte ein Zollverein-Sprecher.
Foto 1 Kommentare 1