Quartalsende: Arznei nur auf Privatrezept
04.07.2010 | 18:06 Uhr 2010-07-04T18:06:00+0200
Essen.Bis zu 135 Euro mehr im Jahr müssen wohl allein die gesetzlich Versicherten ab 2011 für ihre Krankenkasse bezahlen, doch zugleich klaffen Ansprüche von Patienten und die tatsächlich erhaltenen Leistungen von Ärzten, Kliniken, Therapeuten und Apothekern immer weiter auseinander.
„Mein Budget ist alle“
Das erleben täglich die Berater der Krankenkassen. In Essen ist zwar gerade die Beschwerdewelle über die Ausgabe billiger Nachahmer-Arzneien statt des bewährten Marken-Medikaments abgeebbt, doch zunehmend regen sich nun Patienten darüber auf, dass mehr und mehr Ärzte zum Ende des Quartals bisher übliche Pillen und Salben nicht mehr auf Kassenkosten verschreiben. Vielmehr händigen sie nach Darstellung der Kassen hartnäckigen Patienten ein „grünes Rezept“, also ein Privatrezept, aus; die Kosten für die Arznei muss der Kranke trotz teurer Versicherung dann ganz allein tragen.
„Wie uns unsere Versicherten erzählen, begründen das einige Ärzte sogar damit, dass ihr Budget erschöpft sei. Das geht nicht. Medizinisch notwendige Arzneien müssen verschrieben werden. Wir wollen darüber mit der Kassenärztlichen Vereinigung reden“, sagt Miriam Thamm, die neue Leiterin der DAK Essen mit 24 000 Versicherten.
Tatsächlich stehen die Ärzte unter Druck: Jeder Praxis ist rechnerisch ein Etat für Arzneien zugeteilt; wer mehr verschreibt, muss dies ausführlich begründen oder wird sonst mit Strafzahlungen traktiert.
Aber auch die Krankenkassen selbst müssen bei bestem Willen Ausgabewünsche ihrer Versicherten ablehnen - weil die Gesundheitsgesetze immer strenger wurden.
„Seit der Wirtschaftskrise häufen sich bei uns Anfragen von Patienten, die Taxi-Fahrten zum Arzt oder zur Klinik bezahlt haben wollen“, erzählt Thamm. Doch selbst bei Härtefällen ist es den Kassen verboten zu zahlen, es sei denn, die Ausnahme ist gesetzlich fixiert: Etwa Fahrten von Dialyse-Kranken oder von einigen Schwerbehinderten . Da bleibt den Kassenangestellten nur der praktische Rat an Hilfesuchende übrig, es einmal mit Gesprächen beim Taxiunternehmer zu versuchen - und Rabatt für regelmäßige Fahrten herauszuschlagen.
Zwar steigt der Bedarf der Patienten nach Beobachtung von Medizinern und Versicherungen an ausführlicher Beratung, doch weder Krankenkassen noch Ärzte können dies aus Zeitgründen so ausführlich leisten wie notwendig.
Wichtige Selbsthilfe
„Selbsthilfeorganisationen sind da enorm wichtig. Die Kranken können sich unter Gleichgesinnten austauschen, erhalten von Experten Tipps“, lobt Thamm das Engagement der meist ehrenamtlich tätigen Selbsthilfevereine. Seit der Gesundheitsreform von 2007 müssen die Kassen diese finanziell unterstützen – auf Antrag.
Die neue DAK-Leiterin will dabei Konzepte und Umsetzungen genau kontrollieren, die Spreu vom Weizen trennen. Denn auch unter den Selbsthilfevereinen gebe es dubiose Clubs. Einige sollen sogar zur Arznei-Verkaufsförderung von Pharmafirmen missbraucht worden sein.
18:34
Folgende Situation: Ehefrau ist chron. Krank mit einer EU-Rente von rund 800,00 Euro/mtl. ! Medikamentenzuzahlungskosten im Jahr ca 1600,00 Euro ! Ihr Antrag auf teilweise Befreihung von der Zuzahlung wurde von der gesetzl. K.Kasse abgelehnt unter Hinweis auf das insgesamt zur Verfügung stehende Familieneinkommen, sprich den dazu zu rechnenden Arbeitslohn des Ehemannes ! Das steht so im SGB, solche Gesetze werden gemacht,ich nenne das eine klassische Enteignung des Arbeitslohnes des Ehemannes, der übrigens bei einer anderen Kasse gesetzlich Krankenversichert ist !
20:04
Sparen könnten die Kassen ,wenn sie ihre Arbeit richtig machen würden.Ein BeispielReal verkauft ein Zuckertestgerät für ca. 9.-Euro,Teststreifen dazu für ca.19.-Euro.Beide Teile liefern die gleichen Testwerte wie ein teures Messgerät und die Teststreifen dazu kosten ca.30.-Euro.Frage wäre doch eine Ersparnis oder ?
23:06
@#2 Kritiker12....
Ich hoffe Sie werden niemals Alt!
Glück Ab!
15:53
@Labbecker
...mit dem Spruch angetreten #diesmal wird die Pharmaindustrie zur Kasse gebeten#. Auch ein Herr Rösler sagte das noch vor ein paar Wochen. Und nun? Kein Wort mehr davon!
Offenbar ist da einiges an Ihnen vorbeigegangen. Etwas mehr Information könnte nicht schaden, bevor man sich öffentlich äußert.
Da hilft man doch gerne aus: Bundestag beschließt Pharma-Rabatte und Preisstopp
http://www.tagesschau.de/inland/pharmarabatt100.html
13:39
„Selbsthilfeorganisationen sind da enorm wichtig. Die Kranken können sich unter Gleichgesinnten austauschen, ...
Klar - dann überlegen wir was wir haben, suchen uns im Internet das passende Medikament raus und behandeln uns selber. Die Kassen sparen Unsummen und Ärzte, Apotheker etc kann man quasi ( fast ) komplett abschaffen. Wenn man dann noch nen Metzger kennt, kann man die Nierentransplantation auch eben auf dem Küchentisch erledigen...
Also irgendwann muss doch auch mal gut sein ! Wofür bezahlen wir die ganzen scheiß Kassenbeiträge eigentlich ? Für Arztleistungen und ( von der Kasse getragene ) Medikamente sicherlich nicht !
13:11
Der grösste Blödsinn ist, dass es x-verschiedene GKVen gibt, die alle ihre aufgeblähten Verwaltungen finanzieren müssen.
Des Weiteren ist es natürlich aüßerst sinnvoll, dass jeder Hausarzt über die GKV einen Maschinenpark finanziert bekommt, der einer kleinen Klinik zum arbeiten reicht.
Es ist in Deutschland offenbar nicht möglich, mal über die Grenze zu schauen und z.B. von den Erfahrungen der Niederländer mit Polykliniken zu lernen.
Dort teilen sich halt mehrere Ärzte verschiedene Geräte.
12:35
Vielleicht sollte unsere Politik einmal darüber nachdenken die Pharmaindustrie viel stärker in die Pflicht zu nehmen, z.B. ihre Medikamente zu realistischen Preisen anzubieten. Als nächstes wäre es gut, auch die Apotheken in Einsparungsüberlegung mit einzubeziehen.
Es kann nicht sein, dass es in manchen Innenstadtbereichen mehr Apotheken gibt, als beispielsweise Bäcker, Imbissbuden und Kneipen zusammengenommen. Apotheken die trotz ihrer großen Anzahl, wohl ganz gut über die Runden kommen.
Desweiteren sollten einmal die Patienten, nicht alle, darüber nachdenken ob sie für jedes Zipperlein sofort ganz tolle und vermeintlich hochwirksame Medikamente haben müssen.
Die häufig noch im Restmüll landen, wenn der Patient den Beipackzettel durchgelesen hat, von wegen Nebenwirkungen und Co. Es gibt viele Einsparmöglichkeiten, man muss nur wirklich bereit sein, diese umzusetzen, auch gegen den Widerstand einiger Interessegruppen.
12:09
Budgetklemme beim Arzt? Na, dann das *Apothekermodell* wählen.
Abzüglich der sowieso zu leistenden Arzneimittelkosten bleibt unterm Strich die Ersparnis in Höhe des *Einrittsgelds* für die Hausarztpraxis.
Sarkasmusmodus aus.
12:05
# 5 derhamburger
Warum werden solche Kosten nicht einmal öffentlich gemacht ?
Da wären wir aber alle entsetzt, was wir gemeinsam seit 1964 zu tagen haben.
Das Gesetz gehört schleunigsrt auf den Prüfstand.
Da kann der Herr Gesundheitsminister sein Können unter Beweis stellen.
Da er aber erst unter 40 ist, wird er wohl das Gesetz nicht einmal kennen.
11:54
# 5 tja, aber da geht keiner dran.
Und wer kontrolliert, ob es sich tatsächlich um die Angehörigen handelt ......
Und Jugoslawien gibts in der damaligen Form also nicht mehr, welcher Pfosten hat das
Abkommen denn dann verlängert ?