Punks, Rocker und Familien einträchtig beim Pfingst-Open-Air

Die Band  Genetikk auf der Bühne beim Pfingst-Open-Air in Essen-Werden.
Die Band Genetikk auf der Bühne beim Pfingst-Open-Air in Essen-Werden.
Foto: Knut Vahlensieck / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Pfingst-Open-Air hat längst Kultstatus: Zur 33. Auflage kamen wieder Musikfans aller Altersklassen, um die entspannte Atmosphäre zu genießen.

Essen.. Marie und Alex sind bestens ausgerüstet für das 33. Pfingst-Open-Air: Die beiden Bochumer sitzen entspannt auf ihrem aufblasbaren Sofa und genießen die Sonne, die sich kurz vor drei zum ersten Mal an diesem Tag am Himmel über dem ehemaligen Werdener Strandbad zeigt. „Ich kenne keinen besseren Ort für ein Open-Air-Festival“, sagt Alex.

Der 25-Jährige muss es wissen: Schließlich pilgert er jeden Sommer von Festival zu Festival, „aber Werden ist etwas ganz Besonderes“. Die Atmosphäre stimme, die Musikmischung auch, „und ich habe das Gefühl, wir nehmen an einem Happening teil, an dem alle Schichten beteiligt sind“.

Der Coup in diesem Jahr: Hip-Hop-Band Genetikk

Tatsächlich ist dieses legendäre „Umsonst-und-draußen“-Festival, das Jahr für Jahr Tausende an die Ruhr lockt, ein Spielplatz für Jedermann: Da sitzt die Kleinfamilie einträchtig neben einem Pulk Punkerinnen, deren bunt gefärbte Haare in der Sonne leuchten. Dazwischen fläzen ein paar Rocker im Gras, recken ab und zu ihre tätowierten Arme hoch um „Yeahh!“ Richtung Bühne zu rufen. Dort hat sich kurz nach 14 Uhr die im Ruhrpott beheimatete Hardcore-Band Tony Gorilla warm gespielt. Zu ihren Füßen füllt sich die Wiese langsam aber stetig. 4000 sind schon da, „aber wir sind sicher, dass wir die angepeilte Zahl von 13 300 erreichen werden“, sagt Mitorganisator Gerd Dubil.

Dubil ist als Mitglied des Rockfördervereines ein Urgestein des Kultfestivals und von Anfang an dabei. „Wir wollten damals den lokalen Bands eine Plattform geben, inzwischen haben wir echte Chartstürmer auf der Bühne“, sagt er in Hinblick auf den Coup in diesem Jahr: die Hip Hop Band Genetikk.

Während die Gorillas ihre Anlage ausreizen, bis die wummernden Bässe Herzrhythmusstörungen erzeugen, wird auf der elektronischen Bühne zu den Beats von Professional Gigolo getanzt. Dort ist es bereits voll und die Stimmung so friedlich wie nebenan. Tobi ist extra aus Mönchengladbach angereist, „das Pfingst-Open-Air ist auch bei uns Kult“, sagt er und schwingt seine langen Rastazöpfe.

Selfie mit Bezirkspolizist Wilfried Gabriel

Nicht ganz zu diesem entspannten Szenario passt die fast martialisch auftretende Ordnungsmacht, die selbstbewusst Präsenz zeigt. Doch manchen stört das nicht: So muss der Frohnhauser Bezirkspolizist Wilfried Gabriel fürs Selfie herhalten. Das tut er gerne, „denn ich kenne hier viele Jugendliche schon seit ihrer Schulzeit“.

Derweil es drinnen immer voller wird, freuen sich zahlreiche Pfandflaschensammler vor dem Eingang: Da die Besucher nur eine Plastikflasche aufs Gelände mitnehmen dürfen, wird draußen kräftig vorgeglüht. Was nicht auf der Straße zerschellt, landet in den Müllsäcken der Sammler. „Ein guter Tag“, murmelt einer. Das denken auch die vielen, die bis in die Nacht hier feierten.