Pultmagier in der Philharmonie

Das Programm des 6. Sinfoniekonzertes war mit Repertoirewerken der Romantik unspektakulär. Dafür zog der Gastdirigent des Abends die Aufmerksamkeit auf sich: Karl-Heinz Steffens erwies sich als Pultmagier voller Charisma und Autorität. Kein Egomane, sondern ein bescheiden auftretender, liebevoller Zuchtmeister, der die Essener Philharmoniker zu Höchstleistungen beflügelte.

Die kitzelte er schon mit Berlioz‘ Ouvertüre zu „Benvenuto Cellini“ als effektvollem Konzertstück heraus: französisches Klangraffinement mit brillantem Blech, blumigen Holzbläsern und dynamischen Kontrasten. Aber was war das gegen Schumanns jubilierende „Frühlingssinfonie“, die das Orchester in strahlendem Sonnenlicht ausbreitete, deren Liniengeflecht Steffens zum Leuchten brachte und deren melodische Bögen die Streicher mit innigem Ausdruck erfüllten. Das sprach für Musizierkultur aus einem Guss, für exquisites Einvernehmen von Philharmonikern und Dirigent.

Toppen ließ sich das in Mendelssohns „Reformationssinfonie“ zwar kaum, führte aber auch hier zu Glücksmomenten – der aus dem Geist Beethovens entwickelte Kopfsatz, die delikat hingezauberten Gespinste des Dresdner Amen, der Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“, dem als Höhepunkt die zähe Pathetik erspart blieb. Der freundliche Applaus hätte auch noch heftiger ausfallen dürfen.