Essen

Protestmarsch mit Hindernissen

Stillstand: Nach nur wenigen hundert Metern stoppte die Polizei auf der Krayer Straße den Protestzug.
Stillstand: Nach nur wenigen hundert Metern stoppte die Polizei auf der Krayer Straße den Protestzug.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Beinahe wäre der Protestzug gegen die Ansiedlung der NPD-Landeszentrale in der Marienstraße gar nicht in der Marienstraße angekommen. Unstimmigkeiten zwischen Polizei und Demonstranten sowie unter den Demonstranten selbst führten dazu, dass er auf halber Strecke abgeblasen wurde und sich neu formierte.

Essen. Viel später als geplant trafen die Protestler am Samstag in Kray ein, um jene Botschaft loszuwerden, die sie – was das Hin und Her für manchen unerträglich machte – letztlich einte: „Weg mit der NPD-Zentrale!“

Etwa 250 Teilnehmer

Schon auf dem Kaiser-Otto-Platz in Steele, wo die von der Antifa angemeldete Demo am Mittag beginnen sollte, zeichnete sich ab, dass es ein Marsch mit Hindernissen werden würde. Immer wieder verzögerte sich der Start, weil manche der rund 250 Demonstranten nach Ansicht der Polizei gegen das Vermummungsverbot verstießen. Auch die Vermittlungsversuche einzelner Lokalpolitiker zeigten zunächst keinen Erfolg. Für die wenigen parteipolitisch oder organisatorisch ungebundenen Teilnehmer der vom Antifa-Schwarz dominierten Demo war das Geschehen schon da mindestens irritierend.

Beinah eine Stunde verging, bis sich der Zug in Bewegung setzte – um wenige hundert Meter weiter wieder zum Stillstand zu kommen. Die Polizei hatte moniert, Demonstranten hätten sich erneut vermummt. Wieder begann ein langes Tauziehen, der Anmelder löste die Demonstration schließlich auf – während die Anwohner der Marienstraße, die ihre Häuser mit bunten Fahnen und Luftballons geschmückt hatten, weiter auf die Ankunft ihrer Unterstützer warteten.

Partei-Vertreter meldeten Demo neu an

Eine kleine Gruppe von Parteivertretern der Linken, der Grünen und der SPD, die von Steele aus mitmarschiert waren, meldete schließlich eine neue Demonstration an. Nicht alle Teilnehmer mochten dem Zug unter Führung von Linken-Ratsherr Wolfgang Freye folgen, der Großteil aber schloss sich dem neu formierten Tross an. Einzelne machten ihrem Unmut über Polizei und Politik Luft, am Ende standen drei Anzeigen wegen Beleidigung und Verstoß gegen das Vermummungsverbot. Einen der Teilnehmer nahm die Polizei mit aufs Präsidium.

Dezimiert und deutlich verspätet gelangten die Protestler schließlich ans Ziel. Die Marienstraße selbst hatte die Polizei abgesperrt, um eine Konfrontation mit NPD-Vertretern zu verhindern, von denen einige, darunter Landeschef Claus Cremer, die Kundgebung in Hörweite verfolgten. „Wir sind froh, dass dieser Stadtteil aufsteht“, betonte der Krayer SPD-Ratsherr Frank Müller und andere taten es ihm nach, „wir wollen diesen Nachbarn nicht“.

Das gelte auch für die Polizei, so Sprecher Ulrich Faßbender, dessen Behörde sich nach der Demo mit Vorwürfen konfrontiert sieht. „Wir als Polizei haben auch keinen Spaß daran, dass die Braunen in der Stadt sind.“ Bei der Demonstration aber seien Spielregeln nicht eingehalten worden. Die Antifa hatte die Polizei beschuldigt, den Protest verhindert zu haben. Auch Spontan-Anmelder Wolfgang Freye sprach von „schwer nachvollziehbaren Entscheidungen“.