Propaganda für Sowjetzone kostete Job

Aus der WAZ vom 21. Januar 1965:.  Politische Agitation im Sinne der Sowjetzonenmachthaber führte zum Ausschluß eines Betriebsratsmitgliedes aus dem Betriebsrat seiner Firma. Das Essener Arbeitsgericht gab dem Antrage einer großen Essener Firma für Rohrleitungsbau statt, einem ihrer Monteure die weitere Arbeit im Betriebsrat zu untersagen. Während der Montagearbeiten hatte dieser Mann auf den Baustellen politische Reden gehalten, in denen er den Bau der Berliner Mauer guthieß und das Leben in der Sowjetzone pries. Nur dort gäbe es einen wahren Rechtsstaat, verkündete er und behauptete, laut Statistik handele es sich bei den Zonenflüchtlingen fast nur um Verbrecher. Überdies sei der Aufstand vom 17. Juni 1953 von der Bundesrepublik finanziert worden. Das gälte auch für den Fluchttunnel in Berlin. Die IG Metall hatte den Monteur wegen seiner politischen Gesinnung bereits im Jahre 1962 ausgeschlossen. Gleichwohl war er erneut in den Betriebsrat der Firma gewählt worden. Die Auflage seiner Firma, wieder in die Gewerkschaft einzutreten, konnte er jedoch nicht erfüllen.