Prognose zu Flüchtlingen korrigiert

Die größte Befürchtung der Stadt, Flüchtlinge mangels Alternativen in den nächsten Wochen und Monaten notfalls in Turnhallen unterbringen zu müssen, hat sich seit gestern etwas gelegt: Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge veröffentlichte am Mittag eine neue Prognose, die einiges an Klarheit in den missverständlich formulierten Brandbrief des Landesinnenministers gebracht hat. Demnach geht die Bundesbehörde für das laufende Jahr von 300.000 und nicht – wie den Kommunen zunächst mitgeteilt – von weitaus höheren Asylbewerbern-Zahlen in einer Größenordnung von 500.000 Menschen aus. Für Essen bedeutet dies: Auf der Grundlage der neuen Prognose muss die Stadt im laufenden Jahr insgesamt rund 5.200 Flüchtlinge unterbringen. Nach Abzug aller Kapazitäten fehlen derzeit rund 750 Plätze. Bis zum Juli entstehen nach der einstimmigen Dringlichkeitsentscheidung im Sozialausschuss 543 neue unter anderem durch den Ausbau der bisherigen Behelfsunterkünfte. Was unterm Strich bedeutet: Nach der Schätzung des Bundes sind 205 zusätzliche Plätze notwendig, die durchaus „mittelfristig hergerichtet werden können“ durch die Anmietung neuer Immobilien oder den Umbau von Gebäuden zu weiteren Behelfseinrichtungen noch in diesem Jahr. Wer angesichts der neuen Situation will, dass alle Behelfseinrichtungen geschlossen werden, muss den Bau neuer Übergangswohnheime für bis zu 1.200 Menschen möglich machen. Wie Sozialdezernent Peter Renzel gestern sagte, laufen zur Zeit die Gespräche über die dafür zusätzlichen Investitionsmittel, die nicht nur Essen zur angemessenen Unterbringung der Flüchtlinge benötigt. Trotz einer leichten Entwarnung bleibt die Lage nach Einschätzung des Sozialdezernenten nach wie vor sehr angespannt: „Die letzte Woche hat gezeigt, dass derzeit niemand in der Lage ist vorherzusagen, wie stark der Anstieg der Flüchtlingszahlen sein wird.“