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Eklat

Professoren der Uni in Essen verteidigen das vorzeitige Ende der Comic-Ausstellung

04.07.2013 | 08:00 Uhr
Professoren der Uni in Essen verteidigen das vorzeitige Ende der Comic-Ausstellung
„What Comics can do“ – ein letztes Ausstellungsplakat im Foyer der Uni-Bibliothek in Essen hängt noch. Die Schau selbst wurde wenige Tage vor dem offiziellen Ende vorzeitig abgebrochen. Eine muslimische Studentin hatte sich mehrfach beschwert.Foto: Klaus Micke

Essen.  Nachdem eine Comic-Ausstellung in der Bibliothek der Uni in Essen vorzeitig beendet wurde, weil eine muslimische Studentin sich in ihren religiösen Gefühlen verletzt sah, verteidigen Professoren das vorzeitige Ende der Schau und erklären: Eine Teil-Zensur sollte keinesfalls geduldet werden.

Im Fall der umstrittenen Plakat-Ausstellung an der Uni Duisburg-Essen haben jetzt erstmals Professoren das vorzeitige Abhängen der Bilder verteidigt. Die Verkürzung der Ausstellungsdauer sei aus „Protest gegen die erfolgte Zensur“ erfolgt, betonen die Professoren des Instituts für Anglophone Studien.

Die Ausstellung eines Anglistik-Seminars, das sich mit anspruchsvollen, politischen Comics („Graphic Novels“) beschäftigt hatte, war vor einer Woche, wenige Tage vor dem geplanten Ende, geschlossen worden. Zuvor hatte sich eine muslimische Studentin mehrfach mit dem Verweis auf ihre religiösen Gefühle beschwert, ein Bild abgehängt und ein weiteres zerschnitten.

Seitdem wird in der Uni intensiv über das Verhältnis von wissenschaftlicher Freiheit und Respekt vor Religionen diskutiert. Die Debatte zog weite Kreise, nachdem die WAZ über den Fall berichtet hatte.

Kein falsches Zeichen geben

Die Poster, um die es geht, waren Collagen, in denen Bilder des US-Künstlers Craig Thompson verarbeitet wurden. Sein Orient-Comic „Habibi“ gilt als Klassiker. Am 17. Juni hing die Studentin ein Bild, das eine sexuelle Szene zeigt, eigenhändig ab. Am 24. Juni nahm sie ein zweites Bild ab, zu sehen ist eine Demonstrations-Szene, es geht um die Situation in Israel. Die Studentin zerschnitt das Bild mit einer Schere, die auf einem Bibliotheks-Tisch lag.

Hätte man die restlichen Bilder hängen lassen, so sei das dem Eingeständnis einer Schuld gleichgekommen, sagt jetzt Prof. Dr. Christoph Heyl, der geschäftsführende Direktor des Instituts für Anglophone Studien: Der Eindruck, Teilzensur zu dulden, sollte vermieden werden. Außerdem galt es, die Studenten zu schützen und einen normalen Bibliotheksbetrieb zu gewährleisten.

Keine juristischen Schritte

Unterdessen kündigt Uni-Rektor Ulrich Radtke an, die Ereignisse mit der Studentin im persönlichen Gespräch erörtern zu wollen. „Die Hochschul-Leitung wird sehr deutliche Worte finden“, kündigt Beate Kostka an, die Sprecherin der Uni Duisburg-Essen. Von juristischen Schritten sieht die Uni vorerst ab.

Wie bereits angekündigt, arbeitet die Uni den kompletten Vorgang auf. „Wir lassen gerade durch Islamwissenschaftler prüfen, inwieweit die Plakate religiöse Gefühle verletzt haben könnten“, sagt Uni-Rektor Ulrich Radtke. Im Herbst soll zum Thema eine Veranstaltung stattfinden. Die hochschulpolitische Liste „Muslimische Studierende für Gerechtigkeit“ betont derweil, die Studentin repräsentiere nicht die Position muslimischer Studenten.

Martin Spletter


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