Probelauf für den großen Tag

Auf der Essener Hochzeitsmesse gab es alles zu kaufen, was für eine Märchenhochzeit nötig ist
Auf der Essener Hochzeitsmesse gab es alles zu kaufen, was für eine Märchenhochzeit nötig ist
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Hochzeitsmesse Essen lässt jedes Jahr tausende Frauenherzen höher schlagen. Für die Männerwelt ist die Auswahl allerdings ziemlich begrenzt. Anproben sind sogar die Ausnahme.

Essen..  Männer gelten gemeinhin als Einkaufsmuffel. Frauen dagegen wird nachgesagt, dass sie gerne stundenlang durch die Geschäfte ziehen. Die Hochzeitsmesse ist offensichtlich nach diesem landläufigen Klischee aufgebaut: Für die Damenwelt gibt es zahllose Stände mit Kleidern in allen Farben und Schnitten, ein paar Meter weiter stehen tausende Schuhe zum anprobieren bereit, außerdem reichlich Accessoires für den schönsten Tag im Leben. Schon um kurz nach elf Uhr sind alle Spiegel besetzt. Mitarbeiterinnen zupfen Kleider zurecht, während die angehenden Ehefrauen ihre Haare provisorisch hochstecken.

Die Herren müssen sich dagegen mit ein paar Anzügen begnügen. Die Sakkos sind in der Regel auf schlichte Drahtgestelle gespannt. Eine direkte Anprobe ist sogar nur bei einem einzigen Anbieter möglich. „Wir haben in der Vergangenheit auch eine Umkleide aufgebaut, aber die wurde nicht genutzt“, berichtet Franz Schäfer, Verkaufsberater bei einem Herrenausstatter aus Dortmund. „Jetzt nutzen wir den Platz lieber für einen zusätzlichen Ständer.“ Für Franz Schäfer geht es auf der Messe auch nicht darum, etwas zu verkaufen, sondern die Kunden in den Laden zu lotsen. Denn dort, so der 61-Jährige, hätten Männer mehr Zeit und Muße für eine Beratung, und die dauert in der Regel ein bis zwei Stunden.

Chips und Weingummi

Deutlich ausgeglichener geht es dagegen am Stand von Vita depil zu. Zwei Angestellte rubbeln hier sowohl Männern als auch Frauen störende Haare vom Körper. Neugierige Messebesucher können ihre Ärmel hochkrempeln, dann kommt eine Art Schmirgelpapier zum Einsatz. Wenige Sekunden später ist bei beiden Geschlechtern nur noch blanke Haut zu sehen, wenn auch leicht gerötet. Gleich gegenüber bietet Monika Strerath ein etwas langlebigeres Geschenk an. Die Essener Tischlermeisterin fertigt individuelle Hochzeitsbänke, in deren Mitte sich eine gravierte Stahlplatte befindet. „Das schöne an so einer Bank ist, dass man die nach der Trauung auch in den Garten stellen kann. Irgendwann können die eigenen Kinder sie für ihre Hochzeit benutzen“, sagt Strerath, die mit ihren Produkten zum ersten Mal auf einer Messe vertreten ist.

Ein weiterer Neuzugang unter den Ausstellern ist das Rüttenscheider Trauringstudio von Jens Stimpel. Vor ihm sitzen Katrin Schmid und Christian Puck. Die beiden waren schon am Samstag am Stand in Halle 1, jetzt sollen die letzten Details für ihre Ringe in Roségold besprochen werden. Inhaber Stimpel reicht Chips und Weingummi, während sich die beiden Verliebten über die Beschaffenheit der Steine unterhalten. „Auf jeden Fall sollen es sieben sein“, erklärt die 28-Jährige Katrin Schmid. „Das ist unsere Glückszahl und auch das, was unser Budget zulässt.“ Bis zu 14.000 Euro wird sich das junge Paar die Hochzeit insgesamt kosten lassen. 50 Personen stehen am 17. Juli auf der Gästeliste. Ein durchschnittlicher Wert, wie Jens Stimpel erklärt.

7.000 Messebesucher

Wer es darauf anlegt, wird auf der Hochzeitsmesse schnell ein paar Scheine los. „Wann ist denn bei Ihnen der große Tag?“, lautet eine beliebte erste Frage. Kurz darauf hält man den Werbeprospekt eines Reisebüros in den Händen, dazu eine Visitenkarte und eine Preisliste. Ein Barmixer schenkt alkoholfreie Cocktails aus, ein Friseur kümmert sich um das Styling der Besucherinnen. Nur für die Hochzeitsmagazine wird ein kleiner Obolus verlangt. Ansonsten heißt es überall: Anfassen und probieren ist inklusive. Für einige Branchen ist es besonders schwer, sich von der Konkurrenz abzuheben. Viele Fotografen versuchen deshalb, mit ausgefallenen Hüten, überdimensionierten Brillen, falschen Bärten und partytauglichen Sofortbild-Kameras aus der Masse herauszustechen. Viele, der insgesamt 7.000 Messgäste sind mit einer klaren Kaufabsicht nach Essen gekommen.

Cindy Weinert hat ihr Kleid zwar schon gefunden, was ihr aber noch fehlt, sind ein Schleier und die richtigen Schuhe. „Im Internet sucht man tagelang, hier habe ich alles in einem großen Raum“, so die 25-Jährige. „Außerdem kann ich mich inspirieren lassen. Bis zur Hochzeit muss ich noch einiges festlegen: wie ich meine Haare mache oder die Farbe für die Dekoration.“ Ihr Verlobter hat dabei nicht ganz so viel zu sagen. Das ist nicht immer schlimm, findet Udo Lehmann, Inhaber eines Brautmodengeschäfts. „Beim Anzug sollte der Mann zum Beispiel auch darauf achten, dass er selbst gut darin aussieht und nicht, ob es zur Farbe des Kleids passt.“