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Preise für Immobilien in den Top-Lagen in Essen schießen durch die Decke

04.08.2012 | 16:00 Uhr
Foto: Jan Dinter

Essen.   Die Quadratmeterkosten für Eigentum sind in Essen zwar stabil, aber: Die Eurokrise befeuert den Markt in den Top-Lagen. Die Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen lassen sich durchaus mit denen in den In-Vierteln von Hamburg oder München vergleichen.

Papier ist geduldig. Für Sparbücher oder die Unterlagen zu Aktien und Fonds scheint das derzeit nicht zu gelten. In Zeiten der Eurokrise bewirkt die Verunsicherung der Menschen, was ihre Ersparnisse angeht, eher den Wandel zum Betonbauer oder -käufer. Dieser Trend auf dem Immobilienmarkt, der sich zum seit Jahren beobachteten Preisanstieg von Neubauten oder Bestandswohnungen in den Essener Top-Lagen im Süden wie Rüttenscheid, Werden oder auf der Ruhrhalbinsel gesellt, ist zwar nicht vergleichbar mit der Entwicklung in anderen Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern. Aber: Im jüngsten Marktbericht des Internet-Immobilienportals „immowelt“, der auf den Durchschnittspreisen der jüngsten Angebote fußt, leuchten Rüttenscheid und die darumliegenden Stadtteile tiefrot auf. Gegenüber dem Vorjahresquartal sind die Kaufpreise für Eigentumswohnungen (Neubau und Bestand) dort in den ersten drei Monaten des Jahres 2012 um mehr als 20 Prozent nach oben gegangen. Ein starker Anstieg, der sich mit der Preiseruption in den In-Vierteln Münchens oder Hamburgs messen kann.

Durchschnittlich 1128 Euro pro Quadratmeter

Zwar spricht die Nürnberger Aktiengesellschaft von stabilen Preisen bezogen auf das ganze Stadtgebiet. Durchschnittlich sind es 1128 Euro pro Quadratmeter für die eigenen vier Wohnungswände. Ein Wert, der Essen auch als Zugpferd des Ruhrgebiets zu bestärken scheint – in Dortmund fiel die Zahl. Dennoch gehöre Essen „zu den günstigeren deutschen Großstädten“ beim Immobilienerwerb bundesweit. Schattenseiten hat dies allerdings auch – und die liegen eben im erfolgsverwöhnten Süden. „Die Blasmusik spielt dort und in Rüttenscheid“, betont Werner Weskamp vom lokalen Ableger des Eigentümervereins „Haus und Grund“.

Die Makler freut’s jedenfalls. Das Motto lautet: „Stein statt Sparbuch“. Viel schneller können sie wegen der großen Nachfrage bei geringem Angebot heute Objekte vermarkten – sei es für Familien, die angesichts günstiger Zinsen ins Eigenheim ziehen wollen, sei es für solvente Bürger, die Beton für das härtere Rüstzeug gegen aufweichende Finanzmärkte halten. „Das ist nicht nur eine Folge der Euro-Krise, sondern auch ein demografisches Moment“, sagt Weskamp. Ältere Eigentümer änderten ihre Wohnlage und Ausstattung. Bei den Gründen für den Preisanstieg müsse man differenzieren. „Es kommt vor allem individuell auf die Wohnung und Lage an.“

Neubauten sind durchweg teurer

Neubauten fallen dabei heraus: Sie haben bereits höhere Standards und sind durchweg teurer. Dass dies kein Hindernis ist und die Menschen tiefer in die Tasche greifen, um sprichwörtlich aus dem Euro herauszukommen, sieht auch Günter Bergmann von der Sparkasse, die wegen ihrer immensen Kundenzahl ein Platzhirsch am Essener Immobilien-Markt ist.

Ob der jüngste Kölbl&Kruse-Neubau nahe der Gruga oder die geplante Seebogen-Siedlung in Kupferdreh: „Letztere haben wir etwa in einem Jahr abverkauft.“ Bergmann bricht aber auch eine Lanze für den Nordwesten: „In Bedingrade, Schönebeck oder Frintrop läuft’s auch gut.“ Auf rund 10.000 Vormerkungen sei die Interessentenkartei mittlerweile angeschwollen. „Selbst die Sommerferien merken wir nicht“, sagt er über die Nachfrage nach Terminen. „Wie viel Immobilie können Sie sich leisten?“, diese Frage stehe am Anfang des obligatorischen Beratungsgesprächs. Nebenkosten müssten dabei im Blick behalten werden, eine Eigenkapitalbeteiligung von mindestens 20 Prozent sei notwendig. Bereits in den Jahren 2010 und 2011 sei das Umsatzvolumen des Immobiliengeschäfts der Sparkasse jeweils um 20 Prozent gestiegen, für 2012 „sieht es super gut aus“.

Mit rund 23 Prozent habe die Stadt eine niedrige Eigentumsquote, aber wie sich die derzeitige Entwicklung darauf auswirkt und ob bestimmte Viertel später als steter Sieger oder sicherer Verlierer dastehen, will keiner der Makler prognostizieren. „Das ist schwierig zu sagen“, erklärt Maria Schädlich, Sprecherin bei „Frick Immobilien“, die ein verdoppeltes Interesse an Anlageimmobilien feststellt. Die Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern in Frohnhausen und Kray, aber auch nach Studentenwohnungen in Rüttenscheid sei groß: „Selbst vermietete Wohnungen werden zügig verkauft.“

Quartalsbericht von „immowelt“

Laut des Marktberichts des Internetportals liegt der Quadratmeterpreis bei einer Essener Eigentumswohnung (es sind 1.128 Euro) deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 1.741 Euro. Im ersten Quartal fiel dieser Preis stadtweit gesehen um drei Euro gegenüber den ersten drei Monaten des Jahres 2011.

Neben Rüttenscheid boomt der Eigenheimmarkt auf der Ruhrhalbinsel und in der Stadtmitte (Preissteigerung von 10 bis 20 Prozent). Stabil blieb er laut immowelt-Daten im Westen, im Süden links und rechts der Ruhr sowie in Steele. Einbußen (mehr als drei Prozent) gab’s im Großraum Borbeck sowie generell im Norden.

Essens Schrott-Immobilien

Tim Walther



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