Post von Lucke – Essener Ex-AfD-Ratsherr ist heiß umworben

Jochen Backes ist 2014 in den Rat der Stadt Essen gewählt worden, damals als Kandidat der AfD.
Jochen Backes ist 2014 in den Rat der Stadt Essen gewählt worden, damals als Kandidat der AfD.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Auch Ratsherr Jochen Backes hat Post von seinem Ex-Parteichef Bernd Lucke erhalten. Einer neuen Partei würde der Essener wohl beitreten. Aber auch im Rat wirbt man um seine Gunst.

Essen.. Als Kandidat der „Alternative für Deutschland“ (AfD) wurde Jochen Backes 2014 in den Rat der Stadt Essen gewählt. Aus der Partei trat er aus, bevor die AfD auf dem Bundesparteitag in Essen mit der Wahl von Frauke Petry zur neuen Vorsitzenden auch personell einen Rechtsschwenk vollzog. Dieser Tage hat auch Backes Post bekommen von Bernd Lucke. Der abgewählte AfD-Chef erwägt die Gründung einer neuen Partei. Als Mitglied des von Lucke ins Leben gerufenen Vereins „Weckruf“ zählt auch Jochen Backes zu den Adressaten. Dieser steht nach eigenen Worten nun vor einer schwierigen Entscheidung. Denn auch im Rat der Stadt ist das parteilose Mitglied umworben.

In nur wenigen Monaten politischer Arbeit im Rat hat sich Backes, der einmal in der CDU war, aber dort ausgetreten ist, weil ihm in der Merkel-Partei das konservative Element zu kurz kam, einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Da mag er durch sein formvollendetes, aber etwas hölzerne Auftreten wirken, als sei er aus der Zeit gefallen; in einer Verfilmung der „Buddenbrooks“ von Thomas Mann wäre Backes eine Idealbesetzung. Dass er Sachthemen wie den Schuldenhaushalt oder die Finanzaffäre um den Stadionbau so stoisch und detailversessen angeht wie ein Buchhalter eine Steuererklärung, ist kein Zufall. Im Hauptberuf arbeitet Backes bei der Bistumsbank.

Wie geht es weiter?

Nicht nur im Rat, auch in der Verwaltung zollen sie ihm Respekt. Wie formulierte es jüngst ein Spitzenbeamter im Rathaus anerkennend: „Der geht uns ganz schön auf die Nerven.“ Backes selbst, der einen Kreis kundiger Ökonomen hinter sich weiß, hat längst Gefallen gefunden an seiner Außenseiterrolle.

AfD Wie geht es weiter? Wird er Luckes Weckruf folgen? Backes gibt sich zurückhaltend. Er wolle sich mit seinen Freunden beraten und sich Zeit nehmen. Denn: „Wir haben viel Mühe in die AfD investiert und verloren.“ Andererseits sehe er sehr wohl Chancen für eine neue Euro-kritische Partei zwischen CDU, FDP und AfD. Nun, da alles daraufhin deutet, dass Griechenland im Euroraum verbleibt. Dass im Rat gleich drei Fraktionen um seine Gunst buhlen sollen, kommentiert der Umworbene so: „Sich einbinden bindet auch.“ Nichtsdestotrotz hat er sich im Amt für Ratsangelegenheiten schlau gemacht über die Möglichkeit einer Hospitation. Für alle Fälle.