Polizei zu zärtlich

Straßenüberfälle in Essen. Da kann einem übel werden: Gleich zweimal berichtet die WAZ in ihrer Lokalausgabe vom 20. März über Überfälle, die für die gewalttätigen Angreifer zunächst einmal folgenlos bleiben, weil sie nach ihrer richterlichen Vernehmung wieder gehen konnten. Hat man ihnen vielleicht auch noch Kaffee angeboten? Wie groß muss der Frust für die Polizei sein, die so etwas ja beinahe täglich erlebt? Auf der anderen Seite: Wenn der Vater, der einen der Täter stellte, diesen ordentlich vermöbelt hätte, dann hätte sich die Strafjustiz zornig erhoben. Gleiches gilt, wenn die Polizei die Täter nicht mit der gebotenen Zärtlichkeit festgenommen hätte. Wo führt das hin? Wer noch über ein halbwegs intaktes Gerechtigkeitsgefühl verfügt, der kann nicht wollen, dass solche Gewalttäter sofort wieder nach Hause gehen dürfen, weil sie im Strafverfahren mit einer Bewährungsstrafe rechnen können. Es darf auch nicht darauf ankommen, dass wegen eines festen Wohnsitzes vielleicht keine Fluchtgefahr droht. Die Strafe muss auf dem Fuße folgen und sie muss fühlbar sein. Mit der Menschenwürde wäre es durchaus vereinbar, solchen Tätern sofort in Einzelhaft eine Woche Zeit zum Nachdenken zu geben – ohne Fernsehen, Radio, Internet oder Besuch.