Polizei darf Facebook-Fans nicht mehr duzen

Seit September 2012 war die Polizei Essen auf Du und Du mit den Bürgern – zumindest bei Facebook. Im sozialen Netzwerk duzen sich die Nutzer nun mal. Darum entschied sich das Präsidium 2012 – anders als viele andere Polizeibehörden – für die direkte Anrede seiner Facebook-Abonnenten („Fans“) und somit für „Du“, „Ihr“ und „Euch. Gestern Mittag aber teilte die Polizei Essen/Mülheim via Facebook-Beitrag („Posting“) mit, dass sie die Bürger fortan auch im Netz siezen wird.

In dem Posting begründet der zuständige Leitungsstab Presse- und Öffentlichkeitsarbeit den Stilwechsel zur Höflichkeitsform mit einem Erlass des Innenministeriums, der für alle nordrhein-westfälischen Polizeibehörden gilt (Wortlaut: siehe oben rechts). Bereits die ersten Kommentare darunter verdeutlichen, dass die Mehrheit der jungen Nutzer die Einmischung und die verordnete neue Anrede stört. Pascal Been etwa schreibt in dem Kommentar, der den größten Zuspruch erhielt: „Wer auch immer das entschieden hat, ist wohl gegen die Schleuse geschwommen. In der multimedialen Welt duzt man nun mal, und es macht euren Auftritt dadurch wesentlich sympathischer. Pro duzen! Wo kann man sich beschweren?“ Eine Nutzerin pflichtet bei: „Das macht doch das ganze Miteinander kaputt! Endlich hatte man das Gefühl, mal mit der Polizei reden zu können, und jetzt peitscht ihr die Bürger auf total unnötigen Abstand. Schade.“

Polizei Stellvertretend für die zuständigen Kollegen erklärte Polizeisprecher Marco Ueberbach auf Anfrage: „Es gibt einen Erlass. Den setzen wir um.“ Den mehr als 9400 Fans de r Polizei Essen habe der zuständige Kollege die Veränderungen via Facebook erläutert, „damit sich die Nutzer nicht wundern, warum wir sie auf einmal siezen“, so Ueberbach. „Für uns als Polizei ist es wichtig, dass wir gegenüber der Facebook-Gemeinde transparent sind und auch in Zukunft bleiben.“

Das Innenministerium will mit dem Erlass auch die polizeilichen Facebook-Auftritte von Bielefeld bis Köln vereinheitlichen, erklärt Sprecher Wolfgang Beus: „Die Polizei NRW soll auch auf Facebook einheitlich und respektvoll mit den Bürgern kommunizieren.“ Die Polizei in Essen/Mülheim müsse deswegen aber nicht ihren Sonderweg verlassen, Facebook zum gezielten Austausch mit den Bürgern zu nutzen.

Zumal einige Nutzer das neue Personalpronomen begrüßen. Helgard Steinfurt etwa schreibt: „Ich denke, dass mancher die Höflichkeitsform vergisst, wenn er euch (Ihnen) gegenübersteht und Polizisten einfach duzt. Die Gefahr, dass man nicht mehr zwischen medialer Welt und Tatsächlichkeit unterscheidet, ist nun mal groß.“