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Innenministerium verbietet Polizei, Fans bei Facebook zu duzen

21.01.2015 | 15:01 Uhr
Innenministerium verbietet Polizei, Fans bei Facebook zu duzen
Die Polizei Essen/Mülheim hat über 9400 Facebook-Fans. Diese wird sie nach einem Erlass den Innenministeriums NRW fortan nicht mehr duzen.

Essen.   Die Polizei Essen/Mülheim hat Facebook-Nutzer bislang geduzt. Das verbietet ihr und allen Polizeibehörden in NRW nun ein Erlass des Innenministeriums.

Ein Facebook-Posting sorgt für Diskussionen über die Anrede von Bürgern durch die Polizei im sozialen Netzwerk: Der Leitungsstab Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Polizei Essen/Mülheim teilte den Facebook-Fans der Behörde am Mittwochmittag mit, dass das Präsidium sie im Netzwerk – anders als bislang – nicht mehr duzen wird.

In dem Posting erklären die polizeilichen Öffentlichkeitsarbeiter den neuen Umgangston mit einem Erlass des Innenministeriums von Minister Ralf Jäger, wonach die nordrhein-westfälischen Polizeibehörden die Bürger auf Facebook nicht mehr duzen sollen. Das Posting der Polizei Essen/Mülheim im Wortlaut:

„Liebe Facebook Fans der Polizei Essen Mülheim, durch einen landesweiten Erlass sind wir dazu angehalten ab sofort das „Duzen“ hier auf Facebook einzustellen. Wundert euch also nicht über die sich jetzt ändernden Postings und Kommentare. Wir werden weiterhin versuchen, so authentisch wie möglich zu bleiben und hoffen, dass euch die Umstellung nicht stört.“

Viele Facebook-Fans haben kein Verständnis für das neue Sie

Bereits die ersten Kommentare verdeutlichen, dass die Facebook-Fans vor allem der Erlass des Innenministeriums – die verordnete Höflichkeitsform – stört. Pascal Been etwa schreibt in dem am häufigsten von anderen Nutzern gelikten Kommentar: „Wer auch immer das entschieden hat, die Person ist wohl gegen die Schleuse geschwommen... In der multimedialen Welt duzt man nunmal, und es macht euren Auftritt dadurch wesentlich sympathischer. Pro duzen! Wo kann man sich beschweren?“

So sieht es auch Fox Van De Roxx: „Das macht doch das ganze Miteinander kaputt!! Endlich hatte man das Gefühl mal mit der Polizei reden zu können und sich nicht verstellen zu müssen und jetzt peitscht ihr die Bürger durch das „Sie“ auf total unnötigen Abstand. Schade. Sehr sehr schade.“

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Stellvertretend für die zuständige Öffentlichkeitsarbeit des Präsidiums erklärt Polizeisprecher Marco Ueberbach auf Anfrage unserer Zeitung: „Es gibt einen Erlass des Innenministeriums. Diesen Erlass setzen wir um und duzen vom heutigen Tage an die User auf Facebook nicht mehr.“ Den mehr als 9400 Fans des Essener Präsidiums habe der zuständige Kollege die Veränderungen am Donnerstag via Facebook erläutert, „damit sich die Nutzer nicht wundern, warum wir sie auf einmal siezen“, so Ueberbach. „Für uns als Polizei ist es wichtig, dass wir gegenüber der Facebook-Gemeinde transparent sind und auch in Zukunft bleiben.“ Das honorieren die Nutzer und Fans anscheinend: Immerhin 150 klickten binnen der ersten drei Stunden auf "Gefällt mir".

Innenministerium will Kommunikationsregeln der Polizei in NRW vereinheitlichen

Das Innenministerium will mit dem Erlass auch die Facebook-Auftritte ihrer Polizei von Bielefeld bis Köln vereinheitlichen, erklärte Ministeriumssprecher Wolfgang Beus auf Anfrage am Mittwochabend: "Die Polizei NRW soll auch auf Facebook einheitlich und respektvoll mit den Bürgern kommunizieren." Die Polizei Essen/Mülheim müsse deswegen aber nicht ihren Sonderweg verlassen, Facebook besonders dialogisch zu nutzen. "Das geht ja auch, wenn man die Nutzer siezt."

Bereits am Mittwochabend postete der Essener Leitungsstab in der vom Ministerium auferlegten Höflichkeitsform: Wegen der lebhaften Diskussion, die der Post vom Mittag ausgelöst hatte, präzisierten die Öffentlichkeitsarbeiter von der Büscherstraße, warum nun auch die Polizei Essen/Mülheim auf Facebook nicht mehr auf Du und Du ist:

 

Polizei Essen/Mülheim suchte den Dialog mit Bürgern

Die Polizei Essen/Mülheim setzt seit September 2012 wöchentlich etwa 50 Postings ab: Mit Verkehrsinformationen und Fahndungsaufrufen, präventiven Hinweisen und Appellen gewann die Seite seither mehr als 9400 Fans.

Anders als viele andere Polizeibehörden in NRW nutzte die zuständige Stabstelle das Netzwerk dabei nicht nur, um darüber eins zu eins Meldungen der Pressestelle zu verbreiten, sondern suchte gezielt den Dialog mit den Bürgern – ganz im Sinne des Netzwerkes. Dabei sprach sie die Nutzer auch direkt an und duzte sie entsprechend, wie es den Umgangsformen der Community entspricht.

In dieser Form wird die Polizei Essen/Mülheim ihre Bürger azf Facebook fortan nicht mehr anreden dürfen. Montage: Polizei Essen/Mülheim

Das wird sich mit dem Erlass nun ändern. Und eine Minderheit der Nutzer, die den Kurswechsel bislang kommentiert haben, findet das auch gut so. Helgard Steinfurt etwa schreibt: „Hm, also ich finde das in Ordnung, ich denke, dass so mancher nämlich die Höflichkeitsform vergisst, wenn er euch (Ihnen) gegenübersteht und dann Polizisten einfach duzt – habe sowas selbst bereits gehört. Die Gefahr, dass man nicht mehr zwischen medialer Welt und der Tatsächlichkeit unterscheidet ist nun mal groß.“

Philipp Wahl

Kommentare
25.01.2015
21:09
Innenministerium verbietet Polizei, Fans bei Facebook zu duzen
von harro_mh | #31

Wenn die Polizei in den Sozialen Netzwerken mit dabei sein will, wird sie mit ihren neuen Regeln kaum weiterkommen.

Aber gut, dass es das Ministerium...
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Innenministerium verbietet Polizei, Fans bei Facebook zu duzen
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http://www.derwesten.de/staedte/essen/polizei-darf-buergern-auf-facebook-nicht-mehr-duzen-id10259557.html
2015-01-21 15:01
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