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Politischer Druck auf Awo Essen steigt

09.11.2010 | 04:04 Uhr
Politischer Druck auf Awo Essen steigt

Essen.Der politische Druck auf den Essener Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) steigt: Bislang ist es dort Praxis, tarifliche Arbeitsplätze in Altenheimen dauerhaft durch Billig-Leiharbeiter zu besetzen. Dem soll nun ein Ende gemacht werden.

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Mitglieder von ver.di demonstrierten gegen den Einsatz von Leiharbeitern und für höhere Gehälter.

Am Dienstag dehnt die Gewerkschaft Verdi Warnstreiks auch auf Essen aus: Dabei geht es zwar in erster Linie in der aktuellen Tarifrunde um die Erhöhung der Löhne von Mitarbeitern in Altenheimen, Kindergärten, Pflegediensten und Behinderteneinrichtungen. „Es stehen aber nicht nur Entgeltforderungen um 4,5 Prozent auf der Tagesordnung; wir wollen auch jegliche Leiharbeiter bei der Arbeiterwohlfahrt stoppen“, sagt Gereon Falck, Gewerkschaftssekretär von Verdi Essen. „Ich bin fest überzeugt, dass nun noch mehr Mitarbeiter als beim letzten Warnstreik mitmachen, damals waren es 120.“

Um 9 Uhr treffen sich die Streikenden in Katernberg am Louise-Schroeder-Sozialzentrum der Awo und demonstrieren dann am Katernberger Markt vorbei. Danach geht es dann per Bus zur zentralen Kundgebung nach Recklinghausen.

Vom Warnstreik betroffen sind in Essen sechs Awo-Altenheime und 18 Kindertagesstätten. Vier Kitas haben am heutigen Dienstag komplett geschlossen (Kita am Lohscheid, Kita an der Tuttmannschule, Kita Sommerburg, Kita an der ABC-Siedlung); in den anderen Kindergärten und in den Altenheimen sind Notdienste eingerichtet. „Es geht ja hier nicht um Akten, die liegen bleiben, sondern Menschen, die umsorgt werden müssen. Da nehmen wir Rücksicht“, sagt Falck.

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“

Die Awo Essen betreibt seit 2008 eine eigene Leiharbeitsfirma, die „Awo Service GmbH“. Neue Kräfte für die Essener Awo-Altenheime werden nur noch über diese Firma eingestellt, weil sie um bis zu 12 Prozent weniger Lohn erhalten.

Awo-Geschäftsführer Wolf Ambauer rechtfertigt diese Lohn-Spirale nach unten mit dem harten Wettbewerb in der Branche und den geringen Pflegegeldern der Krankenkassen. Die Lücke zwischen den von den Kassen bewilligten Personalkosten und den realen Löhnen mache 285 000 Euro pro Jahr für 285 Vollzeitstellen aus. Diese Lücke müsse ausgeglichen werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Jobs zu sichern, meint Ambauer.

Doch die Essener Awo erhält mächtigen Druck aus den eigenen Reihen: Die vier Awo-Bezirksverbände in NRW fordern „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. „Zeit- und Leiharbeit werden nur eingesetzt, um Auftragsspitzen abzufangen und um kurzfristige Mitarbeiterausfälle zu kompensieren“ - und eben nicht als billige Ersatzkraft auf Dauer, heißt es in ihrer Stellungnahme zum Essener Fall.

Die Bezirke bedauern, dass die „Bundes- oder Landes-Awo auf den rechtlich und unternehmerisch selbstständigen Kreisverband in Essen keinen bindenden Einfluss nehmen kann“.

Ein gewisses Verständnis hat Falck von Verdi für die Probleme der Awo-Heime schon. „Sie sind in der Zwickmühle. Seit Einführung der Pflegeversicherung 1995 gibt es einen politisch gewollten Druck auf die Finanzen, die bezahlten Pflegesätze sind zu niedrig. Altenpflege ist schlecht zu refinanzieren.“

Peter Szymaniak

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Kommentare
04.03.2011
12:55
Politischer Druck auf Awo Essen steigt
von rapo | #17

Zum Verhalten der AWO siehe auch die heutigen Artikel in derWesten.de zum Schicksal der aus ihrer Wohnung geklagten Dame, das spricht Bände!

04.03.2011
12:54
Politischer Druck auf Awo Essen steigt
von rapo | #16

Die AWO ist ja nicht der einzige Betreiber, der versucht den Kostendruck durch zu niedrige Pflegesätze über den Einsatz von ausgegründeten Tochtergesellschaften aufzufangen, in denen die dorthin verschobenen Mitarbeiter für die gleiche Arbeit wie zuvor niedrigere Gehälter beziehen. Das Krupp-Krankenhaus hat das gleiche über den Beitritt zur Diakonie versucht, da der Kirchentarif unter dem der öffentlichen Tarife angeglichenen liegt (gerichtlich musste dann festgestellt werden, dass das Krupp-KH zu keiner Zeit der Diakonie angehört hat), das Uni-Klinikum hat ebenfalls eine eigene Personalgesellschaft mit um bis zu 30% niedrigeren Gehalts- und Urlaubsansprüchen und mußte jetzt ebenfalls einen RücKzieher machen.
Hier werden Modelle aus der Industrie übernommen, die den Sozialkassen (Kranken-, Arbeitslosen-, Rentenversicherung) über die noedrigeren Beiträge massiv Geld entziehen, d.h. einzelne Firmen versuchen sich auf Kosten der Gesamtgesellschaft zu sanieren. Da hilft nur, gleichen Lohn für gleiche Arbeit politisch durchzusetzen, egal, wo jemand beschäftigt ist und nicht auf das Gejammer FDP naher Interessenverbände zu hören, die einen Eingriff in die Freiheit des Marktes sehen.. Im übrigen hat George Soros gesagt, Märkte seien a proiri amoralisch, wir aber haben hier laut Grundgesetz eine SOZIALE Marktwirtschaft, auch wenn manche das nicht gerne hören wollen, da sind Eingriffe des Staates also nicht nur legitim, sondern erwünscht.
Zeit, die Ausbeutung derjenigen zu beenden, die sich wenig zur Wehr setzen können, da sie am unteren Ende stehen, bevor es gesellschaftlich richtig rappelt.
Traurig, dass sich gerade gemeinnützige Wohlfahrtsverbände bei solchen ausbeuterischen Praktiken immer gerne besonders hervortun, da sollten deren Führungen mal über ihr Weltbild nachdenken, statt alles auf den allerdings vorhandenen externen kostendruck zu schieben...

10.11.2010
10:22
Politischer Druck auf Awo Essen steigt
von HorstL | #15

ich vermute mal ganz startk nein...

10.11.2010
10:21
Blockierter Kommentar.
von Läufer | #14

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10.11.2010
10:20
Blockierter Kommentar.
von Läufer | #13

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10.11.2010
09:37
Blockierter Kommentar.
von willm | #12

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09.11.2010
19:07
Politischer Druck auf Awo Essen steigt
von Vanagas | #11

Diese Managernulpen sind die Decubiti unserer Gesellschaft die uns alle in die ******* reiten werden .

Ob einer dieser Pf . . fen den Namen Marie Juchacz kennt ?

09.11.2010
18:54
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von Volksentscheid | #10

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09.11.2010
18:04
Politischer Druck auf Awo Essen steigt
von suendenbock | #9

Die ARBEITERWOHLFAHRT gründet eine Tochtergesellschaft für Leiharbeit (Awo Service GmbH) um die Löhne um 12% zu senken? Wohltat ja, aber nicht für Arbeiter! In der Pflegediskussion ist augenfällig, das (ähnlich wie im Gesundheitsbereich) Interessenpolitik gemacht wird, um an großes Geld zu kommen. Die Mittel werden kaum kontrolliert von der Sozialmafia in abgekaspereten Kleingremien, Beiräten usw. verteilt und oftmals in horrenden Summen für Investitionen = Prestigebauten und Vorzeigeausstattungen an die guten Bekannten in den entsprechenden Firmen vergeben. Nicht viel bleibt übrig für Pfleger und Gepflegte, am Ende steht der übliche Ruf nach mehr Geld! Schämt euch und nennt euch nie mehr AWO!

09.11.2010
16:31
Politischer Druck auf Awo Essen steigt
von Peter Pan | #8

Und die Nieten in den Nadelstreifen kriegen weiter ihre horrenden Gehälter.
Verkehrte Welt.

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