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Politischen Aschermittwoch der SPD Essen mit Kraft als Überraschungsgast

11.02.2016 | 17:16 Uhr
Politischen Aschermittwoch der SPD Essen mit Kraft als Überraschungsgast
Auch ein Weg sozialdemokratischer Konfliktbewältigung – zusammen ein Bier trinken (v. links): Schatzmeister Frank Müller, Fraktionschef Rainer Marschan, Parteivize Arno Bischof, Justizminister Thomas Kutschaty, Brauereichef Thomas Stauder, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz.Foto: Christof Koepsel / FUNKE Foto Services

Essen.   Zum Politischen Aschermittwoch zeigt sich die SPD von der geläuterten Seite, auch weil die Ministerpräsidentin als Überraschungsgast ihr gut zuredet.

Asche aufs sozialdemokratische Haupt. Nicht schon wieder Schlagzeilen machen, dafür gab es schon genug, und seither zeigen sie ja alle mit dem Finger nach Essen: Guck ma, die Genossen, kriegen es nicht auf die Kette, dreschen mehr noch als auf andere aufeinander ein: die da oben gegen die da unten, Nord gegen Süd. Sozis, die es weiter schaffen wollen, gegen solche, die fürchten, es nicht mehr schaffen zu können. Tolle Tage für die Konkurrenz.

An diesem politischen Aschermittwochabend aber ist es mit der Narrenfreiheit vorbei, und an den Stammtischen im Schalander der Altenessener Stauder-Brauerei gibt’s den Schaum vorm Mund nur in seiner schmackhaften Form. Ob sie es „sieben Wochen ohne“ schaffen, sieben Wochen ohne Streit oder gar länger, ist noch nicht ausgemacht, aber das Bemühen dazu ist unverkennbar, weil sie ja wissen: Alles wird jetzt gedeutet.

Missetäter werden außerhalb der SPD verortet

Britta Altenkamp, die streitbare Ex-Vorsitzende, ist nicht gekommen? Wohl ein Friedenszeichen. Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz schafft es erst nicht aufs gemeinsame Foto? Dann wird es halt noch mal nachgeholt. Justizminister Thomas Kutschaty hält die Eröffnungsrede? „Ich darf da Entwarnung geben“, sagt er augenzwinkernd, der Job sei ihm nur zugefallen, „weil man mir zugetraut hat, mich am besten mit Stauder-Pils auszukennen.“ Und überhaupt, die Missetäter werden plötzlich außerhalb der Partei verortet: Es habe den Versuch gegeben, „von außen Streit in die SPD zu tragen“, sagt Kutschaty, aber nicht mit den Sozis: Wer glaubt, dieser Versuch trage Früchte, „den müssen wir enttäuschen.“

Gut möglich, dass schon durch die segensreiche Wirkung von Freibier genug Frieden eingezogen wäre, aber sicher ist sicher, und deshalb taucht als Garantin fürs sozialdemokratische Wir-Gefühl die NRW-Ministerpräsidentin auf. Hannelore Kraft hatte an diesem Mittwochabend nach eigenem Bekunden „nichts Besseres vor“, weil der Politische Aschermittwoch des SPD-Bezirks Westliches Westfalen in Schwerte mit Blick auf das Zugunglück in Bayern abgesagt worden war: Da sei schlicht niemandem nach „Hau drauf“ zumute gewesen.

Kein Vorwurf an die Genossen im Essener Norden

Stattdessen also „Hör zu“: Ganz Landesmutter kümmert sich die Mülheimerin Kraft an diesem Abend um die Genossen der Nachbarstadt, sucht das Gespräch an den Tischen, trifft alte Weggefährten und erinnert die versammelte Schar von Sozialdemokraten in ihrer „nicht einfachen“ Situation und bei allem Streit um die Flüchtlings-Standorte daran, dass die SPD noch am besten weiß, „was es bedeutet, Solidarität zu zeigen“.

Integration, das sei doch „unsere Tradition im Ruhrgebiet“ und darum ergeht ihre „herzliche Bitte“ in die Runde, nicht zu verzagen: „Es lohnt sich, dafür zu arbeiten, dass wir das hinkriegen“, Schritt für Schritt, geschlossen und gemeinsam, gegen „lauter Blubb-Blubb und Scheinlösungen“. Nein, kein Vorwurf an die Genossen im Essener Norden, keine öffentlichen Rüffel für verunglückte Parolen und falsch eingeschätzte Reaktionen auf die abgesagte Demonstration oder die bevorstehende Gründung einer Bürgerinitiative. Nur dies: „Lasst uns dafür sorgen, dass die braune Brut in diesem Land nicht wieder Platz greift.“

Die meisten wetten auf Thomas Kutschaty

Der sozialdemokratische Jubel ist groß, wie es sich für einen Auftritt der Ministerpräsidentin geziemt. Beim Bier zeichnet sich später ab, dass die meisten auf Thomas Kutschaty als nächsten Parteivorsitzenden wetten und darauf, dass der Aufstand der Genossen im Norden seine Wirkung nicht verfehlt haben dürfte.

Von der einen oder anderen Maximalforderung („Keine einzige Flüchtlings-Unterkunft mehr im Norden“) werden sie irgendwann wohl wieder abrücken, aber durch die Bank sind sie sich einig, dass deutlich mehr Flächen im Süden der Stadt gefunden werden müssen, „das wird der CDU nicht gefallen“, sagen einige und bekommen schon leuchtende Augen. Es ist politischer Aschermittwoch, man freut sich schon auf den Streit: Hau drauf. Wenigstens ein bisschen.

Wolfgang Kintscher

Kommentare
12.02.2016
13:21
Politischen Aschermittwoch der SPD Essen mit Kraft als Überraschungsgast
von daphnina | #5

Nicht im Büßerhemd tritt die Essener SPD Spitze und die Ministerpräsidentin zum politischen Aschermittwoch bei Stauder an. Scheinbar kann man die von...
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2016-02-11 17:16
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