Politik muss Farbe bekennen

Sollten die alten Protestplakate noch im trockenen Keller lagern, es wäre keine Überraschung, wenn Anwohner sie wieder hervorkramen. Am Heuweg in Überruhr und überall dort, wo Bürger heute aus der Zeitung erfahren, dass die grüne Wiese vor ihrer Haustür in naher Zukunft bebaut werden könnte mit Wohnungen oder, was Betroffene noch kritischer sehen dürften, mit Gewerbebetrieben.

„Wir können die Stadt nicht neu erfinden“, sagt der Chef des Planungsamtes und meint: So mancher Vorschlag liegt nicht zum ersten Mal auf dem Tisch. Was die Politik nicht von der Pflicht entbindet, jeden einzelnen Vorschlag und jedes Argument, das dagegen spricht, zu prüfen, will sie die betroffenen Bürger denn überzeugen.

Als es um die Aufstellung des Regionalen Flächennutzungsplanes ging, knickte die Politik ein und zog sich aus der Affäre, indem sie neue Gewerbeflächen an der A 40 einforderte – in Erwartung, die wenig attraktiven Häuser dort würden schon eines Tages abgerissen werden. Die Häuser stehen immer noch.

So einfach wird es sich die Mehrheit im Rat diesmal nicht machen können. Wer von einer wachsenden Stadt redet, muss auch die Voraussetzungen für Wachstum schaffen.