Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Loveparade/Ruhr 2010

Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“

26.07.2010 | 18:29 Uhr
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“

Essen.Nach der Katastrophe bei der Loveparade reagieren auch die Verantwortlichen der Ruhr 2010 GmbH mit Betroffenheit. Gleichwohl geht es weiter im Kulturhauptstadt-Programm: „Wem wäre mit einer Absage jetzt gedient?“

„Wir trauern um die Opfer. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen“, sagt Oliver Scheytt. Essens ehemaliger Kulturdezernent war selbst in Duisburg vor Ort, gemeinsam mit Geschäftsführer Fritz Pleitgen und Dieter Gorny, zuständig fürs Kreative. Die Loveparade hatte Scheytt am Nachmittag verlassen. Von der Katastrophe erfuhr er beim Jugendtheater in Herne. „Die jungen Leute waren so fröhlich“ – und ahnten nichts von dem, was sich nur wenige Kilometer entfernt ereignet hatte.

Schatten über der Kulturhauptstadt

Die Macher der Ruhr 2010 GmbH hatten im Kulturhauptstadtjahr auf starke Bilder gesetzt. Nur eine Woche, nachdem Bilder von fröhlich feiernden Menschen beim Still-Leben auf der A40 um die Welt gingen, kommt es bei der Loveparade zur Katastrophe. Diesmal sendet das Fernsehen Bilder von Tod und Leid in die Welt hinaus. Ruhr-2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen sagt, er fühle sich im moralischen Sinne mitverantwortlich, für das, was in Duisburg geschehen ist. Die Loveparade war keine Veranstaltung der Ruhr 2010, aber sie war Bestandteil des Kulturhauptstadtprogramms. Mehr noch: Sie sollte einer der „Leuchttürme“ sein. Nun liegt ein Schatten über der Kulturhauptstadt. Das Programm geht weiter. Es kann weiter gehen, weil keine Massenveranstaltung mehr auf dem Programm steht. Auch wenn das Publikum einer Loveparade ein anderes ist: Manch einer, der beim Still-Leben an der Anschlussstelle Huttrop im Menschenstau gestanden hat, mag sich mit einem mulmigen Gefühl daran zurückerinnern. Noch mal Glück gehabt.

„Wir tragen an der Tragödie schwer“, sagt Fritz Pleitgen. Ja, im moralischen Sinne fühle er sich mitverantwortlich für das Unglück. Die Loveparade war einer der herausragenden Programmpunkte des Kulturhauptstadtjahres. Doch die Ruhr 2010 GmbH war, anders als beim Still-Leben eine Woche zuvor, nicht selbst Veranstalter. Weder „finanziell noch organisatorisch“ sei man involviert, lediglich Kooperationspartner sei man gewesen, unterstreicht Scheytt. Nie habe die Ruhr 2010 an die Adresse der Veranstalter in Duisburg gesagt: „Ihr müsst!“

Loveparade galt als „Leuchtturm“

Für die Frage nach der Verantwortung, die es nach wie vor zu beantworten gilt, dürfte dies im juristischen Sinne eine Rolle spielen. Aus der Verantwortung stehlen aber will sich bei der Ruhr 2010 niemand. Zur sehr hatten die Macher aufs vermeintlich positive Image gesetzt. Die Loveparade galt ihnen als „Leuchtturm“, der die „Metropole Ruhr“ in einem neuen, einem glänzenden Licht erscheinen lassen sollte. Und sie galt ihnen als „Wirtschaftsfaktor“, als Beispiel der Kreativität und für das, was möglich ist im Ruhrgebiet.

Alles, wie Spruchbanner der Ruhr 2010 beim Stillleben auf der A40 suggerierten? Die Party auf der Autobahn liegt hinter uns, der Veranstaltungskalender hat die Reihenfolge vorgegeben. Nicht nur Scheytt hielte ein Still-Leben nach der Katastrophe von Duisburg für undenkbar. Vergleichbare Großveranstaltungen sieht das Kulturhauptstadt-Programm nicht vor. Es wird weiter gehen im Programm, nicht ohne den Opfern der Tragödie angemessen zu gedenken, betont Pleitgen: „Wir dürfen nicht aufgeben. Wir müssen dieses Kulturhauptstadtjahr erfolgreich zu Ende bringen, immer im Bewusstsein, was am 24. Juli geschehen ist. Das ist unsere Verpflichtung.“

Marcus Schymiczek

Facebook
 
Videos die Sie interessieren könnten
Kommentare
12.10.2010
23:29
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von anni2010 | #77

Was angeblich im Ruhrgebiet möglich sein soll denken sich freimaurerische Hirne aus, die sich fuer die Größten und Genialsten halten. Ziele: Ruhrstadt - die EU im kleinen, EU - die Welt im kleinen, USA - Zentrum der NWO (Neue Weltordnung).
Kulturen vermischen ohne zu gucken, ob am clash of civilizations nicht doch was dran sein könnte.
Duisburg, seit anfang der 90er Jahre auf dem Weg die Freimaurerhochburg des Ruhrgebietes zu werden, gemacht von Sir Norman Foster. Man sehe sich die neue Hauptstadt Kasachstans an, die einen neuen namen erhalten hat: Astana, man könnte auch sagen Satana. Klingelts?
Schauen Sie mal bei wikipedia was Kultur und Metropole finden, oder unter Globalisierung, NWO.
Eine wichtige zentrale Frage: Was bedeutet Freiheit wirklich und was in der heutigen Zeit?

31.07.2010
10:49
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von wuno | #76

Was macht eine Metropole Ruhr aus? Wenn sie schon kein Zentrum hat, dann sollte es doch wenigstens eine funktionale und funktionierende Arbeitsteilung zwischen den Städten geben. Aber hier stehen noch immer die kommunalen Egoismen im Vordergrund. Jeder will sein Stadion, jeder sein Konzerthaus und jeder seine Loveparade. Mögliche Folgen sind nicht nur eine Verschwendung von Steuergeldern, sondern, wie sich jetzt zum Schrecken aller und zum Leidwesen der Betroffenen herausstellte, auch das Unglück vieler Menschen. Als ob in Berlin jemals diskutiert worden wäre, die Love Parade erst einmal im Wedding und dann vielleicht in Kreuzberg oder am Prenzlauer Berg stattfinden zu lassen. Nein, sie fand dort statt, wo es am sinnvollsten war! Warum konnte das im Ruhrgebiet nicht Dortmund oder Essen sein und bleiben? Die politischen Eliten sollten sich aus diesem Anlass einmal fragen, welche Qualität eigentlich ihre Zusammenarbeit hat. Solange dieses Problem nicht gelöst ist, bleibt das Gerede von der Metropole Ruhr nur ein Marketinggag.

29.07.2010
23:45
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von karlleokraus | #75

Herr Pleitgen, sie haben meine ohnehin geringen Erwartungen in der Sendung noch unterboten.
Traurig, dass sie selbst aus der Katastrophe in den letzten Tagen nichts dazu gelernt haben oder konnten.
Leider war auch in der Illner-Runde niemand willens/in der Lage sie auf ihre Verantwortung festzunageln.
Eine feige Haltung, gipfelnd in der Aussage, dass natürlich Sicherheit Priorität haben müsse und sich niemand darüber hinwegsetzen dürfe.
Einfach ätzend, soviel Heuchelei.

29.07.2010
22:58
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von haltestelle | #74

@JS #24
Haben wir nicht alle die LP gewollt?
Dagegen verwahren ich mich entschieden.
Es gab sogar viele, die nicht wollten, dass die Leute auf der Autobahn rumlaufen. Es war m.E. in beiden Fällen Respektlosigkeit im Spiel.

29.07.2010
20:42
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von kettenraucher | #73

@silvia_bogdanic # 19
Markieren sie bitte demnächst Ironie als solche....wenn es keine Ironie war: köstlich!!!...Sie haben mich zum Lachen gebracht

@ wgrobi # 30:
Opium fürs Volk: Gerichtsshows, Fussball, Castingshows, Kochshows.....
Ihre Meinung ist paradox....Kultur Soll Ablenkung vom Alltag sein....und gleichzeitig Opium fürs Volk....irgendwas passt da nicht. Gehen sie etwa ins Stadion, um dort politische Sachen zu diskutieren? Oder gucken sie sich Castingshows an, weil die einen intellektuellen Anspruch haben?

@ floh # 32
ja, es waren tatsächlich RUHR.2010 Mitarbeiter dort. Nennen sich Volunteers (freiwillige Helfer) und haben Pläne, Kondome, Infos etc verteilt

29.07.2010
19:10
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von karlleokraus | #72

An die WAZ
Mir scheint, nicht nur bei der Anzahl der Besucher bei Veranstaltungen wird gemogelt, auch die Zahl der Aufrufe/Meist Gelesen geht eigenartigerweise im laufe der Zeit immer weiter nach unten.
Aber wer könnte daran ein Interesse haben?

29.07.2010
14:26
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von floh | #71

Aus welchen Reihen die Führsprecher von Pleitgen und Scheytt auch kommen mögen. Das Gesülze wie: wir waren organisatiorisch und finanziell nicht involviert gewesen sondern nur Kooperationspartner. Herr Prof. Dr. Scheytt - das ich nicht lache. Mitarbeiter der Ruhr 2010 haben bei der Loveparade mitgearbeitet - schon vergessen???
Duisburg war dafür nicht geschaffen, Punkt. Sie, Herr Prof. Dr. Scheydtt haben das gewusst und doch haben Sie Herrn Sauerland dazu gedrängt die Loveparade in seiner Stadt stattfinden zu lassen. Über Leichen zu gehen und sich dann versuchen herauszureden, ist doch mehr als fragwürdig. Keiner will es letztendlich gewesen sein.
Herr Scheytt - ihnen müsste doch Angst und Bange werden auf Ihrem Stuhl. Hoffentlich bekommt man Sie an die Hammelbeine.
Der Schaden, für die Ruhr 2010 ist unermesslich gross geworden und kann meines Erachtens, nur noch ohne Ihre Anwesenheit weiter geführt und organisiert werden.
Ich möchte hiermit mein Beileid allen Angehörigen der Verstorbenen Besucherinnen und Besucher aussprechen. Ich wünsche allen Menschen sehr viel Kraft in ihrer Trauer.

29.07.2010
12:26
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von karlleokraus | #70

Die unwahre Mär vom unfähigen Duisburg und demgegenüber Ruht-Stadt mit WIR KÖNNEN ALLES.
Wieso war Duisburg nicht in der Lage die Loveparade zu stemmen, aber Ruhr-Stadt fähig, ein vorgeblich größeres und erfolgreicheres Still-Leben, ein sogenanntes Mega-Event, abzuwickeln?
Oder, hat es einfach Still-Leben in der von den Machern dargestellten Form überhaupt nicht gegeben?, weil:
- H. Sauerland/Loveparade: Da gab es eine große Public-Relations-Maschine. Die Zahlen werden immer um den Faktor drei oder vier übertrieben. Deswegen mussten wir auch die Zahl der wirklich erwarteten Teilnehmer geheim halten, um der Firma Lovepavent als Veranstalter der Loveparade keinen Imageschaden zuzufügen.

- Leserbrief WAZ Loveparade/Still-Leben, Auszug: Alles blieb stehen, dass Gedränge wurde unerträglich, eine Frau geriet schreiend und weinend in Panik.

- Und viele Besucher von Still-Leben fragten: Wo waren eigentlich die, die es dringend in unsere Gesellschaft zu integrieren gilt? Die haben wir nicht gesehen.

Diese Beispiele nur, um den angeblich so grossen Erfolg Still-Leben ein wenig zu relativiren.
H. Pleitgen bitte übernehmen und in der klammheimlichen Hoffnung, dass wenigstens eine/einer aus der Illner-Runde einfach mal eine hart aber unfaire Frage an H. Pleitgen bezüglich eigener Verantwortung und persönlicher Konsequenzen stellen möge. Wie sagt man, die Hoffnung stirbt zuletzt.

29.07.2010
09:41
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von wgrobi | #69

Dieser ganze Ruhr-2010-Quatsch hätte nie begonnen werden dürfen. Wem bringt das was? Nur einigen Leithammeln der Aktion und diversen Politikern. Für das (dumme) Volk ist das doch nur Ablenkung von aktuellen Tagesproblemen. Früher nannte man das Opium fürs Volk oder Brot und Spiele. Heute heißt das Kultur. Unter diesem Begriff verstehe ich aber was anderes als bestimmte Massenveranstaltungen, bunte Plakate, sogenannte goldene Dörfer und Käsestangen am Rhein-Herne-Kanal oder gelbe Ballons am Himmel, angemalte oder mit unsinnigen Mosaiken besetzte Bauruinen usw,

29.07.2010
09:25
Pleitgen: „Wir dürfen jetzt nicht aufgeben“
von Oregon | #68

Das was auf der Loveparade passiert ist ist tragisch und traurig und muss aufgeklärt werden. Allerdings ist es lächerlich ein Ende von Ruhr 2010 zu fordern. Wem bitte soll das helfen??? Es belebt keinen Menschen wieder und heilt auch keine seelischen Wunden.
Jeder hat eine andere Art mit der Katastrophe bzw. Trauer generell umzugehen. Wenn ihr dafür nun diese Konsequenzen braucht, dann bleibt doch einfach zu Hause und boykottiert Ruhr 2010. Ich werde jedoch weiterhin die Angebote nutzen und auch nicht vermiesen lassen.
Es ist wirklich interessant zu sehen, wie sich hier alle von der sensationsgeilen Berichterstattung der Medien mitreißen lassen. Die wissen schon, wie sie die Leser/Zuschauer im Sommerloch mit teilweise falschen Augenzeugenberichten, Fotos vom Tunnel und immer neuen und schlecht recherchierten Schuldzuweisungen bei der Stange halten können. Diese Sensationsgeilheit und wie die Leute sich so einfach mitreißen lassen, finde ich viel beängstigender.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3292570/create

Aktuelle Fotos und Videos
Raucher als Kunstwerke
Bildgalerie
Ausstellung
Remis gegen Vizemeister
Bildgalerie
Frauenfußball
Mini Europameisterschaft
Bildgalerie
Fußball
Der FC Kray ist Meister
Bildgalerie
Fußball
Aus dem Ressort
Kein Respekt vor Alfred
Vandalismus
Unbekannte Täter besudelten erneut die Krupp-Statue vor der Marktkirche in der Innenstadt mit farbigen Lettern. Damit bewiesen sie eher zweifelhaften Humor.
In sicherer Entfernung
Landespolitik
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Rolf Hempelmann wird als NRW-Minister gehandelt.