Pilgern im Zeichen der Muschel

Steele..  Spätestens seit Hape Kerkelings Buch („Ich bin dann mal weg!“) hat fast jeder schon einmal vom Jakobsweg gehört. Man muss aber nicht in die Ferne schweifen, um auf dem Jakobsweg zu pilgern. Europaweit gibt es Strecken, die zum Grab des Apostels Jakobus im galicischen Santiago de Compostela führen. Paderborn liegt an einer solchen Strecke. Von dort aus startete eine Gruppe mit Essenern,organisiert vom Sportverein DJK Altendorf 09 und der St. Jakobus-Bruderschaft Düsseldorf, um in sieben Etappen an Fastensonntagen zu pilgern. Ziel war am Palmsonntag der Essener Dom.

Gut 70 Pilger – eingehüllt in wetterfeste Kleidung, mit Rucksäcken über den Schultern, aus denen oftmals ein grüner Zweig lugt, nehmen die letzte Etappe in Angriff. Sie beginnt in Wattenscheid. Ausgerechnet am Palmsonntag muss es regnen. In Steele wird mittags im Seniorenstift St. Laurentiusstift Station gemacht. Dort wartet Punkt zwölf das Team um Sophie Adelmund mit wärmendem Kaffee und Tee, Obstspießen, Schnittchen und mundgerechten Frikadellen auf die durchnässten Pilger. Auf einem der Stehtische steht ein Pikkolo. „Es heißt nicht Fastenpilgern, weil wir fasten, sondern weil es in der Fastenzeit passiert“, klärt Johannes Severin (68) aus Altendorf den scheinbaren Widerspruch zwischen Fasten und Schaumwein auf. „Mit dem Sekt hat es aber eine ganz besondere Bewandtnis. Auf einer Etappe hatte ich meine Walking-Stöcke vergessen. Den beiden Frauen, die mich darauf aufmerksam machten, habe ich für die Schlussetappe zum Dank einen Pikkolo versprochen.“ Auf den sieben Etappen habe man viel Gastfreundschaft erfahren. In Geseken-Langeneiche zum Beispiel, wo Kindergartenkinder trotz des Sonntags zusammenkamen, um gebastelte Muscheln – die Muschel ist das Symbol des Jakobweges – zu überreichen. Und noch einen Vorteil sieht Johannes Severin in der entschleunigenden Art der Fortbewegung: „Man lernt tolle Wege kennen, die man nicht sieht, wenn man auf der A40 unterwegs ist.“

Johannes Severin ist auch schon den portugiesischen Jakobsweg gegangen – 250 Kilometer. Ein Klacks aus Sicht von Eva Bundemann aus Bredeney. Die 55-Jährige hat die französische Variante mit 805 Kilometern in 39 Tagen bewältigt. Auch dort habe sie viele Gleichgesinnte getroffen, „doch hier in dieser Gruppe ist es lustiger, auch bei Regen“. Ein Mitglied des Vereins „Gut drauf – Sport und Krebs“ fügt hinzu: „Wandern ist nicht nur Bewegung der Füße und Beine, sondern ein Zustand der Seele.“

Spirituelle Impulse

Pilgern ist auch Gruppenerlebnis mit guten Gesprächen. „Wer jemand auf dem Weg mal alleine seinen Gedanken nachhängen will, lässt sich einfach ein wenig zurückfallen“, sagt Hubert Böser (53), Vorsitzender der DJK Altendorf 09 und einer der Organisatoren. Dass es Bedarf an spirituellen Impulsen gebe, zeige die Größe der Pilgergruppe.

Nach einer halben Stunde ruft Hubert Röser zum Sammeln. Um 14 Uhr, zur Messe, wollen die Pilger schließlich im Essener Dom sein. Die Pilger-Pässe zieren nun das Symbol des Jakobsweges, die Muschel, und das Logo des Seniorenstifts St. Laurentius. Bevor es weitergeht, greift Huber Böser zu seinem alten Pfadfinderhut, nimmt das Geld heraus, dass die Pilger hier vor Ort gesammelt haben, und drückt es Sophie Adelmund mit dem Dank für die hervorragende Bewirtung in die Hand.

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