Philipp Maier – Weltenbummler am Klavier

Am 13. März hat er seinen Auftritt in die Philharmonie: Dirigent Philipp Maier sorgt dann für „Italienische Momente“.Foto:Ulrich von Born
Am 13. März hat er seinen Auftritt in die Philharmonie: Dirigent Philipp Maier sorgt dann für „Italienische Momente“.Foto:Ulrich von Born
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Philipp Maier war schon Konzertpianist, Rockstar und Flugpilot. In der Philharmonie arrangiert er demnächst „Italienische Momente“ fürs Publikum

Philipp Maier kann man nun wirklich kein U für ein E vormachen. Der ausgebildete Konzertpianist Komponist, studierte Dirigent und Arrangeur beherrscht Rachmaninov ebenso virtuos wie Liszt. Und trotzdem ist er irgendwann vom Podium gestiegen, hat den Frack gegen eine Jeans getauscht, den Konzertsaal gegen ein Tonstudio und in den 1980ern mit der Gruppe „Airborn“ einfach mal gute, erdige Rockmusik gemacht. Toto oder Tschaikowsky, das ist seither nicht mehr die Frage für den Vollblutmusiker, der mit dem Bottroper Produzenten Igor Albanese einen Gleichgesinnten gefunden hat. Wenn sie am 13. März in der Essener Philharmonie gemeinsam für „Italienische Momente sorgen“, dann reicht die programmatische Klammer eben „von Giuseppe Verdi bis Eros Ramazzotti“.

Maier kennt das diskrete Naserümpfen, das Klassik-Puristen an dieser Stelle gelegentlich entfährt. Und doch steht für ihn fest: „Es gibt nur gute und schlechte Musik.“ Gute Musik kennt für ihn keine Genre-Grenzen. Landesgrenzen schon gar nicht. Im weiten Klang-Kosmos des Philipp Maier hat Bollywood schon die Zauberflöte getroffen und Zulu-Tänzer haben zum Radetzky-Marsch getanzt. Das war die Zeit, als der gebürtige Ausburger das „Durban City Orchestra“ in Südafrika dirigiert hat. Das „Dubai Philharmonic Orchestra“ in den Arabischen Emiraten stand ebenfalls schon mal unter der Leitung des umtriebigen Weltenbummlers, der doch eigentlich eine ganz klassische Konzerthauskarriere hätte hinlegen könnten, damals als junges Talent unter dem Generalmusikdirektor Bruno Weil. Doch Maier wollte nicht den traditionellen Weg: Korrepetitor, Kappellmeister und irgendwann vielleicht Chefdirigent. Maier wollte lieber hoch hinaus und hat deshalb das Hobby Fliegen eine Zeit lang zum Beruf gemacht. Das Dasein als Lufthansa-Pilot hat noch Zeit gelassen, seiner Leidenschaft Musik als Pianist der „Quintettsolisten der Deutschen Oper Berlin“ nachzukommen. Bis Flug- und Zeitpläne so eng wurden, dass Maier wieder mal was Neues probiert hat – als Dirigent und junger Vater in Südafrika. „Ich liebe es, neue Wege zu gehen“, erklärt der 52-Jährige, der nach all den internationalen Stationen in Essen nun eine neue Heimat gefunden hat.

Von hier aus will er weiter vermitteln, dass „Crossover“ eben nicht nur für einen in die Jahre gekommenen Rockstar mit einem Sinfonieorchester im Hintergrund steht. Crossover heißt für ihn Begegnung von Stilen, Menschen und unterschiedlichen künstlerischen Vorlieben. Für den Abend in der Philharmonie hat er praktisch alle Stücke neu arrangiert, was nicht nur musikalisch spannend ist, sondern auch die Rechtefrage einfacher macht. Maier wird die Junge Kölner Philharmonie dirigieren und neben der Dirk Benner Band auch Solisten begrüßen, die viele Klangwelten verbinden. Und schließlich sind die „Momente“-Konzerte auch eine Begegnung von Alt und Jung; im Saal und auf der Bühne. Der erst 16-jährige Bariton Lars Rochna wird seinen großen Auftritt haben. Und vielleicht wird er nicht nur Verdi singen.