Philharmonie-Premiere für Bischof Overbeck

Auf 14 Stationen von der Verurteilung zum Tode bis zur Grablegung begleitete der Schriftsteller Paul Claudel in kontemplativer Sicht den letzten Gang Jesu Christi in seinem „Kreuzweg“. Davon ließ sich Marcel Dupré zu kongenialen Orgelmeditationen inspirieren, die jetzt zu Beginn der Karwoche als musikalische Rarität in der Philharmonie zu hören waren.

Seine „Premiere“ auf dem Podium des Alfried-Krupp-Saales gab dabei Bischof Franz-Josef Overbeck: mit sonorer Stimme rezitierte er die erhabenen, mächtigen Worte Claudels ebenso nachdrücklich wie differenziert. Dazwischen gestaltete Ludger Lohmann, vorwiegend in gedeckten Farben registriert, jeweils die entsprechenden Orgelstücke, die Dupré in seiner eigenen, freitonalen Klangsprache weniger konkret textgebunden, als vielmehr andachtsvoll reflektierend geschrieben hatte.

Gleichwohl spannte er einen imposanten Ausdrucksbogen von der schlicht kantablen Phrase bis zu schmerzhaft-grell übereinander getürmten Dissonanzen bei der Kreuzigung. Und nachdem der sanfte Dur-Schluss des letzten Satzes den Zuhörer ins paradiesische Jenseits mitnehmen wollte, brauchten die Besucher eine lange Minute, bis sich die Stille in Applaus löste.