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Briefmarken-Messe

Philatelist aus Essen nennt Zehntausende Briefmarken sein Eigen

13.04.2012 | 14:00 Uhr
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Das Foto zeigt die Essener Sammler Jürgen Witkowski (links) und Heinz Eggenstein.Foto: Klaus Micke

Essen.   Seit seiner Kindheit ist Jürgen Witkowski Philatelist. Für Maschinenstempel begeistert sich der Freisenbrucher besonders. Wie viele Briefmarken seine Sammlung umfasst, kann er jedoch nicht genau sagen. „Es müssen mehrere Tausend sein, ach was, Zehntausende.“

Der beste Freund des Philatelisten ist, genau – der Postbote. Wenn er bei Jürgen Witkowski etwas in den Briefkasten wirft, weiß er genau: Er wird sich darüber besonders freuen. Denn der Freisenbrucher sammelt nicht nur seit seinem achten Lebensjahr Gezacktes aus aller Welt, er ist außerdem Vorsitzender des „Arbeitsgemeinschaft Ruhr der Briefmarkenfreunde“ und im „Verein für Briefmarkenkunde Steele von 1932“ – quasi der Obersammler zwischen Byfang und Borbeck. „Viel mehr in Essen geht nicht“, scherzt Jürgen Witkowski. Wie viele Briefmarken seine Sammlung umfasst, kann er jedoch nicht genau sagen. „Es müssen mehrere Tausend sein, ach was, Zehntausende.“

Doch nicht nur für Briefmarken kann sich der 57-Jährige begeistern. „Denn ich bin Spezialist für Maschinenstempel“, betont er. Und als solcher auf dem Gebiet der postgeschichtlichen Forschung unterwegs. In Fachkreisen heißt das „erforschender Sammler“. Jürgen Witkowski ist in der Poststempel-Gilde organisiert, schreibt Artikel, Bücher und hält sogar Vorträge zu historischen und modernen Stempeln und deren Entstehungsgeschichte.

„Der erste Werbestempel in Deutschland kam 1904 raus, für eine Ausstellung in Düsseldorf“, weiß der Philatelist. Vorläufer ohne Werbung gibt es ebenfalls, einige davon nennt Witkowski sein eigen. „Wenn man sie untersucht, kann man viel über die Mechanisierung erfahren“, so der Sammler.

Mit Mitte 20 war Schluss

Über den Vater eines Freundes, der in einem Philatelistenverein organisiert war, fand der Freisenbrucher im Kindesalter zu seiner Sammelleidenschaft. „Er hat uns ans Thema heran geführt – so, wie wir heute versuchen, Kinder und Jugendliche für die Briefmarkenwelt zu begeistern“, sagt er. Marken gebe es schließlich auf jedem Kontinent der Erde.

Doch mit Mitte 20 war für Witkowski erst einmal Schluss mit der weiten Welt der Philatelie. „Ich hab’ mir eine Ruhepause gegönnt, wie viele von uns“, erzählt Witkowski. Erst rund 20 Jahre später kam seine Freude am Sammeln und Forschen zurück. „Das ist unter uns Briefmarkensammlern oft so, wegen der Frau, der Familie und der Arbeit. Irgendwann kommt das Hobby zurück und lässt einen nicht mehr los.“

Briefmarken-Messe

Heute ziehen historische Stempelmaschinen Witkowski magisch an. Und auch die „Internationale Briefmarken-Messe “, die dieser Tage zum 22. Mal an der Norbertstraße zu Gast ist. „Sie ist ein fester Termin in meinem Kalender.“ Denn auf der Messe findet er nicht nur Marken, Stempel und Briefe aus jeder Zeit und jedem Winkel der Erde, sondern darüber hinaus Zubehör für seine Sammlung.

Ein Männer- und Rentnerhobby sei das Sammeln von Briefmarken nicht, obwohl zumeist greise Herrn auf der Messe un­terwegs sind. So gibt’s zum Beispiel den Verein „Frau und Philatelie“, der versucht, die Herzen junger Mädchen für die Marken zu erwärmen. Frauen, weiß Witkowski, ticken trotzdem nicht wie ihre männlichen Kollegen: „Denn wie das so im Leben ist – Mädchen sammeln anders. Sie suchen sich meist ein Gebiet aus, wie zum Beispiel Rosen oder etwas Soziales, das sie interessiert, und erschließen es von der Thematik her“, so Witkowski. Männer würden hingegen eher nach Ländern und Jahrgängen sammeln, nicht nach dem Aussehen der Marken.

Dass in Zeiten des Internets weniger Menschen Briefe verschicken und es Frei- und sogar Digitalstempel gibt, mache Briefmarkensammeln noch lange nicht zu einem aussterbendem Hobby. „Es ist ein Wandel zu erkennen, auch in der Art und Weise, sich zu organisieren“, sagt der Vereinsvorsitzende. In Vereine kämen immer weniger, dafür aber ins Internet: Dort gebe es viele philatelistische Foren.

15.000 Besucher erwartet – Eintritt ist frei

Noch bis morgen öffnet die „22. Internationale Briefmarken-Messe“ in Halle 1 der Messe Essen ihre Tore – heute von 10 bis 18 Uhr, morgen von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. Bis zu 15.000 Besucher werden erwartet. Ideeller Träger ist der „Verband der Philatelisten in Nordrhein-Westfalen“. Neben Händlern, die Marken von der Klassik bis zur Moderne feilbieten, sind Firmen vertreten, die Postgeschichtliches oder thematisches im Angebot haben.

Außerdem gibt es mehrere Vorträge, unter anderem um 11 Uhr mit Jürgen Witkowski. Sein Thema ist „Die Entwicklung der frühen Stempelmaschinen im Deutschen Reich. Um 12 Uhr steht das „Gespräch mit Michel“ im Programm. Dabei geht’s um richtige Katalogbewertungen. Um 13 Uhr wird die „schönste Briefmarke Europas“ gekürt. Alle Infos zum Programm und ei­ne Liste aller Aussteller gibt’s im Messekatalog: www.briefmarken-essen.de

Pascal Hesse

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