Pfingststurm bringt den „grünen Berufen“ Arbeit für Jahre

„Wir sind keine Totengräber“: Junge Friedhofsgärtner und Gartenbauer in der Gartenbauschule am Grugapark machen hier derzeit ihren Meister.
„Wir sind keine Totengräber“: Junge Friedhofsgärtner und Gartenbauer in der Gartenbauschule am Grugapark machen hier derzeit ihren Meister.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Direkt neben dem Grugapark liegt die Fachschule für Gartenbau. Sie ist eine der größten ihrer Art in Deutschland. Und profitiert vom Pfingststurm.

Essen.. Es gibt Menschen, die können dem Pfingststurm „Ela“ vom Frühjahr 2014 etwas Positives abgewinnen. Karl-Heinz Kerstjens, Leiter des „Bildungszentrums Lartenbau“ der Landwirtschaftskammer NRW, gehört dazu. „Grüne Berufe sind absolut zukunftssicher und gehören derzeit zu einer Boom-Branche. Wir werden noch sehr viele Jahre viel Arbeit haben.“

Das liegt auch, räumt Kerstjens freimütig ein, am Pfingststurm. Alle Landschaftsbauer, Baumschulbetreiber, Gutachter und professionelle Gartenbetriebe könnten davon ein Lied singen. Wobei Kerstjens, abseits aller Dramatik, die der 9. Juni 2014 mit sich brachte, sicher ist: „So oder so ist ,Grün’ in. Das Thema liegt im Trend.“

Etwas versteckt am Külshammerweg, gleich am Grugapark, liegt seine „Fachschule für Gartenbau“, sie ist eine der größten ihrer Art in der Bundesrepublik. Wer in NRW in einem der grünen Berufe seinen Meister machen will oder sich sonstwie fortbilden möchte, kommt an dieser Schule kaum vorbei.

200 Männer und Frauen machen jährlich ihren Meisterbrief

200 Männer und Frauen jährlich verlassen die Schule mit dem Meisterbrief, es sind Garten- und Landschaftsbauer oder Friedhofsgärtner, sie spezialisieren sich in den Sparten „Beraten und verkaufen“ oder „Zierpflanzen-“ oder „Gemüsebau“.

Warum will ein junger Mensch Friedhofsgärtner werden? „Als ich früher von meinen Berufsplänen erzählte, bin ich immer ausgelacht worden“, berichtet Sabrina Markus (30). Man werde noch heute häufig als „Totengräber“ bezeichnet, „dabei ist das natürlich totaler Quatsch.“

Wer sich für den Beruf des Friedhofgärtners entscheidet, der liebt das Arbeiten im Freien, außerdem „die Ruhe auf Friedhöfen“, sagt Sabrina Markus, und allen ist die Lust am Gestalten zueigen. Es gibt jene, die einfach einen Familienbetrieb übernehmen wollen, obwohl sie vielleicht mal etwas ganz Anderes vorhatten, und andere, die die Liebe zur professionellen Gärtnerei erst auf den zweiten Blick entdecken – so wie Anne Renck (31), die im früheren Leben als Erzieherin gearbeitet hat: „Die Mischung aus Handwerk und Natur macht es“, sagt sie.

Dass sich die Bestattungskultur ändert, immer mehr Menschen sich anonym bestatten lassen, ist für Friedhofsgärtner eine Herausforderung: So werde branchenweit derzeit über eine Rennaissance der kleinen Dorf- oder Stadtteilfriedhöfe nachgedacht. Auch billige Hausmeister-Agenturen, die Grabpflege gleich mitübernehmen, sind durchaus ein Thema. Mit gelerntem Handwerk, sind sich die Gartenfachleute einig, habe das aber nur wenig zu tun.