Pfeifen erinnern an Tabak-Blütezeit
16.02.2010 | 17:03 Uhr 2010-02-16T17:03:00+0100
Essen.Nicht alltägliche „Rauchzeichen“ hat Stadtarchäologe Detlef Hopp am Berliner Platz ausgemacht. Sie stammen aus einer Epoche, in der auch in Essen der Tabakqualm alles andere als verpönt war.
Zur Vorgeschichte seiner Untersuchungen: Letzten Sommer fanden auf dem Gelände zwischen der Rheinischen- und der Friedrich-Ebert-Straße Bauarbeiten für eine neue Parkanlage statt, die sich östlich des Einkaufszen-trums am Limbecker Platz erstrecken wird. Dieser Bereich lag zwar außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauern, aber der Blick in die über zwei Meter tiefe und mehrere Hundert Meter lange Baugrube des hier geplanten Teichs lohnte sich gleichwohl.
Hopp: „Wahrscheinlich waren die vor den Toren der Stadt gelegenen Areale ursprünglich Brachland und dienten hauptsächlich als Weideflächen. Bei den Bauarbeiten kam eine Fundgattung zu Tage, die die Suche des Menschen nach Genuss anschaulich belegt. Es fanden sich auffällig viele Tabakpfeifen.“
Die Sitte des Tabakrauchens, so der Stadtarchäologe, sei erst mit der Entdeckung Amerikas nach Europa gekommen: „Die Matrosen fanden Gefallen am Tabak und brachten ihn Ende des 15. Jahrhunderts in ihre Heimatländer, wo er zunächst misstrauisch betrachtet und nur langsam verbreitet wurde.“ Erst im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) habe das Rauchen größere Beliebtheit auch in der Bevölkerung erlangt.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, glaubt Hopp, sei die Tabak-Euphorie von den Niederlanden auch nach Essen hinübergeschwappt. Anfang des 19. Jahrhunderts produzierte und vertrieb Kaspar Bruck in Werden Tonpfeifen. Porzellanpfeifenköpfe, mit hübschen Bildern versehen, waren begehrte Geschenke, es gab sie zu jedem Thema und jedem Ereignis.
Auch in Essen, so Hopp, gab es eine Porzellanpfeienfabrik. Sie stand im Bereich der heutigen Eisernen Hand in Innenstadtnähe und gehörte Carl Schulz,dem Schwager Friedrich Krupps: „Im archäologischen Fundgut vom Berliner Platz sind sowohl Ton- als auch Porzellanpfeifen in sehr großer Anzahl vorhanden.“ Insgesamt gehe es um rund 500 Fragmente: „Bei den ältesten Stücken handelt es sich um Tonpfeifenköpfe mit langgestrecktem Körper, Ferse und umlaufender Punktreihe am Rand sowie Stempel von Gouda. Diese Stücke dürften allerdings regionale Fälschungen sein. Von den jüngeren Gesteckpfeifen gibt es zahlreiche Reste, die langen hölzernen Pfeifenstiele sind aber vergangen.“
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