Pfandringe sollen Flaschensammlern in Essen mehr Würde geben

„Pfandring“ an einem Müllbehälter: Wer will, kann seine Pfandflasche oder -dose hineinstellen und Flaschensammlern so den Job erleichtern.
„Pfandring“ an einem Müllbehälter: Wer will, kann seine Pfandflasche oder -dose hineinstellen und Flaschensammlern so den Job erleichtern.
Foto: David Ebener/ dpa
Was wir bereits wissen
Freiwilligen-Initiative „Essen packt an!“ macht sich stark für den „Pfandring“. Dieser wird an Müllbehälter geschraubt und erleichtert Pfandsammlern die Arbeit.

Essen.. Ihre bevorzugten Reviere sind die Bahnsteige des Essener Hauptbahnhofs oder Massenveranstaltungen wie der große Rosenmontagszug am Montag in Rüttenscheid. Orte, wo Menschen Pfandflaschen und -dosen achtlos wegwerfen. Um Flaschensammlern den Job zu erleichtern, macht sich die Freiwilligen-Initiative „Essen packt an!“ (EPA) jetzt stark für so genannte „Pfandringe“, die an öffentliche Müllbehälter geschraubt werden können. Pfandflaschen ließen sich darin bequem abstellen, argumentiert sie.

„In erster Linie geht’s uns darum, den Flaschensammlern mehr Würde zu geben“, betont EPA-Sprecher Markus Pajonk. Bamberg war vor genau einem Jahr die erste deutsche Stadt, die solche Pfandringe installierte. Seitdem haben mehrere Kommunen nachgezogen: zum Beispiel Köln, Karlsruhe, Bielefeld und Magdeburg. Unlängst hat auch die Nachbarstadt Bochum beschlossen, 14 Mülleimer im Bermuda-Dreieck in einem Pilotprojekt mit „signalvioletten“ Pfandringen aufzurüsten – zunächst probeweise für zwei Jahre. Im Erfolgsfall sollen große Teile der Innenstadt „beringt“ werden.

Initiative "Warm durch die Nacht"

Mit der Beseitigung von Bruchholz nach dem verheerenden Pfingststurm hat EPA vor bald einem Jahr angefangen, inzwischen kümmert sich der umtriebige Freiwilligen-Verband auch um Spielplätze und in der Initiative „Warm durch die Nacht“ um Menschen ohne festen Wohnsitz.

Neuerdings setzen sie sich auch für Flaschensammler ein. Einige von ihnen durchkämmen Regionalzüge und S-Bahnen und haben die Linien dem Vernehmen nach wie „Jagdreviere“ unter sich aufgeteilt. Die meisten hingegen suchen den Schutz der Dunkelheit, wenn sie sich zu vorgerückter Stunde über Müllbehälter beugen und mit Hilfe von Taschenlampen im Unrat herumstochern. „Diese Arbeit ist unhygienisch und birgt ein hohes Verletzungsrisiko“, findet Pajonk.

Die Kampagne „Pfand gehört daneben“ verfolgt dieselbe Absicht wie der Pfandring: Menschen sollen Pfandflaschen nicht wegwerfen, sondern – für Flaschensammler sichtbar – neben einen Müllbehälter stellen.

"Flaschensammler leben am Rande des Existenzminimums"

„Fälschlicherweise werden Flaschensammler, Obdachlose und die Leute aus der Trinkerszene in einen Topf geworfen“, sagt Markus Pajonk, und fügt hinzu: „Die meisten Flaschensammler leben am Rande des Existenzminimums, oft sind alte Menschen darunter, deren Rente vorn und hinten nicht reicht, sie besitzen ein hohes Schamgefühl.“

In einem Treffen mit den Sozialbehörden hat „Essen packt an!“ neulich leidenschaftlich für die Pfand-Initiative geworben. Pajonk könnte sich vorstellen, dass EPA die Pfandringe sogar aus eigenen Spendenmitteln anschafft und von eigenen Leuten anbringen lässt.