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Patienten lassen sich gern schröpfen

22.07.2009 | 18:40 Uhr
Patienten lassen sich gern schröpfen

Dass eine Klinik ihre Patienten schröpfen will, ist eigentlich keine Empfehlung. Es sei denn, es handelt sich um das Institut für Naturheilkunde und Traditionelle Chinesische Medizin im Knappschafts-Krankenhaus der Kliniken Essen-Mitte.

Hier wird die jahrtausendealte Heilmethode seit geraumer Zeit erfolgreich angewendet, etwa bei Rückenbeschwerden. Beim Verweis auf Tradition und Heilerfolg aber will man es nicht belassen, und so läuft seit einigen Wochen eine breit angelegte Studie zur Wirksamkeit des Schröpfens.

Am Ende soll neben dem Erkenntnisgewinn die Doktor-Arbeit von Romy Lauche stehen. Die ist Psychologin und wird mit ihrem Kollegen Holger Cramer 100 Patienten mit anhaltenden Nackenschmerzen schröpfen und später zu ihrem Befinden befragen. „Außerdem werden wir Testpersonen und Kontrollgruppe vor und nach der Behandlung untersuchen und Messungen durchführen, um herauszufinden, was sich im Körper tut, wie Schröpfen wirkt.”

Bei Doris Hackenberg jedenfalls hat die Methode gewirkt: Seit 30 Jahren leidet sie unter Nacken- und Rückenschmerzen, hat manche Therapie ausprobiert und war doch immer nur sehr kurzfristig schmerzfrei. „Ein Orthopäde hat mir mal was eingerenkt, obwohl ich nichts ausgerenkt hatte - das fand ich wahnwitzig.” Als sie von der Schröpf-Studie hörte, war sie dagegen angetan. „Meine Großmutter hat mir mal vom Schröpfen erzählt, und so hatte ich keine Angst vor der Behandlung.”

Und das, obwohl bei der 69-Jährigen das „blutige” Schröpfen angewendet wurde. „Dabei wird die Haut leicht angestochen, bevor das Schröpfglas aufgesetzt wird”, erklärt Cramer, der auch Heilpraktiker ist. Das habe einen eher beruhigenden Effekt, während das „trockene” Schröpfen anrege. Durch das Vakuum in dem Glas entstehe bei der 20-minütigen Behandlung ein Sog: „Schmerzhaft ist das nicht.”

Das bestätigt Doris Hackenberg: „Ich hatte das Gefühl, mein Rücken wird kleiner - mehr hab ich nicht gespürt.” Zu Hause habe sich ein paar Tage lang ein Ziehen gemeldet, vom Nacken bis in die Oberarme. „Seither hatte ich keine Schmerzen mehr!” Drei Wochen schon - eine Sensation für die Patientin. „Die Schmerzen waren ja immer da, ich hab damit gelebt. Drei Wochen ohne bedeuten mir viel!”

Dass es dabei bleibt, kann Holger Cramer nicht versprechen: „Es könnte auch sein, dass wir die Behandlung wiederholen müssen, aber es geht uns schon darum, eine Dauer-Medikamentation zu vermeiden, indem wir die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen.” Dafür sei es übrigens unerheblich, ob ein Patient an die Wirksamkeit der Heilmethode glaube, betont Romy Lauche. „Das funktioniert auch bei Leuten, die anfangs skeptisch sind - und vom Erfolg umso überraschter.” Dass Schröpfen dank ihrer Arbeit bald zur Kassenleistung werden könnte, glaubt Lauche nicht: „Eine einzelne Studie könnte bestenfalls ein kleiner Schritt auf dem Weg dahin sein.”

Christina Wandt



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