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Paß: Die historische Stadion-Chance nutzen

11.06.2010 | 19:58 Uhr
Paß: Die historische Stadion-Chance nutzen
Interview mit dem Oberbürgermeister der Stadt Essen, Reinhard Paß (SPD), am Donnerstag, dem 10.6.2010 in seinem Büro im Rathaus. Foto Remo Bodo Tietz / WAZ FotoPool

Nur 11? Nein: 33 Freunde sollen sie sein: Rot-Weiss Essen und ETB Schwarz-Weiß sowie die Kickerinnen der SG Schönebeck Frauen sollen sich künftig ein gemeinsames Stadion teilen, und dabei, so OB Reinhard Paß (SPD), dürfe es auch in Fragen des Standortes „keine Denkverbote geben“.

Im großen NRZ-Interview betonte das Stadtoberhaupt die „historische Chance über den Stadionbau mal richtig frei nachdenken zu können“, die sich durch die aktuelle Insolvenz des bisherigen Fußball-Viertligisten Rot-Weiss Essen ergeben habe. Zugleich machte der OB deutlich, dass die Pläne für die Hafenstraße auch hinsichtlich ihrer Kapazität und Kosten deutlich abgespeckt werden müssten.

Nicht dass er sich für ein Stahlrohrgerippe als Billigvariante ausspreche, so Paß, aber angesichts der städtischen Finanzlage müsse die Devise lauten, einen „bescheidenen“ baulichen Anfang zu machen, der von Anfang an die Anforderungen des Deutschen Fußball-Bundes an höhere Spielklassen berücksichtigt, und Ausbaureserven aufweist. Klares Ziel müsse sein, alle anderen Ausbaupläne mit dem zentralen Stadion zu den Akten legen zu können, denn „mehr als dieses eine Stadion können wir uns nicht leisten“.

Paß selber könnte einem Verzicht auf die Hafenstraße einiges abgewinnen, hätte eine solche Lösung für ihn doch „den Charme eines wirklichen Neuanfangs für die Profifußballszene in Essen“.

Verwaltungsintern gilt auch Planungsdezernent Hans-Jürgen Best als entschiedener Verfechter eines Stadions jenseits der Hafenstraße, weil der Standort schlecht an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sei und ein Neubau dort für die Öffentlichkeit regelrecht versteckt wäre. Als denkbare Alternativen gelten das per U-Bahn gut erreichbare so genannte Thurmfeld nördlich der Uni, zwischen Grillo und Bamlerstraße (mit der Chance mehrere tausend Uni-Parkplätze zu nutzen), ein Gewerbestandort direkt an der A 40 in Frillendorf oder der Standort der einstigen Kruppschen Werkshalle M3 in Bergeborbeck.

Im Gegensatz zu Best hat Sportdezernent und Stadtdirektor Christian Hülsmann für die neuerliche Standortsuche dem Vernehmen nach nur ein Kopfschütteln übrig. In sportfachlicher Sicht gilt die Hafenstraße nicht nur aus nostalgischen Gesichtspunkten als bester denkbarer Standort, und sicher scheint: Jeder andere Platz würde selbst ohne Einsprüche künftiger Nachbarn den Bau um drei bis fünf Jahre hinauszögern.

Am Ende der Prüfung, die bis Anfang Juli abgeschlossen sein soll, „kann auch herauskommen, dass die Hafenstraße der beste Standort ist“, so ließ sich gestern Reinhard Paß vernehmen. Kurios: Die SPD-Ratsfraktion beklagte sich gestern, dass CDU, Grüne und FDP in Sachen Stadion Äußerungen des Stadtkämmerers Lars Martin Klieve dem OB „an die Lippen hängen“ wollten, das sei „schlechter Stil und schlichtweg unverschämt“.

Offenbar hatte Klieve aber nur die offizielle OB-Linie vorweggenommen – und dabei auch in den eigenen CDU-Reihen für Stirnrunzeln gesorgt, weil er sich zu sportfachlichen Dingen seines Kollegen Hülsmann äußerte. Aber so ist das in diesen Fußball-WM- Tagen: Da mutieren ja irgendwie alle zu Fußballexperten.

Wolfgang Kintscher

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