Ozan Arik ist der Neue im Kiosk

Es ist nicht die kleine Kneipe in unserer Straße, da, wo das Leben noch lebenswert ist, wo Dich keiner fragt, was Du hast oder bist, wie es in dem Peter Alexander-Song heißt, sondern der kleine Kiosk an der Ecke Velberter Straße und Kellerstraße.

Den betrieb neun Jahre lang eine türkische Familie. Die Inhaberin verkaufte in diesem Kiosk Zigaretten, Bier, Sprudel, Süßkram, warme Würstchen, belegte Brötchen mit Ei, Wurst oder Käse, dazu Kaffee und Tee sowie Zeitschriften, Zeitungen. Und das jeden Tag von morgens fünf Uhr bis abends 20 Uhr, außer samstags und sonntags. Da wurde etwas später geöffnet.

Hier verkehren, plauschen, pausieren und nehmen an einer kleinen, immer fein sauber gehaltenen weißen Theke viele Platz. Handwerker, darunter Maler, Dachdecker, Installateure, Monteure, Heizungsfachleute sowie ein Sargträger, eine Leiterin des Servicebereiches am Düsseldorfer Flughafen, Versicherungsfachleute, Rentner, Freunde, Verwandte und natürlich als deren Treffpunkt – die netten Nachbarn.

Sie kannte jeden und freute sich auch, wenn man sie kannte und sich austauschte. Doch Schluss mit dem Budenzauber ist noch lange nicht. Die Trinkhalle ist nach wie vor ein lebendiges Stück Ruhrgebiet. Rund 18 000 der für das Revier so typischen kleinen Verkaufsstellen soll es heute noch geben.

Neuer Inhaber des Kiosk ist seit dem 1. Januar Ozan Arik, 26 Jahre alt, in Oberhausen geboren, besuchte die Gesamtschule, ein Berufs-Kolleg, spricht seine Muttersprache sowie akzentfrei Deutsch und dazu Englisch und Französisch. Er wohnt in Stoppenberg, wo seine Eltern auf dem Marktplatz seit 15 Jahren auch eine Verkaufshalle unterhalten, in der er geholfen hat. Also ist das Geschäft für ihn kein Neuland mehr. Nur das Fußballspiel muss er weitgehend an den Nagel hängen, denn er ist ehrgeizig, öffnet täglich von fünf bis 20 Uhr, nur am Samstag und Sonntag beginnt er um Acht. Das Einkaufen übernehmen seine Eltern Selda, deren Vater als erster Türke in Essen eine Trinkhalle übernommen hatte, und Salih Arik, weil er es selber zeitlich nicht schaffen würde.

Brötchen, Kaffee undtürkisches Gebäck

Ozan Arik hat das Büdchen renoviert, Blumen aufgestellt und die Theke mit bunten Sets dekoriert. In der Eröffnungswoche bot er belegte Brötchen und Kaffee zum Sonderpreis an und lud mit türkischem Gebäck ein.

Am Kiosk bietet sich die Gelegenheit, mit ihm und anderen Kunden einen Plausch über das Wetter, Sport, Politik oder Ereignisse aus der Nachbarschaft zu halten. Dieser persönliche Kontakt macht den Charme der Kioske aus.

Und weil im Inneren des „Frühstückscafes“, in dem man gemütlich Platz nehmen kann, nicht geraucht werden darf, gibt es daneben einen luftiges und regengeschütztes „Raucherzimmer“ für die Lobby des blauen Dunstes. Dort wird aber auch an lauen Sommerabenden gern geklönt. Für die Autofahrer gibt es übrigens direkt nebenan ausreichend Parkmöglichkeiten.