Wildernde und freilaufende Hunde sind eine Gefahr für Rehkitze

Klein, schwach und ängstlich: In den ersten Lebenstagen ist ein Kitz besonders hilflos. Wer eines findet: unbedingt Hände weg.
Klein, schwach und ängstlich: In den ersten Lebenstagen ist ein Kitz besonders hilflos. Wer eines findet: unbedingt Hände weg.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Jäger bitten, Hunde gerade in ländlichen Gebieten an die Leine zu nehmen. Neulich wurde wieder ein Muttertier aufgehetzt und kam unter die Räder.

Essen-Überruhr.. Alles neu, macht der Mai – sagt der Volksmund. Nun gut. Alles wird nicht neu, aber Mai und Juni sind zumindest die Monate, in denen neues Leben in Wald und Wiese einzieht. Füchse werden gerade geboren und auch Rehkitze, die allesamt, wie das so ist in freier Wildbahn, von Beginn an ums nackte Überleben kämpfen. Auch in den fast endlosen Weiten des Deipenbecktals zwischen Überruhr und Burgaltendorf.

Fressen und gefressen werden ist jedoch nur die eine Sache, denn vor allem die Kitze haben’s in diesen Tagen wahrlich nicht leicht, weil ihnen der Mensch, indirekt und meist auch unabsichtlich, und erst recht dessen freilaufender Hund das Leben schwer machen. Keine Frage: Derzeit lebt „Klein-Bambi“ überaus gefährlich – wenn es denn überhaupt noch lebt.

Gefahr durch wildernde und freilaufende Hunde

Grund, bereits Alarm zu schlagen, gibt es zwar noch nicht, gleichwohl aber weisen Experten wie etwa Veith Groote, seit Jahren Jagdausübungsberechtigter vor Ort und lange auch Stellvertretender Vorsitzender der Kreisjägerschaft, immer wieder auf die vorherrschenden Gefahren hin – und auf die Fehler, die gerade der Mensch oft macht.

„Derzeit setzt das Ricken das Kitz, bringt also ein bis drei Jungtiere zur Welt und legt den Nachwuchs dann irgendwo im Wald, im Feld oder auf einer Wiese ab, um sich dann einen Ort zum Äsen zu suchen.“

Gegen natürliche Feinde hat dabei niemand was. Um sein „Geheck“ zu ernähren, also die aktuell im Schnitt fünf bis acht Jungtiere, passen etwa leicht zu reißende Rehkitze genau ins Beuteschema von Reineke Fuchs. Kompliziert und auch verboten jedoch wird’s, wenn wildernde und freilaufende Hunde Kitze oder die Ricke reißen oder das Muttertier derart aufhetzen, wie der Jäger sagt, so dass es panisch und blindlings im Straßenverkehr unter die Räder kommt. Groote: „Dann würden auch die Jungtiere verhungern.“ Vor nicht langer Zeit erst musste ein angefahrenes und tragendes Tier getötet werden. Und im vergangenen Jahr wurden von vier bekannten Kitzen zwei von Hunden gerissen und eines wurde überfahren.

Wer ein Rehkitz entdeckt, sollte es auf keinen Fall anfassen

So werben Jäger wie Groote immer und immer wieder um Verständnis bei den Hundehaltern, ihre Tiere in den ländlichen Gegenden von Hinsel, Holthausen oder Byfang an die Leine zu nehmen und auf den Wegen zu bleiben.

Wer übrigens ein lebendes Rehkitz findet, sollte es wie anderes Jungwild auf keinen Fall anfassen. „Man lässt die Kitze am besten unberührt an ihren Lagerstätten, sonst droht ihnen der Tod“, raten die Profis. Da die Kitze in den ersten Lebenswochen noch nicht schnell und kräftig genug sind, um bei Gefahr zu flüchten, werden sie von ihren Müttern an einem sicheren Ort abgelegt. Die Ricken suchen den Nachwuchs nur drei-, viermal am Tag kurz auf, um ihn zu säugen und zu reinigen. Haftet den Kitzen menschliche Witterung an, wird die Ricke derart verschreckt, dass sie das Junge verstößt.

Damit sich Rehkitze und andere Jungtiere nicht mit den Landwirten der Gegend „ins Gehege“ kommen, greifen Jäger wie Veith Groote zu einem alten „Indianertrick“: „Wir verstänkern den Bereich, in dem der Bauer mähen oder pflügen will.“ So werden etwa Klopapierblätter mit Rasierwasser beträufelt und in den Feldern und Wiesen ausgelegt, in denen der Bauer arbeiten will/muss. Durch diese ihm fremde Duftmarke bringt das Muttertier das Junge an einen anderen Ort.