Wiedergeburt der Pilzköpfe

Foto: Socrates Tassos
Was wir bereits wissen
Die Beatles-Tribute-Band „Help“ schickt die Fans in der „Freak Show“ in die Zeit, als das legendäre Liverpooler Quartett begann, die Welt zu erobern.

Essen-Steele.. Wie mag es wohl damals, in den frühen 60ern, gewesen sein, als die Beatles noch ein Geheimtipp waren und im Star-Club an der Hamburger Reeperbahn oder im Liverpooler „The Cavern“ auftraten? Zum Glück hat Steele mit der „Freak Show“ einen jungen Bruder im Geiste des legendären englischen Rock’n’Roll-Clubs – und dort gab am Donnerstagabend die britische Beatles-Tribute-Band „Help! dem Publikum ein wenig von diesem Gefühl, damals dabei gewesen zu sein, mit auf dem Weg.

Okay, wir sind ehrlich, die ganz rauhe Anfangszeit ist es nicht, was das Konzert in der Freak Show da widerspiegelt. Denn wenngleich der Steeler Club von seinen Stammgästen liebevoll „Keller“ genannt wird und er auch atmosphärisch etwas an Liverpools schummriger „Höhle“ erinnert, so kommen die vier Interpreten der Pilzkopf-Band nicht in harter Lederjacken-Tracht auf der Bühne, wie sie sie noch in ihren wilden Jahren getragen haben.

Dunkler Anzug und Krawatte

Nein, die Cover-Band um den Bassisten und Sänger Ernie Mendillo und den Gitarristen und Sänger Robert McKenzie hat sich für den berühmten Look entschieden, der ihnen von ihrem Manager Brian Epstein verpasst worden ist: schicke, dunkle Anzüge mit Krawatte. Aus heutiger Sicht nicht gerade das, was man als Rock’n’Roll bezeichnen wurde, aber im England der frühen 60er Jahre ein wichtiger Schritt, um die Beatles aus den Untergrund in den Mainstream zu katapultieren. Und natürlich dürfen bei den Doubles auch die legendären Frisuren nicht fehlen, die den Originalen hierzulande den Spitznamen „Pilzköpfe“ eingebracht haben.

Der Look ist also schon einmal perfekt – sieht man mal vom kleinen Detail ab, dass der Paul McCartney-Impersonator Ernie Mendillo nicht wie sein Vorbild Linkshänder ist und darum die Bassgitarre mit der falschen Hand hält. Auch den Sound der „Fab Four“ haben er und seine drei Mitspieler voll drauf.

Ohne viel Schnickschnack rocken sie los: Schon der Opener „Hrad Days Night“, mit dem die Betales 1964 auch noch eine Filmkarriere einläuteten, beweist, wie nah sich die vier am Original orientieren. Die E-Gitarren behalten ihren etwas knarzigen Sound, wie er damals nun einmal durch die Boxen dröhnte, dafür geht er direkt ins Bein. Bei „Love Me Do“ darf natürlich auch nicht der Einsatz der Mundharmonika nicht fehlen. Liebe zum Detail zeichnet die gesamte Performance aus.

Das Quartett zeigt sich indes durchaus begeistert von der Location: Als „Cavern in der Hölle“ bezeichnen sie die Freak Show – wohl aufgrund der liebenswert-kultigen Requisiten wie den Frankenstein auf einer Sitzbank, der Bühne in Form eines Monsterschlunds oder dem Gitarre spielenden Skelett, den die Neo-Pilzköpfe gleich als „fünften Beatle“ vorstellen. Englischer Humor lässt sich durch nichts schocken. Über zwei Stunden spielt die Band eine Querschnitt durch die gesamte musikalische Geschichte der Pilzköpfe, reiht Hit an Hit. Das Publikum singt bei „Yellow Submarine“ besonders lauthals mit, bei „Ob-La-Di, Ob-La-Da“ zieht sich gar eine Polonaise durch den Club. Ausgelassene Freude über eine gelungene Zeitreise.

„Here Comes The Sun“, „Mr. Postman“, „Come Together“, „Help“... Hilfe, wie viele Hits hatten die Beatles eigentlich? Wenngleich die Band wirklich durchgepowert hat, fällt fast jedem Fan nach dem Konzert ein Song ein, den er noch gern gehört hätte. Mir zum Beispiel hat „Helter Skelter“ gefehlt. Aber nun ja, man kann nicht alles haben. Hoffentlich kommen „Help! bald wieder – dann gerne noch mit meinem Wunschklassiker im Gepäck. Yeah, Yeah, Yeah!