Warum Lutscher als Spende für Flüchtlinge ungeeignet sind

Ob Bobbycar oder Kleider: Wer für Flüchtlinge spenden will, sollte sich zuvor über den Bedarf informieren.
Ob Bobbycar oder Kleider: Wer für Flüchtlinge spenden will, sollte sich zuvor über den Bedarf informieren.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ein Essener Ehepaar durfte an einer Unterkunft keine Süßigkeiten abgeben. Stadt bittet aus Sicherheitsgründen von Lebensmittelspenden abzusehen.

Essen-Kupferdreh.. An ihren letzten Besuch der Turnhalle, wo bis vor kurzem Flüchtlinge untergebracht waren, denkt das Kupferdreher Ehepaar nicht so gern zurück. „Wir haben einer Frau lediglich eine Tüte mit Dauerlutschern gegeben“, erzählt die 78-Jährige, die dann erschrak, als ein junger Mitarbeiter des Wachdienstes der Frau diese Tüte sofort wieder abgenommen habe. „Dieser Umgang hat mir richtig weh getan“, sagt die Seniorin, die den Kindern dort bereits zuvor mehrfach Süßes mitgebracht hatte, wenn diese draußen spielten: „Sie haben sich immer so gefreut“, sagt die 78-Jährige und wundert sich über den Umgang, da sie und ihr Mann doch den Flüchtlingen wohlgesonnen seien.

Fürsorgepflicht der Stadt

Das treffe allerdings nicht auf jeden zu. Ohnehin gelten an allen Standorten, ob in Dauerunterkünften, Übergangsheimen oder Zeltdörfern strikte Vorgaben. Diese beziehen sich etwa auf Besuche, die mit dem jeweiligen Betreiber abgesprochen werden müssen, aber auch auf Spenden. Und da nicht kontrollierbar sei, wer welche Speisen in einer Flüchtlingsunterkunft abgibt: „Bitten wir darum, auf Lebensmittelspenden grundsätzlich zu verzichten“, erklärt Sozialamtsleiter Hartmut Peltz. Das habe neben der Sicherheit auch hygienische Gründe. Immerhin obliege der Stadt die Haftung, und sie trage auch die Fürsorgepflicht für die Menschen. „Die Flüchtlinge werden täglich mit Essen versorgt und haben auch Geld“, erklärt Peltz. Außerhalb der Einrichtung gebe es diese Vorgaben zu Lebensmittelspenden zwar nicht. Doch es könnten ebenso Sicherheitsgründe dafür sprechen, Kindern nichts anzubieten – immerhin ist man für diese eine fremde Person. Sicherlich aber, so Peltz, können bekannte ehrenamtliche Helfer (die vor diesem Amt ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen) mal einen Kuchen zum Geburtstag mitbringen.

Wer allerdings Kleider oder Spielzeug spenden will, sollte mit dem Bobbycar oder Jacken nicht einfach eine der Unterkünfte ansteuern. „Dort gibt es oft überhaupt keine Lagerungsmöglichkeiten“, erklärt Peltz.

Bedarf gebe es durchaus, vor allem dann, wenn eine Unterkunft neu eröffne wie bald an der Vaestestraße in Burgaltendorf. Daher will die Stadt in Kürze eine neue zentrale Anlaufstelle für Bürger anbieten: die Ehrenamts-Koordination. Bis dahin sollten Spender sich vor einer Abgabe bei der Caritas, der Diakonie oder den Ansprechpartnern der Runden Tische informieren, was tatsächlich gebraucht wird – auch um Enttäuschungen zu vermeiden.

Diese empfindet das Kupferdreher Paar nun durchaus. „Die Frau dankte uns immer wieder, obwohl sie ja gar nichts erhalten hat“, erzählt die 78-Jährige gerührt. Helfen wollen sie ohnehin weiter. „Unsere Tochter hat inzwischen Kleider in Dilldorf gespendet, die sehr gern genommen worden sind.“