Vom „hässlichen Entlein“ zum Steele von heute

Die Humannstraße, frühe 1970er Jahre: Der Neubau Wertheim (r.), im Hintergrund das neue Ärztehaus am Isinger Tor, links das Geschäftshaus der bekannten Schnapsbrennerei Bömer und ganz hinten der Neubau der Stützmauer an der Bahntrasse.
Die Humannstraße, frühe 1970er Jahre: Der Neubau Wertheim (r.), im Hintergrund das neue Ärztehaus am Isinger Tor, links das Geschäftshaus der bekannten Schnapsbrennerei Bömer und ganz hinten der Neubau der Stützmauer an der Bahntrasse.
Foto: Steeler Archiv
Was wir bereits wissen
Nach 41 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen hebt der Rat die Satzung „förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets Essen-Steele“ von 1974 auf.

Essen-Steele..  Mit den Zeiten, da ändern sich auch viele andere Dinge. Die Mode etwa, die Autos, die Menschen – und mit ihnen natürlich auch die Stadtteile und Viertel, in denen sie leben. Der Fortschritt schreitet voran, Schritt für Schritt, aber meist doch unaufhaltsam.

Auch in Steele, das, lange her, vom einst eher recht „hässlichen Entlein“ zum „funktionierenden Mittelzentrum“ aus- und umgebaut wurde, wie das in allerschönstem Amtsdeutsch so heißt. Über 41 lange Jahre ist es mittlerweile her, dass das „Sanierungsverfahren Essen-Steele“ eingeleitet wurde.

Nun wurde die am 4. Januar 1974 von der Politik beschlossene Satzung der „förmlichen Festlegung des Sanierungsgebiets Essen-Steele“ offiziell und erneut vom Rat aufgehoben. Was lange währt . . .

Die aktuelle Vorlage des Amts für Stadterneuerung und Bodenmanagement dürfte am Mittwoch im Rat zumindest hier und da für fragende Gesichter gesorgt haben. Gegen die Aufhebung der Satzung an sich wird nichts zu sagen gewesen sein, warum aber jetzt? Warum nach 41 Jahren, fünf Monaten und 20 Tagen? Selbst ein in zahlreichen parlamentarischen Sitzungen erprobter alter Heimatforscher-Fuhrmann und wie Arnd Hepprich vom Steeler Archiv konnte nur recht ratlos raten: „Vielleicht mussten gewisse Fristen eingehalten werden, um mitunter noch zu befürchtende etwaige Klagen zu vermeiden.“

Zumindest eine These, ob’s aber eine Frist von 41 Jahren und fünf Monaten gibt, in der es auf 20 Tage hinterm Komma nicht ankommt?

Wie auch immer, wenn auch unabsichtlich: In jedem Fall wurde den Ratsmitgliedern und Besuchern noch einmal durchaus eindrucksvoll ein Teil der Steeler Entwicklungsgeschichte via Vorlage vor Augen geführt. Denn was durch das 1960 verabschiedete Bundesbaugesetz und das elf Jahre später eingeführte Städteförderungsgesetz angeleiert werden konnte, steht Steele noch heute durchaus gut zu Gesicht und sorgte damals dafür, dass die „allgemeinen Anforderungen an gesunde Wohn- und Arbeitsverhältnisse“ verbessert wurden und die „bauliche Struktur nach sozialen, hygienischen, wirtschaftlichen und kulturellen Erfordernissen“ entwickelt werden konnte. Immerhin hatte sich Essens politische Würdenträger bereits seit dem Jahre 1961 damit beschäftigt, „die Aufstellung von Bebauungsplänen zu beschließen, um irgendwann auch wirklich mit der Stadterneuerung von Steele beginnen zu können“.

Wer’s nicht glaubt: Die vorgesehene Neuordnung des späteren Sanierungsgebiets ist in dem seit dem 8. November 1969 rechtsverbindlichen Bebauungsplan „Steele Altstadt Nr. 20/68“ dokumentiert. Da lag es im Grunde auf der Hand, dass die Satzung 2015 außer Kraft gesetzt werden musste . . .