So aufwendig ist die Erneuerung der Gleise auf der S1-Strecke zwischen Steele-Ost und Bochum

Mit schwerem Gerät trennen Mitarbeiter der Vereinigte Schotterwerke GmbH im Auftrag des Bochumer Generalunternehmers Spitzke Longo GmbH die Spreu vom Weizen. Soll heißen: Die am Ende 54 000 Tonnen Altschotter, die anfallen, werden gründlich gesiebt, sortiert und bearbeitet, so dass am Ende mehr als die Hälfte direkt wiederverwendet werden kann.
Mit schwerem Gerät trennen Mitarbeiter der Vereinigte Schotterwerke GmbH im Auftrag des Bochumer Generalunternehmers Spitzke Longo GmbH die Spreu vom Weizen. Soll heißen: Die am Ende 54 000 Tonnen Altschotter, die anfallen, werden gründlich gesiebt, sortiert und bearbeitet, so dass am Ende mehr als die Hälfte direkt wiederverwendet werden kann.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Deutsche Bahn erneuert die Gleise auf der S-Bahnstrecke zwischen Steele-Ost und Bochum. Logistisch sind die Bauarbeiten ein mächtiger Aufwand.

Essen-Huttrop.. Stammkunden der S-Bahnlinie S1 wissen längst, was Sache ist, alle anderen schauen derzeit noch etwas irritiert. Der Grund: Seit gut zwei Wochen ist die Deutsche Bahn dabei, die Gleise auf der S-Bahnstrecke zwischen Steele-Ost und Bochum-Ehrenfeld zu erneuern und hat die rund zehn Kilometer lange Strecke daher komplett sperren müssen.

Logistisch ein mächtiger Aufwand, hat das allerdings für die normalen S-Bahnkunden kaum nachteilige Auswirkungen. Die S 3 Richtung Oberhausen fährt bis zum 10. August von Gleis 4 ab, wer mit der S 1 nach Bochum, Dortmund oder zurück möchte, der muss bis dahin auf ausreichend gut getaktete und an den S-Bahnhöfen haltende Busse im Schienenersatzverkehr umsteigen. Umstellungen, mit denen man gut klarkommen kann.

Instandsetzung lange vorbereitet

Natürlich gibt’s immer wieder auch Menschen, die ungehalten sind, auch in diesen Tagen schimpft so mancher, weil er seine Gewohnheiten kurzzeitig ändern muss („Nur die Fahrkarten werden immer teurer, mehr können die nicht . . .“). Aber wo gehobelt wird, fallen nun mal auch Späne . . .

Die Instandsetzung wurde von langer Hand vorbereitet und ist zudem notwendig, da Gleise, Schwellen und auch der Schotter aus Sicherheitsgründen nach 35 Jahren einfach gewechselt werden müssen. „Die haben ihren Dienst getan“, so Rüdiger Dach, Leitender Bauüberwacher der Deutschen Bahn.

Bewusst wurden dazu die Ferien gewählt, da derzeit keine Schüler und weit weniger Pendler die Strecke nutzen. Gleichwohl: Nun, da die A 40 in Richtung Duisburg gesperrt wurde, wälzt sich eine Blechlawine via Wattenscheid über die Bochumer Landstraße auch bis nach Steele, und in diesen Staus kommen auch die Ersatzbusse nur langsam voran. Ein Umstand, den man beobachten wird, um im Bedarfsfall auch reagieren zu können.

Umweltverträgliche Aktion

Was die gesamte Aktion deutlich umweltverträglicher macht: Ein großer Teil des alten Materials kann recycelt und auch noch direkt vor Ort wiederverwendet werden. Einige Kilometer vom S-Bahnhof Steele-Ost entfernt nutzt die Bahn das firmeneigene Gelände des seit Jahren brach liegenden ehemaligen Güterbahnhofs an der Burggrafenstraße in Huttrop als Umschlagplatz.

Sperrungen Auf dem Schienenweg und ohne andere Züge auszubremsen, werden die abgebauten Gleise und auch der als Untergrund dienende Altboden angeliefert und vor Ort in einer mobilen Wiederaufbereitungsanlage von Mitarbeitern der Vereinigte Schotterwerke GmbH (VSW) so weit wie möglich recycelt. „Von den 54 000 Tonnen Altschotter, die anfallen, können etwa 30 000 Tonnen wiederverwertet werden“, so VSW-Geschäftsführer Sebastian Scheel. Kerngeschäft der Firma ist die Wiederaufbereitung von Altschotter an festen Firmenstandorten in Stolberg und Bochum, strategisch machte es nun Sinn, für einige Monate eine mobile Anlage in Huttrop zu errichten. Die alten Holzschwellen dagegen müssen als Sondermüll entsorgt werden.

1300 Lkw-Fahrten weniger

Angenehm und mehr als nur ein Nebeneffekt: Trotz des nicht komplett zu vermeidenden Baulärms, der gerade die Anwohner an der S-Bahnlinie schon auch stören kann, spart der Einsatz der mobilen Station laut Bahn-Angaben etwa 1300 Lkw-Fahrten. Mitunter wird der alte Güterbahnhof auch in Zukunft für ähnliche Instandsetzungsmaßnahmen genutzten werden.

Geplant bis zum 10. August arbeitet die Bahn daran, im zweiten Bauabschnitt die Strecke zwischen dem S-Bahnhof Steele-Ost und Bochum-Ehrenfeld instand zu setzen. Auf zehn Kilometern werden 20 200 Meter Schienen, 22 700 Schwellen, 52 000 t Altschotter und 16 000 t Altboden ausgetauscht. Kosten der Gesamtmaßnahme: 12 Millionen Euro. Im Schienenersatzverkehr sind aktuell zehn Busse im Einsatz (zusätzlich zwei Ersatzfahrzeuge), in Steele-Ost stehen diese direkt vor dem S-Bahnhof. Um einen optimalen Anschluss zu ermöglichen, sind zudem morgens und abends zusätzliche S-Bahnen zwischen Duisburg/Essen und Steele-Ost unterwegs.