Das aktuelle Wetter Essen 18°C
Ost

Rentner-Räuber Laientheater

05.03.2008 | 15:55 Uhr

Kupferdreher Laientheater "Kulth" präsentiert mit dem "Oslo-Syndrom" seine neueste Inszenierung Großer Spaß der Schauspieler am Theaterspiel springt auch auf das Publikum über.

Kupferdreh. Wer hat beim Anblick seines Kontostandes noch nie daran gedacht, seine Finanzen auf die ein oder andere, nicht ganz legale Weise aufzubessern? Auch Hans Georg Zwitscher und Walter Meerbusch wollen ihre mickrige Rente ein wenig aufpolieren. Dazu statten sie mit Skimaske und Pistole der "Bürgerbank Bottrop" einen Besuch ab. Doch aus dem geplanten Überfall wird ungewollt eine fortdauernde Geiselnahme, bei der nicht nur die Rentner-Räuber verbrecherischen Sachverstand an den Tag legen. Natürlich ist dies kein echter Fall von kriminellen Machenschaften, sondern das aktuelle Stück des "Kupferdreher Laientheaters" (Kulth).

"Das Oslo-Syndrom" heißt die Komödie von Markus Voell, welche die Laiendarsteller in der Aula der Unesco-Schule bereits zum vierten Mal aufführen. Wolfgang Bader spielt dabei Hans Georg Zwitscher, das "Gehirn" der beiden Räuber. Er weiß: "Solch eine Theaterrolle ist der genaue Gegensatz zum Alltagsleben. Man muss sich aber irgendwie mit der Rolle identifizieren können, um sie auf die Bühne bringen zu können", sagt Bader. In der Wirklichkeit könnte er sich jedoch nicht vorstellen, sein Konto mit einem Banküberfall aufzubessern: "Da warte ich lieber auf einen Lottogewinn und probiere es bis dahin weiter mit ehrlicher Arbeit", lacht der Schauspieler.

Dies ist wahrscheinlich auch besser so, denn schließlich geht bei dem Theater-Überfall ziemlich alles schief - zur Belustigung des Publikums. Schuld daran ist vor allem Zwitschers etwas trotteliger Gangster-Kollege Walter Meerbusch, gespielt von Wolfgang Knaup. Während die Polizei bereits weiträumig die Bank umstellt, ist es seine größte Sorge, ob die heimische Kaffeemaschine auch wirklich ausgeschaltet ist - schließlich könnte noch ein Unglück passieren. Doch nicht nur die Gangster, auch die Geiseln machen sich so ihre Gedanken. So ist es der größte Wunsch des Filialleiters Herbert von Bonnekämper-Halmertshof, seine Frau, die ihn in der Bank beim morgendlichen Liebesspiel mit seiner Sekretärin erwischt hat, von den Räubern ausschalten zu lassen.

Gespielt wird der hinterhältige Bankkaufmann von Peter Feuser. Er erklärt: "Es dauert standardmäßig knapp ein halbes Jahr, bis man eine Rolle angenommen hat." Insgesamt hätten die Laiendarsteller das Stück circa ein Jahr lang einstudiert. "Wir wollen vor allem Spaß am Theater haben, deswegen machen wir uns beim Einstudieren der Stücke auch keinen Stress", so Feuser. Er weiß: "Zu Beginn tut man sich immer schwer, den Text zu lernen. Doch sobald man ein Bild von der Situation vor Augen hat, kommt er eigentlich automatisch." Trotz der guten Vorbereitung haben die Laiendarsteller vor dem Auftritt immer ein wenig Lampenfieber. "Doch sobald man dann auf der Bühne steht, legt sich das", ergänzt Wolfgang Bader.

Für "Das Oslo-Syndrom" setzen die Mitglieder des Laientheaters zudem modernste Technik auf der Bühne ein: "Neben dem Geschehen in der Bankfiliale, zeigen wir die Vorgänge draußen vor der Bank und andere kleine Filme per Beamer", erklärt Heinz-Werner Klein, zuständig für Technik und Mediendesign. "Dabei kommt unter anderem auch eine Spionkamera zum Einsatz, welche das Geschehen live aus Sicht der Polizei auf die Leinwand bringt."

Solche technischen Spielereien kämen auch beim Publikum sehr gut an. Allerdings sind momentan vorerst konkret keine weiteren Aufführung von "Das Oslo-Syndrom" geplant.Bereits seit zwölf Jahren bringen die Darsteller des "Kupferdreher Laientheaters" (Kulth) mit ihren Stücken das Publikum zum Lachen. Ungefähr alle zwei Jahre proben sie dabei ein neues Werk ein, da die Schauspieler nebenher noch ihren Berufen nachgehen. Insgesamt 13 "Kulth"-Mitarbeiter waren bei der Aufführung von "Das Oslo-Syndrom" von Markus Voell vor und hinter der Bühne beteiligt. Dies ist bereits das fünfte größere Theaterstück, welches die Theatergruppe auf der Bühne realisiert hat. Weitere Informationen zum Stück und zum Kupferdreher Laientheater gibt es auf der Website www.kulth.de.

Von Kilian Soddemann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1577912/create

Aktuelle Fotos und Videos
Essens Norden
Bildgalerie
Fotostrecke
Kleine Basketballer ganz groß
Bildgalerie
Fotostrecke
Essener mögen's zartbitter
Video
Gaumenfreuden
Foto Text 3 Kommentare 3
Aus dem Ressort
Gymnasium Essen-Überruhr unterrichtet jetzt Energie sparend im Passivhaus
Schule
Der Energiespar-Effekt des neuen Passivhauses am Gymnasium Essen-Überruhr (GEÜ) wird sich noch zeigen. Die Mensa, die es beherbergt, ist in den wenigen Wochen seit der Eröffnung schon eingeschlagen wie eine Bombe. Auf 138 Plätze ist sie ausgerichtet. Eindeutig zu wenig, wie Schulleiterin Gabriele...
Gericht verbietet Bau von Edel-Gestüt in Burgaltendorf
Justiz
In Burgaltendorf darf kein Gestüt zur Aufzucht edler Rösser entstehen. Das hat jetzt das Verwaltungsgericht entschieden. Der Kläger und bundesweit bekannte Pferdeexperte Prof. Dr. Herbert Lischetzki hatte die Ablehnung der Bauvoranfrage der Stadt angezweifelt.