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Asyl-Pläne

Protest in Überruhr gegen Asylunterkunft an der Antropstraße

23.02.2016 | 08:00 Uhr
Protest in Überruhr gegen Asylunterkunft an der Antropstraße
Anwohner der Antropstraße in Essen-Überruhr haben eine Initiative gegründet und Unterschriften gegen die Pläne der Stadt zu einer Asyl-UnterkunftFoto: Stefan Arend / FUNKE Foto Services

Überruhr.   Die Initiative Antropstraße will dem Oberbürgermeister 1300 Unterschriften übergeben. Kritik gibt es an der Kessellage inmitten von Wohnbebauung.

Kinder, Spaziergänger, Hundehalter und Modellbauer: Sie alle nutzen das parkähnliche Stück Grün mit Wiese, Wegen, Bäumen und Bänken, das in Essen-Überruhr zwischen Antropstraße, Gewalterberg und Langenberger Straße liegt. Die Stadt plant nun aber auf dem Grundstück eine Unterkunft für 200 Flüchtlinge. Während Anwohner seit einigen Wochen Unterschriften gegen diese Pläne sammeln, haben sich SPD und CDU bereits auf den Standort geeinigt. Entscheiden wird der Rat darüber am Mittwoch.

Noch vor der Ratssitzung wollen Vertreter der Initiative Antropstraße ihren Protest beim Oberbürgermeister kundtun, kündigen Helmut Deters und Martin Kuhlemann an. Sie gehören zu den sechs Anwohnern, die sich zu der Initiative zusammengeschlossen haben. Sie wollen Fakten vortragen, aber auch von Emotionen und Sorgen in der Nachbarschaft berichten. „Man nimmt vor allem den Senioren hier die Möglichkeit, einen Spaziergang zum nah gelegenen Park zu machen“, sagt etwa Martin Altstätter (65) und zeigt auf das große Seniorenheim. Das liegt gleich hinter den Ein- und Zweifamilienhäusern, die sich um die Wiese aneinander reihen. 200 Flüchtlinge in dieser „Kessellage“, das sehen zahlreiche Anwohner kritisch.

„Wir fühlen uns völlig überrollt“

Andere Sorgen sich, „da in etwa 100 Metern Entfernung am Hangende bereits eine Asylunterkunft mit rund 120 Bewohnern an der Langenberger Straße liegt“, so Kuhlemann. „Das kann doch zu Neid führen, wenn die Bewohner von der Langenberger Straße sehen, dass Flüchtlinge an der Antropstraße einen Neubau beziehen“, formuliert eine 66-Jährige ihre Bedenken. Mütter mit kleinen Kindern fühlten sich nicht mehr wohl: „Was ist, wenn es unter den Flüchtlingen wie an anderen Standorten zu Konflikten kommt und unsere Kinder geraten dazwischen?“ Die Tatsache, dass es rund um die Uhr wie an allen Standorten einen Wachdienst geben wird, beruhigt die Anwohner nicht.

„Wie sollen denn im Notfall Rettungskräfte bei größeren Einsätzen hierhin gelangen“, äußert ein weiterer Anwohner seine Zweifel wegen der schwierigen Anfahrtswege. Es gebe nicht einmal Winterdienst. Auch die Größe der geplanten Unterkunft sehen viele kritisch, sagt Kuhlemann. 7500 Bürger habe Überruhr-Insel, da wären 50 Plätze angemessen, „das könnten wir mittragen.“ Zumal der Stadtteil mit der Unterkunft an der Langenberger Straße bereits seinen Beitrag leiste. Den Neubau aber für 200 Menschen inmitten der Wohnbebauung, das mag sich hier niemand so recht vorstellen. „Wir fühlen uns völlig überrollt“, sagt Martin Altstätter.

Liste mit rund 1300 Protest-Unterschriften

Und so hat die Initiative zunächst Briefe an die Bezirksvertretung und an die Fraktionen geschrieben. In Überruhr haben sie zum Infoabend geladen und sind von 350 Zuhöreren selbst überrascht worden. Inzwischen unterstützen rund 100 Anwohner aus der direkten Nachbarschaft die Initiative. Die will dem OB am Mittwoch eine Liste mit rund 1300 Protest-Unterschriften übergeben.

Die Einigung von SPD und CDU haben sie jetzt zur Kenntnis genommen und Konsequenzen gezogen, sagt Martin Kuhlemann: „Wir werden uns von einem Anwalt rechtlich beraten lassen.“ Immerhin habe sie im Vorfeld niemand aus der Verwaltung oder Politik über die Pläne informiert. Nun fürchten sie, werde es schnell gehen, wenn der Rat sich für den Standort an der Antropstraße entschieden hat.

Dominika Sagan

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2016-02-23 08:00
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