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Projekt ZKE steht auf der Kippe

10.01.2012 | 19:18 Uhr
Projekt ZKE steht auf der Kippe
Wo früher Bergmänner werkelten, lassen Eugen Bednarek und Wanda Korfanty-Bednarek heute Kunst entstehen. Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool

Essen-Frillendorf.Seit zwölf Jahren füllt Eugen Bednarek mit seiner Frau Wanda Korfanty-Bednarek die Zeche Königin Elisabeth mit kunstvollem Leben. Unterstützung fand das Paar bislang bei der Besitzerfamilie des Industriegebäudes: Praktisch mietfrei konnte Bednarek im ehemaligen Schacht Emil seine Version eines soziokulturellen Zentrums realisieren. Doch damit soll jetzt Schluss sein.

1974 erwarb der Diplom-Bauingenieur Karl-Heinz Weidenbach das stillgelegte Zechengelände, das ansonsten wohl der Abrissbirne zum Opfer gefallen wäre, und ließ es grundlegend sanieren. Fotografen, Architekten und Künstler und Kunststudenten ließen sich dort nieder, ein Kreativzentrum entstand. Die ideale Umgebung für das Projekt Bednareks, das „Menschen, die sich für Kunst interessieren, mit Kreativen zusammenbringen“ sollte. Somit steht der Name „Projekt ZKE“ nicht nur für die Zeche Königin Elisabeth, sondern auch für das Schlagwort „Zusammen Kunst erleben“.

Viele Konzerte, Theaterstücke und Performances fanden seitdem hier eine Bühne. Zentrum des Projekts sind jedoch zwei Galerien, in denen Bednarek bislang 61 Ausstellungen auf die Beine gestellt hat, mit Bildern von professionellen wie von Amateurkünstlern. „Wichtig ist nicht der Titel, sondern die Qualität der Arbeiten“ ist dabei stets seine Maxime gewesen: „Ich habe stets versucht, Laien und Profis zusammenzubringen“, so Bednarek. Nicht wenige dieser Amateure kommen aus seinem eigenen Dunstkreis, denn zusammen mit seiner Frau leitet er in den Räumlichkeiten der Galerien zwei Malschulen – eine für Kinder, eine für Jugendliche und Erwachsene. Damit finanzieren sie die anderen Projekte und fördern zudem Talente. „17 unserer Schüler sind aktuell für die Europäische Jugendkunstausstellung auf Zollverein nominiert“, freut sich Bednarek. Die Unterstützung durch die Weidenbachs ermöglichte es zudem, sozial schwachen Kindern die Teilnahmegebühr zu erlassen. „Ich will, dass auch die Kinder Kreativität erlernen können, die sich das eigentlich nicht leisten können“, betont Wanda Korfanty-Bednarek.

Doch nachdem in diesem Jahr die Immobilie in die Hände von Weidenbachs Sohn übergegangen ist, scheint damit Schluss zu sein: „Wir sollen künftig über 300 Prozent mehr für die Miete zahlen“, bedauert Bednarek, der noch nicht ganz weiß, wie er das stemmen soll. Aufgeben will er dennoch nicht – allerdings müsse er sein Engagement deutlich runterfahren, denn: „So eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, kostet jedes Mal 2 bis 3000 Euro“, sagt er. Somit will er die bisher bis zu sechs Ausstellungen im Jahr auf nur noch drei reduzieren.

Auch an den Verkäufen der Bilder verdiene er nichts mit: „Wir sind eine Non-Profit-Galerie, alle Erlöse gehen an den Künstler.“ Umso mehr ärgert er sich, wenn er ein ums andere Mal nicht in städtischen Galerieführern gelistet ist: „Das tut weh, zumal man sich so oft für die Stadt engagiert hat – und das praktisch ohne Zuschüsse.“ Lediglich einzelne Projekte wurden gefördert.

Den Rücken kehren will er Frillendorf dennoch nicht, auch wenn er zusammen mit einigen Schülern mit der Galerie „Dieser Art“ in Rüttenscheid quasi einen Außenposten geschaffen hat. „Ich will auch nicht in irgendein neues Künstlerviertel im Essener Norden ziehen“, sagt er. „Die Kunst gehört hierhin, zu den Menschen, die hier leben, denn Kunst kann die Menschen glücklich machen“ ist er überzeugt. Zumindest, solange es Menschen gibt, die sich Kunst leisten wollen. So hofft das Paar auf Sponsoren, die sie künftig in ihrer Arbeit unterstützen.

Gordon K. Strahl

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Kommentare
20.01.2012
17:36
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von staxart | #8

... ach wie schön - die Presse bessert nach. Neuer Artikel unter:

http://www.derwesten.de/staedte/essen/ost/ganz-ohne-miete-geht-es-nicht-id6256224.html

Michael Ladenthin - StaX Art

17.01.2012
11:56
Blockierter Kommentar.
von Kusbutscher | #7

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

16.01.2012
22:04
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von MaritaLinke | #6

Ich bin seit zwölf Jahren Schülerin der Malschule ZKE und kann miterleben, wie engagiert Eugen Bednarek und Wanda Korfanty-Bednarek nicht nur ihre Malschule führen sondern auch ihren Traum von einem sozio-kulturellen Projekt verwirklichen. Dieses Projekt bringt beiden Künstlern keinen Profit. Auf gar keinen Fall darf dieses jahrelange Engagement, das inzwischen weit über die Grenzen Essens hinaus gewürdigt wird, zu Ende gehen.

Warum gibt es keine Lobby für Menschen, die, ohne sich dabei groß aufzuspielen, Gutes tun?
Warum versucht man den Hilferuf beider Künstler, die ihren jahrelangen Einsatz für alle Malschüler und kunstinteressierten Menschen gefährdet sehen, zu mißinterpretieren?

Das Engagement der Familie Weidenbach ist auf jeder Veranstaltung, die das Ehepaar Bednarek in zwölf Jahren durchgeführt hat, lobend erwähnt worden.

Die Aktivitäten in der Zeche Königin Elisabeth müssen mit Eugen Bednarek und Wanda Korfanty-Bednarek unbedingt weiter geführt werden.

Marita Linke

15.01.2012
16:02
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von Ingo_Munz | #5

Liebes Künstlerpaar Wanda und Eugen Bednarek,

Ihr tut gut daran, Euch öffentlich zu entschuldigen. Denn was, frage ich, habt Ihr schon Großartiges bewirkt? Gut, Ihr habt ein gehöriges Stück Poesie etabliert in einem Stadtteil, der umgeben ist von marodierenden Bahngleisen und einer grotesk hässlichen Autobahnanschlussstelle. Ihr bietet den Menschen Bühnen, auf denen nicht nur gemalt, sondern auch gesungen, getanzt, gespielt und diskutiert wird. Menschen unterschiedlichen Alters und Nationalität kommen bei Euch zusammen, um kreativ und schöpferisch tätig zu sein. Ihr habt einem Stadtteil, der neben Trinkhallen wenig bis nichts zu bieten hat, eine Begegnungsstätte mit Seele geschenkt. Ihr wirkt absolut integrativ und erreicht damit das, was sich teure und nicht selten vollkommen wirkungslose Stadtteilprojekte zum Ziel setzen.

Himmel Herrgott! Den Betreibern der Zeche Königin Elisabeth, dem Künstlerpaar Bednarek, gebührt nicht Kritik, sondern Dank und Unterstützung!

Ingo Munz

1 Antwort
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von staxart | #5-1

.. im ersten Augenblick dachte ich, was schreibt denn da jemand ...am Ende: Respekt. Schön zusammengefasst.

15.01.2012
11:56
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von rw2012 | #4

Jede Woche fahre ich sehr gerne und trotz der A40 von Herne nach Essen in die ZKE, um Malen zu erlernen und um am Kunst- und Kulturleben teilhaben zu dürfen. Hoffentlich bleibt es auch in der Zukunft genau so! Denn gerade in der heutigen Zeit tun Kunstmachen und Kunstgeniessen gut!

Schülerin aus Herne

14.01.2012
11:24
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von wandalismus | #3

Öffentliche Entschuldigung

Sehr geehrter Herr Weidenbach.

Hiermit entschuldigen wir uns für den drastischen Eindruck und alle, von uns nicht beabsichtigte, Auswirkungen die, durch den WAZ-Bericht entstanden sind.
Es war in keinem Fall unsere Absicht den Ruf unseres langjährigen Förderers, Familie Weidenbach, und den jetzigen Eigentümer, Bernd Weidenbach, zu schädigen.

Im Gegenteil, seit der Gründung des Projektes ZKE haben wir durch unsere Arbeit die Förderung der Familie Weidenbach in der Öffentlichkeit ständig gewürdigt.
Durch ein enormes Engagement für die Kultur und die Gesellschaft, durch die Weiterleitung der Vorteile dieser Förderung (Gebührenerlasse und Ermäßigungen bei den beiden Malschulen, Non-Profit-Prinzip bei den Kunstausstellungen und Veranstaltungen)
haben wir dafür gesorgt dass, der Name der Zeche Königin Elisabeth und damit der Familie Weidenbach, sogar über die Grenzen Essen hinaus bekannt wurde.
Das ist übrigens auch im WAZ-Bericht zu lesen.

Eigentlich wollten wir nur unseres Ausstellungsprogramm für dieses Jahr und unsere Erfolge in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorstellen.
Unsere aktuellen ökonomischen, rein existenziellen Schwierigkeiten haben dabei die Oberhand gewonnen und einen sehr dramatischen Eindruck hinterlassen.
Bis jetzt haben wir uns immer sanft, positiv und optimistisch in der Öffentlichkeit präsentiert.
Unsere Appelle an potentielle Förderer und Paten für Kinder aus sozialschwachen Familien der Kleinen Malschule brachten jedoch keine Resonanz.
Wir dachten wenn wir mehr Einzelheiten aus dem Kampf eines soziokulturellen Projektes ums Überleben der Öffentlichkeit zeigen hilft es uns das Finden von Förderer.
Es war ein Fehler. Das geben wir zu und bitten um Verzeihung
in der Hoffnung unsere soziokulturelle Arbeit im Rahmen des Projektes ZKE
weiter auf der Zeche Königin Elisabeth fortsetzen zu dürfen.


Wanda und
Eugen Bednarek
Leiter des Projektes ZKE
Kooperationspartner der Stadt Essen

www.projekt-zke.de

12.01.2012
14:09
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von SW86 | #2

Die Arbeit von Fam. Bednarek ist sicherlich außergewöhnlich und bedarf einer besonderen Würdigung. Ich begrüße, dass dieses Projekt auch in Zukunft weiter fortbesteht. Des Weiteren denke ich, dass Fam. Bednarek mit dem Vermieter ein Gespräch suchen sollte um die Gefährdung ihres Projektes darszustellen. Vlt. hätte man dieses Gespräch auch vor der Veröffentlichung suchen sollen!

An dieser Stelle wundert mich, warum die Presse nicht mehr ausreichend recherchiert und reißerische Artikel schreibt, in denen Halbwahrheiten berichtet werden!

Darüberhinaus ist doch bekannt, dass die Politik sich vorallem um ihr eigenes Wohl kümmert. Eine Unterstützung seitens der Behörden und Politiker, um Denkmäler zu erhalten, so wie es sich beim genannten Zechengebäude darstellt, findet auch kein Gehör mehr. Viel mehr fließen die Gelder in wenige prestigeträchtige Einzelprojekte wie die der Zeche Zollverein.

Sebastian W.

12.01.2012
01:12
Projekt ZKE steht auf der Kippe
von staxart | #1

Das darf nicht wahr sein. Kaum einer in dieser Region kümmert sich so intensiv und motiviert um seine Schüler. Vor allem die Arbeit an den Kindern und Jugendlichen ist vorbildhaft. Regelmäßig schafft er mit den Austellungen einen wirklichen Publikumsmagneten ... und nun sowas?

Wenn sich Essen als ehemelige Kulturmetropole ein Scheitern dieses Projektes leisten kann, sollten die Auszeichnungen zurückgegeben werden. Hier sind Menschen auch Menschen, werden zu Künstlern und nicht nur dieses poltisch motivierte Kunstgehabe, um großartige Nachrichten zu produzieren.

Hier wird echte Arbeit an der Basis geleistet .. Wo bleibt die Politik und wirtschaftlich ambitionierte Sponsoren ??

MIchael L.

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