Probebohrungen in Burgaltendorf

Der Anfang vom Ende: An der Kreuzung Überruhrstraße/Am Krählinge beginnt die Absperrung, der Umweg aber ist mehr als überschaubar.
Der Anfang vom Ende: An der Kreuzung Überruhrstraße/Am Krählinge beginnt die Absperrung, der Umweg aber ist mehr als überschaubar.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Überruhrstraße: Hinweise auf Altbergbau im Untergrund werden sicherheitshalber untersucht. Die Anwohner nehmen’s sportlich.

Essen-Burgaltendorf..  Das Ruhrgebiet und seine so stolze Bergbaugeschichte. Jahrzehntelang schürften ganze Kerle mit vollem Körpereinsatz nach dem schwarzen Gold und prägten damit eine gesamte Region. Aber heute gibt’s auch Nachteile, in Form von Bergschäden etwa. Risse in Häuserwänden oder gar ausgewachsene Tagesbrüche, bei denen sich plötzlich schon mal durchaus auch gefährliche Löcher auftun, in denen große Autos und noch mehr verschwinden könnten.

Bergschäden wird es wohl auch in 100 Jahren immer wieder mal geben. Um unliebsame Überraschungen durch den so genannten Altbergbau aber weitestgehend auszuschließen oder zumindest einzudämmen, schauen Experten regelmäßig nach. So wie jetzt in Burgaltendorf, wo die Littelfuse GmbH, die Rechtsnachfolgefirma der einstigen Heinrich Bergbau-AG (s. Zweittext), nach dem Rechten schaut.

„Im Zuge von planmäßigen Erkundungen an der Überruhrstraße in Burgaltendorf sind auf unseren Grubenbildern kurzfristig Hinweise auf Altbergbau im Untergrund festgestellt worden“, so Littlefuse-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schönfelder zum regelmäßigen Risikomanagement. „Von Tagesbruch kann derzeit keine Rede sein, vielmehr schauen wir prophylaktisch nach, ob es Hohlräume in alten Flözen gibt, die wir verfüllen müssten.“ Mit ersten belastbaren Ergebnissen rechnet Schönfelder Anfang bis Mitte nächster Woche, dann wird auch entschieden, ob und wenn wie es fortan weitergeht.

Damit Polier Rüdiger Manteufel und die Kolonne von der Spezialfirma Keller aus Wattenscheid auf dem gut 200 Meter langen Teilstück mit ihrem schweren Gerät freie Hand haben, ist das Ende der Überruhrstraße ab der Kreuzung Am Krählinge bis zur abknickenden Vorfahrt gesperrt, wo die Worringstraße in die Mölleneystraße mündet. Sicherheitshalber und wohl für vier Wochen oder länger. Schönfelder: „Eine reine Vorsichtsmaßnahme.“

Während sie anderorts durchaus auch schon mal unfreundlich angeschaut worden sind, ist laut Manteufel in Burgaltendorf die Welt auch für seine Kolonne sehr in Ordnung, Ein Kompliment, das etwa Gaby Meyer allzu gerne zurückgibt. „Die Bauarbeiter sind lieb und sehr pflegeleicht.“ Aufgrund einer Behinderung ihres Mannes darf Meyer auch weiterhin mit dem Wagen zur ihrer Wohnung im abgesperrten Bereich fahren, und Lärm oder Dreck wären ebenfalls kein Problem.

Bus-Umleitungen

Hier und da irritiert seien Lkw-Fahrer, die plötzlich vor der Absperrung stünden und dann aufwändig wenden müssten, weil sie wohl die Hinweisschilder nicht gesehen haben.

Unterm Strich also kein Problem. Und dass die Buslinien 166, SB 15 und NE 4 umgeleitet werden und für die aufgehobenen Haltestellen „Worringstraße“, „Heinrich-Kämpchen-Straße“ und „Ruhrblick“ Ersatz an der Mölleneystraße und der Charlottenstraße (Höhe Charlottenhöhe und Hausnummer 120) eingerichtet wurde, können die Menschen vor Ort ebenfalls gut wechseln. Sind ja Ferien. Glück auf.

Die Zeche Heinrich, eine Chronik


– 1847:
Schacht Heinrich I wird an der Langenberger Straße abgeteuft, 1852 beginnt die Förderung


– 1884: Durch den Einbau eines deutschen Strebengerüsts steigern die 300 Beschäftigten die Förderung auf 100 000 Tonnen Anthrazitkohle pro Jahr


– 1916-1918: Dem Ersten Weltkrieg zum Trotz hält der Boom an. Schacht Heinrich II wird abgeteuft, 1000 Kumpel fördern jährlich bereits 210 000 Tonnen Kohle
– 1934: Die Fördermenge steigt auf jährlich 500 000 Tonnen Kohle bei 1400 Beschäftigten


– 1945-’68: Nach Ende des Zweiten Weltkriegs erfolgt nach und nach die Wiederinbetriebnahme


– 1952: Die Gewerkschaft Heinrich wird zur Heinrich Bergbau-AG


– 1958: Schacht Heinrich III wird abgeteuft


– ab 1960: Schacht III schultert die gesamte Förderung. Schacht I dient weiterhin der Seilfahrt, Schacht II allein noch der Bewetterung


– 1964: Kohlekrise, Förderverbund mit Zeche Theodor


– 1968: Die Stilllegung. Die Heinrich Bergbau-AG gibt alle ihre Betriebe komplett auf


Das Grubenfeld der ehemaligen Überruhrer Zeche Heinrich verlief im Süden bis nach Byfang und im Osten bis kurz vor Burgaltendorf