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Musikalisch "da-HEIM"

05.12.2007 | 16:15 Uhr
Musikalisch "da-HEIM"

Huttrop. Behinderte und nicht-behinderte Bewohner des Dülmener "Anna-Katharinen-Stiftes" präsentieren im Franz Sales Haus ihr Musical, das Heim-Erfahrungen aufarbeitet.

Waschen, anziehen und Schuhe zubinden - für die meisten Menschen ist das kein Problem. Aus der Sicht eines Behinderten ergeben sich daraus jedoch schon die ersten Probleme des Tages.

Dies weiß ebenfalls Georg Breitkopf. Er ist Mitarbeiter im Behindertenwohnheim "Anna-Katharinen-Stift" in Dülmen und hat mit Bewohnern und Pflegern ein integratives Musical einstudiert, welches sie im Franz Sales Haus an der Steeler Straße vorspielen. Dabei soll ein ganz normaler Tag im Leben eines behinderten Menschen gezeigt werden. "da-HEIM" heißt das selbst entwickelte 90-minütige Stück, das mit authentischen Szenen heitere, aber auch nachdenkliche Geschichten erzählt - aus der Sicht eines Heimbewohners.

"Wir stellen dazu alltägliche Situationen für geistig oder körperlich Behinderte nach", erläutert Georg Breitkopf, der sowohl den Text geschrieben als auch die Musik des Stücks komponiert hat. Knapp 35 behinderte und nicht-behinderte Schauspieler und ebenfalls so viele Sänger und Musiker zeigen dafür auf und neben der Bühne ihr Können. Seit März haben sie dafür regelmäßig geprobt. "Text und Musik des Stückes existieren aber schon länger", sagt der Komponist. Knapp ein Jahr hat der Musiker für die Ausarbeitung seines Stückes gebraucht - hauptsächlich an Wochenenden und im Urlaub. "Etwa genauso lange hat es gedauert, bis die endgültige Besetzung feststand und wir mit den Proben beginnen konnten", so Georg Breitkopf.

Dennoch ergeben sich in der Formation die einen oder anderen Schwierigkeiten. "Wir sind eben kein geübtes Ensemble", gibt Gottfried Ernst, Bassspieler zu bedenken. "Deshalb kommen die ein oder anderen Fehler schon mal vor. Aber das Schöne an der Sache ist schließlich, dass sich jeder mit in das Stück einbringen kann, der will." Deshalb spielt auch jeder Schauspieler eine eigene Hauptrolle in einer kleinen Geschichte. Doch auch die nicht-behinderten Musical-Teilnehmer aus dem "Anna-Katharinen-Stift" gewinnen neue Erfahrungen durch die integrative Aufführung. "Die gemeinsamen Proben und Darbietungen förden ungemein das Verhältnis zwischen den Bewohnern und Pflegern unseres Wohnheims", findet Ernst.

Das findet ebenfalls Sabine Smolka. In ihrer Rolle zeigt sie dem Publikum, wie schwierig es sein kann, als Behinderter ein Heim verlassen zu können. Im abseits gelegenen Dülmener "Anna-Katharinen-Stift" ist es dafür notwendig, sich bereits am vorherigen Tag für den sogenannten "Postwagen" anzumelden, der die Bewohner aus dem Wohnheim fährt. "Es ist nicht möglich, einfach dann in die Stadt zu gehen, wenn man will", erklärt die Schauspielerin. Vielleicht ist sie gerade deshalb - weil es eine Abwechslung zum Alltag bietet - so begeistert von dem Musical. "In der Anfangsphase wussten wir noch nicht, ob die Aufführungen gelingen", erklärt sie. "Mittlerweile sind aber alle so begeistert davon, dass wir das Stück bereits zum fünften Mal aufführen."

Darüber freut sich ebenfalls Georg Breitkopf. "Das Musical ,da-Heim' liefert nur einen Versuch, in die Lebenswelt eines Heimbewohners einzutauchen", erläutert er. Daraus erklärt sich auch der Titel des Stücks, welcher das Zuhause mit dem Wohn-Heim verbindet. Das kommt bei den Zuschauern an. "Bis jetzt haben wir nur positive Rückmeldungen erhalten", freut sich der Komponist. Er überlegt, das gleiche Projekt im nächsten Jahr erneut aufzuführen. "Ob dies klappt, steht aber noch nicht fest", so Breitkopf

Von Kilian Soddemann

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