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Schauspiel

Lust auf Shakespeare

18.03.2010 | 11:10 Uhr
Lust auf Shakespeare

Steele.„Was Ihr wollt“ heißt es ab Donnerstag in der Aula des Gymnasiums an der Wolfskuhle: Mit einem Shakespeare meldet sich die traditionsreiche Theatergruppe zurück.

Nicht gut bestellt schien es um die Truppe in letzter Zeit. Und das, obwohl das Bühnenspiel in der Steeler Schule einigen Schülern als Sprungbrett auf professionellen Bühnen diente – ob Thomas Limpinsel, Thomas Glup oder Roland Riebeling: Sie alle entdeckten die Liebe zu den Brettern, die die Welt bedeuten, in Stücken, die in der Schulaula erarbeitet erarbeitet haben.

Einen wesentlichen Anteil am Erfolg hatten die engagierten Lehrer Norbert Weber und Alfred Kleis. Doch als ersterer in Rente ging und letzterer plötzlich verstarb, schien auch für das Schülertheater der letzte Vorhang gefallen zu sein.

Zwar übernahm die Lehrerin Julia Dewenter kurzzeitig die Leitung des Schülertheaters, doch verließ sie die Schule bald.

Übrig blieben motivierte Schüler und Ehemalige, die daraufhin das Heft selbst in die Hand nahmen. Allen voran Tobias Heil, früher selbst Darsteller in zahlreichen Produktionen, der nun die Leitung der Theatertruppe innehat. „Frau Dewenter fragte mich, ob ich nicht mit denen was weiter machen wollte, wenn sie gegangen ist“, berichtet der 19-Jährige. Schon in vergangenen Produktionen habe er bei der Regie geholfen. „Ich habe wohl ein gutes Auge für das, was auf der Bühne wirkt“, sagt er selbstbewusst.

Betrunkenes Publikum

So wählte er die Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ aus, um sie mit den Jugendlichen einzustudieren, von denen die meisten kurz vor dem Abitur stehen und damit kaum jünger sind als er selbst. „Ich liebe Shakespeare und würde gerne meine Lust daran weitergeben“, schwärmt Heil, der auch die dramaturgische Bearbeitung des Stücks übernahm. „Das war nicht so einfach, denn Shakespeare erzählt vieles lang und breit, weil das Publikum damals dauernd betrunken war.“ So habe er sich bei den Kürzungen auf den Kern der Handlung konzentriert und bei der Gelegenheit noch einige Modernisierungen vorgenommen. Nun habe die Verwechslungskomödie genügend Schwung, ist er sicher.

Orchester beschwingt

Für den Schwung sorgt auch das Schulorchester das erstmals für den Live-Soundtrack auf der Bühne sorgt. Orchesterleiter Johann Malan sieht darin eine besondere Herausforderung: „Jeder Charakter hat sein eigenes Motiv, das wiederum der jeweiligen Stimmung angepasst wird“, sagt Malan. Die Verzahnung von Musik und Handlung findet er spannend. „Ich habe mir Stichwörter aufgeschrieben, damit ich weiß, wann welches Stück einsetzen muss“, lächelt Malan, der auch den Großteil der Stücke komponiert hat.

Viel Engagement zeigen auch die jungen Darsteller, von denen einige große Ambitionen haben. „Ich will Schauspieler werden“, verrät Abiturient Robin Dörnemann. „Ich mag es, in andere Rollen zu schlüpfen und das Publikum zu belügen“, lächelt der 19-Jährige, der in dem Stück den Herzog Orsino spielt. Dieser ist verliebt in die Gräfin Olivia und bittet seinen Boten Cesario, ihr eine Liebesbotschaft zu übermitteln. Olivia verguckt sich daraufhin in den hübschen Cesario. Dieser ist jedoch in Wahrheit eine junge Frau: Viola verkleidete sich nach dem Tod ihres Zwillingsbruders als Mann, um so in den Dienst des Herzogs treten zu können.

Viel Lob hat das Ensemble für den Jungregisseur übrig: „Wenn Tobi sich was in den Kopf gesetzt hat, dann macht er das auch“, erzählt der angehende Abiturient Jan Konellis mit Verweis aufs Bühnebild: „Das hat der alles selbst gemacht. Wir nennen ihn meistens nur noch den Schaffer“.

Viel Herzblut

Der Schaffer selbst will die Theatererfahrung trotz des ganzen Herzblutes, das er investiert, erst einmal weiter als Hobby betrachten. „Zuerst einmal mache ich meinen Zivildienst, dann vielleicht eine Ausbildung als Krankenpfleger und danach ein Medizinstudium“, unterstreicht Tobias Heil. Weit weg also vom Bühnentrubel. Aber wer weiß: Vielleicht leckt er nach der sicherlich gelungenen Premiere doch noch Theaterblut.

Gordon K. Strahl

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