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Künstlerverein „Port“ verlässt „Storp 9“

04.01.2013 | 00:08 Uhr
Künstlerverein „Port“ verlässt „Storp 9“
Das Storp 9 im Ostviertel.Foto: Walter Buchholz

Essen-Südostviertel. Vor neun Jahren gründete sich der Künstlerverein „Port“: An der Storpstraße 9 wirkte er auf Initiative des im Südostviertel ansässigen Künstlers Gigo Propaganda an der Gründung des Projekts „Storp 9“ mit, aus dem sich bis heute ein umtriebiges Bürgerbegegnungszentrum entwickelt hat. Doch nun will sich der Verein von dem Projekt lossagen: „Port“ will das „Storp 9 “, das ihm seit seiner Gründung als Vereinssitz dient, verlassen.

„Geldmangel“ heißt es lapidar zur Begründung in einer Einladung zu einer Performance, mit der Gigo Propaganda und „Port“-Vorstandsmitglied Joscha Hendricksen am Sonntag, 6. Januar, auf kreative Weise ihre Motivation zu diesem Schritt darlegen wollen.

Offenbar hängt dieser Geldmangel auch mit auseinander gehenden Interessen innerhalb des Vereins zusammen: „Die Bereitschaft der Vereinsmitglieder, ihre Beiträge in die Finanzierung des Ateliers im Haus fließen zu lassen, ist gesunken“, erläutert Hendricksen. Etwa 300 Euro müsse der Verein dafür eigentlich aufbringen. Geld, das nun fehlt.

"Graffiti ist immer illegal"

Die Interessen der zirka 20 Mitglieder seien „nicht mehr so leicht zusammenzubringen“, so Hendricksen weiter. „Als wir den Verein vor knapp zehn Jahren gegründet haben, waren alle im Alter von Anfang bis Mitte 20 – da steckten wir alle voller ehrenamtlicher Energie und Kompromissbereitschaft.“ Heute müsse „jeder auf sich selbst schauen“, bedauert Hendricksen.

Gigo Propaganda sieht auch künstlerisches Konfliktpotenzial: „Es geht um den Kampf zwischen der freien und angewandten Kunst“, stellt er fest. Mit letzterer bezeichnet er Auftragskunst, also zum Beispiel, wenn ein Sprayer dafür bezahlt wird, eine Häuserwand zu verzieren. „Das hat nichts mit Graffiti zu tun – Graffiti ist immer illegal.“ Dies sei kunsthistorisch klar definiert. Aber: „Die Frage ist aufgekommen, wann sich wer mit falschen Inhalten schmückt.“

Eine sechsstündige Performance

Doch nicht nur Differenzen innerhalb des Künstlervereins sorgen für den Schritt, die Wurzeln abzuschneiden: Auch mit der Entwicklung des Projekts „Storp 9“ gehe man nicht mehr konform, erläutert Hendricksen: „Wir wollten damals ein Haus für Kunst machen, doch es ist mehr ein Haus für Bildung geworden.“ Das sei zwar „an diesem Standort, mitten im Südostviertel nicht falsch, aber eben nicht das, was wir ursprünglich mit diesem Projekt bezweckt hatten. Kooperationspartner wie das Jugendamt, die Bürgerinitiative Südostviertel und die Caritas hätten die Künstler „schlicht organisatorisch überrannt.“ Nun müsse sich der Verein neu sortieren.

Mit der sechsstündigen Performance „Port sei Dank“ und einer daran angeschlossenen Ausstellung thematisieren Gigo Propaganda und Joscha Hendricksen am Sonntag, 6. Januar, ab 13 Uhr im „Storp 9“, Storpstraße 9, den Auszug des Vereins „Port“ aus seinem bisherigen Domizil.

Mit den Besuchern auf einem Wissensstand

So lässt Hendricksen mit Hilfe von „geometrischen Formen, Genussmitteln und einem Tisch“ die Geschichte des Vereins symbolisch Revue passieren. Derweil will Gigo Propaganda „typographisch mit dem Raum“ umgehen: Ein visueller Rückblick auf die verschiedensten Geschehnisse der letzten Jahre soll auf diese Weise entstehen. Auf den Wänden niedergeschriebene Weisheiten, Zitate, Gedichte und Parolen sollen dabei ein Gesamtkunstwerk ergeben. Gigo Propaganda umrahmt das - nach eigenen Angaben - „Geschmiere“ mit Stichworten und schlüsselt damit Codiertes auf.

Auch die über die Jahre veröffentlichten Presseberichte über die Arbeit von „Port“ und „Storp 9“ werden ausgestellt und dienen als Seitenblicke auf Projekt und Verein, verschaffen somit einen Überblick und bringen die Besucher auf den gleichen Wissensstand.

Doch nicht nur die ereignisreiche Vergangenheit thematisiert das Duo: Auch zu den Gründen der Trennung und der bislang ungeklärten Zukunft des Vereins will das Duo auf künstlerische Art Antworten geben – und noch mehr Fragen stellen.

Der Eintritt zu der Performance und der Ausstellung ist frei.

Gordon K. Strahl


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