Kino im Kopf

In der Ausstellung „Schichtaufnahme“ zeigt die Malerin Bilder zu zwischenmenschlichen Beziehungen in der Galerie „Auf“.
In der Ausstellung „Schichtaufnahme“ zeigt die Malerin Bilder zu zwischenmenschlichen Beziehungen in der Galerie „Auf“.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Die Künstlerin Karin Schumacher stellt Gemälde und Papierarbeiten in der Galerie „Auf“ aus. Die Bilder erzählen Geschichten aus dem wahren Leben.

Essen-Huttrop..  Die Spannung, die in den Bildern entsteht, die ist es, die Karin Schumacher interessiert. Oft sieht die Künstlerin in ihren eigenen Werken später noch eine ganz andere Geschichte, einen neuen Spannungsverlauf. „Kino im Kopf“ nennt die gebürtige Essenerin den Prozess, den sie mit ihren Arbeiten erzeugen will und der auch beim Malprozess in ihrem eigenen Kopf abläuft.

In der Ausstellung „Schichtaufnahmen“ in der Galerie „Auf“ zeigt die Künstlerin Gemälde, Papierarbeiten und Reliefs aus den letzten vier Jahren. Den Titel der Ausstellung hat sie mit einem bestimmten Gedanken gewählt. „Schichtaufnahme soll den Vorgang beschreiben, der den Betrachter der Werke leitet. Er soll sich quasi Schicht für Schicht eindenken und die einzelnen Bildebenen analysieren.“

Jeder lebe in einem Beziehungsgeflecht und könne so etwas in den Bildern erkennen. „Es sind die menschlichen Themen aus dem realen Leben, die uns doch beschäftigen. Beziehungen zwischen Mann und Frau, Alt und Jung. Und genau das bilde ich eben ab. Den Film, der dann im Kopf des Betrachters abläuft, muss der Besucher dann selbst zu Ende bringen.“

Seit 16 Jahren macht die mittlerweile 73- Jährige Kunst. „Ich habe quasi in einem Alter damit angefangen, in dem andere an die Pensionierung denken. Aber mich hat damals einfach die Leidenschaft gepackt“, beschreibt sie und lässt den Blick über ihre Bilder schweifen.

Nach dem Besuch verschiedener Lehrgänge für Zeichnen und Malerei widmete sich die vierfache Mutter dem Studium der Malerei an der Freien Kunstakademie Essen und ist seitdem als freischaffende Malerin tätig. „In den ersten Semestern habe ich gemerkt, dass Aktzeichnen mein Ding ist. Es geht mir darum, den Mensch in seiner Gefühlswelt darzustellen“, erklärt sie.

Von Pina Bausch inspiriert

Der Schritt von ihrem früheren Beruf zur Kunst war für die Steuerberaterin aber nicht zu groß. „Auch in meiner Tätigkeit als Steuerberaterin habe ich viele Menschengeschichten erfahren.“ Ausgestellt hat sie ihre Werke schon in Berlin, Hamburg und in ihrer Heimatstadt Essen, wo sie auch ein Atelier in Rüttenscheid hat. Viel malt sie mit Öl und Acryl, Tusche und Kreide.

In den plastischen Arbeiten hält sich Schumacher nicht an die Gesetze der Anatomie. Bei den Bildern ist das anders. „In den Bildern schaffe ich oft bewusste Provokationen. Ich versuche authentisch zu sein und halte die Bilder lieber bedeutungsoffen“, sagt sie und deutet mit einem Kopfnicken in Richtung eines Werkes, das aus ihrer Serie „C’est la vie“ stammt. Die soll das Leben so abbilden, wie es eben ist. Dabei versucht Schumacher, die Menschen auf verschiedenen Ebenen zu zeigen und erzählt zugleich auch eine Geschichte. „Oft brauche ich erstmal eine Figur, an der sich dann während des Malprozesses die Geschichte aufhängt. Das Tanztheater von Pina Bausch inspiriert mich, einige Figuren sind in ihren Posen daran angelehnt“, erklärt die gebürtige Essenerin.

Für die Wirkung auf den Betrachter hofft sie, dass jeder sich selbst vielleicht ein Stück weit wiederfindet. „Aber was die Menschen in meinen Bildern sehen, hängt von ihrer jeweiligen Lebenserfahrung ab.“ Auch der Galerist Uje Fenger freut sich auf die Ausstellungseröffnung. „Die Bilder erzeugen im Betrachter eine gewisse Betroffenheit, die Werke wirken sehr pointiert.“