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„Engel der Kulturen“

Kampf gegen die Ausgrenzung

27.05.2013 | 19:06 Uhr
Kampf gegen die Ausgrenzung
Gemeinsam gegen Ausgrenzung: Der Ring aus Stahl, in dessen Innern die Konturen von Kreuz, Davidstern und Mondsichel eingraviert sind.Foto: Sebastian Konopka

Kray. Sichtlich stolz spaziert eine Gruppe Konfirmanden bei der „Krayer-Kultur-Karawane“ vorweg. In der Hand ein Transparent, auf dem in bunten Großbuchstaben „Zusammenhalt“ geschrieben steht. Ihre Handabdrücke haben die Jugendlichen symbolisch gleich daneben verewigt.

Gemeinsam mit Anwohnern und Vertretern aus Kultur, Politik und Religion demonstrierten sie am Wochenende eindrucksvoll, wie Zusammenhalt im Stadtteil konkret gelebt wird. Unter dem Motto „Engel der Kulturen“ pilgerten Hunderte Krayer zu fünf Begegnungsstätten im Stadtteil und ließen jeweils vor den Eingängen Intarsien aus Sand ein. Ob an Kirche, Spielplatz, Markt oder Moschee – die Sandskulptur soll nicht nur in Kray ein Zeichen zur „Förderung des interkulturellen und interreligiösen Dialogs“ setzen.

„Mit der Aktion wollen wir zeigen, dass Menschen unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit auf eine ganz bestimmte Art und Weise zusammengehören“, erklärte die evangelische Pfarrerin Michaela Langenheim. Genau das werde in Kray – wenn auch nicht immer klar erkennbar – schon seit Jahren gelebt. Die Skulptur soll nun als sichtbares und bleibendes Zeichen der Solidarität dienen.

Gut einen Meter Durchmesser hat der Ring aus Stahl, in dessen Innern die Konturen von Kreuz, Davidstern und Mondsichel eingraviert sind. Vorsichtig rollten Schulkinder die Skulptur über Bord- und Pflastersteine hinweg mehr als zwei Kilometer durch Kray. Vom Schulzentrum über den Spielplatz, vorbei an Barbara- und Alter Kirche bis hinunter zur Moschee – mit Bedacht wurde das übergroße „Förmchen“ abgelegt, das Innere von zahlreichen Kinderhänden mit Sand gefüllt, gut festgeklopft und vorsichtig wieder angehoben. Was bleibt, ist die Kontur eines Engels. Am Krayer Markt wurde die Intarsie dann schließlich dauerhaft in den Boden eingelassen.

Auf die Menschen zugehen

Jede Station stand dabei unter einem ganz eigenen Motto. Mühevolle Arbeit, die sich gelohnt hat, meint Pfarrerin Langenheim: „Das ist ein wunderbares Zeichen für die Vielfalt im Stadtteil. Wir wehren uns damit gegen jede Form der Ausgrenzung.“ Viele Krayer nutzten die Gelegenheit, auch einmal anderen Gotteshäuser kennenzulernen. Einer von ihnen ist Matthias Kampmann, der seit sieben Jahren in Kray lebt. „Leider betont man meist die Unterschiede, anstatt die vielen Gemeinsamkeiten hervorzuheben“, so Kampmann. Dinge wie die NSU-Morde oder das Parteibüro der NPD in Kray hätten die Gräben unnötig vergrößert. „Oft sind wir zu ängstlich. Man muss einfach mehr auf die Menschen zugehen“, meint der Krankenpfleger.

Zumindest bis zum nächsten Regenschauer sind die Sandengel vor den Kulturstätten verewigt. In den Köpfen vieler Krayer sicherlich noch eine ganze Weile länger.

das vom Künstlerduo Dietrich und Merten gestaltete „Rad der Kulturen“ soll ein vermittelndes Symbol zwischen den verschiedenen Religionen sein. Noch in diesem Jahr wird es auch durch Köln, Leverkusen und Euskirchen rollen. Im Frühjahr 2010 reiste es im Rahmen der sogenannten „Abraham-Karawane“ vier Wochen lang durch Osteuropa und verband so die damaligen Kulturhauptstädte Europas: Pecs, Istanbul und Essen. Zwischenstopps waren unter anderem Sofia, Belgrad, Sarajevo und Skopje.

Jonathan Krause

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2013-05-27 19:06
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