Junge Leute hübschen den Eisenhammer auf

Ein gutes Team: AnleiterAndreas Koch von der Essener Jugendhilfe (3.v.r.) bringt mit Isabella Chrzanowski, Saskia Kutzer, Brandon Metz, Hasan Cakici, Steven Fabisch und einigen anderen die Gebäude uns das Gelände am Eisenhammer auf Vordermann. Und am Ende haben irgendwie alle was davon.Foto:Thomas
Ein gutes Team: AnleiterAndreas Koch von der Essener Jugendhilfe (3.v.r.) bringt mit Isabella Chrzanowski, Saskia Kutzer, Brandon Metz, Hasan Cakici, Steven Fabisch und einigen anderen die Gebäude uns das Gelände am Eisenhammer auf Vordermann. Und am Ende haben irgendwie alle was davon.Foto:Thomas
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Das Gelände nimmt wie das Leben der Teilnehmer wieder schönere Formen an. Maßnahme der Jugendhilfe Essen läuft bis 2016.

Essen-Kupferdreh..  Die Kulturlandschaft Deilbachtal, noch heute geben vor Ort stumme Zeitzeugen der ganz frühen Industrialisierung beeindruckende Auskunft darüber ab, wie und vor allem wie schwer vor teils mehreren hundert Jahren malocht werden musste. Kupferhammer, Hundebrücke und besonders das gar urige Ensemble mit Eisenhammer, Meisterhaus und den beiden angrenzenden Arbeiterhäusern.

16. Jahrhundert. Da die älteste Hammerschmiede des Ruhrgebiets und die Häuser schon lange zum ganz alten Eisen gehören und ihnen zusehends die Luft ausgeht, sind viele Menschen dabei, den Rettungsanker zu werfen. Äußerst schwierig, äußerst teuer. Erste Hochrechnungen sprachen von 2,5 Millionen Euro. Aber man geht es an, das eigens gegründete Konsortium will retten, was noch zu retten ist.

Schritt für Schritt. Aktuell etwa sind mehrere Jugendliche und junge Leute dabei, in so genannter begleiteter Gemeinwohlarbeit rund um das Gelände und Teile des Meisterhauses wieder auf Vordermann zu bringen. Heißt im Klartext: Unter der Regie des Anleiters, des Gartenbau-Ingenieurs Andreas Koch von der Jugendhilfe Essen, roden und gärtnern und malern sie, was Spaten und Pinsel hergeben. Die übers Jobcenter finanzierte Maßnahme passt wie die Faust aufs Auge. Gut für den Eisenhammer und die Häuser, gut auch für die jungen Frauen und Männer, die auf dem Weg zu neuer Struktur in ihrem Leben und verbesserten Chancen auf dem Ausbildungsmarkt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen können.

„Was die jungen Leute und die Jugendhilfe hier machen, ist ganz außerordentlich“, so etwa Wolfgang Rüskamp, Vorsitzender der Kupferdreher Bürgerschaft, die zusammen mit dem Historischen Verein, IDEE e.V. und dem Ruhrmuseum das Konsortium bildet.

„Ob die Gebäude den Winter überstehen, wissen wir nicht“, sagte Hans Schippmann vergangenen Sommer, Jetzt ist der Vorsitzende des Historischen Vereins deutlich zuversichtlicher. „Alle sprechen völlig zurecht von Zollverein, aber auch dies so wichtige Kleinod und die Zeit vor der eigentlichen Indus-trialisierung müssen gewürdigt werden. Das hier ist keine künstliche Landschaft und liegt auch noch im schönsten Tal Essens.“

Wo einst Spezialisten Eisenerz mit Holzkohle verhütteten, in den Schmelzöfen also das Erz zu einem glühenden Klumpen aus rohem Eisen, Kohle und Schlacke verschmolz, da räumen sie nun auf. Junge Frauen wie Isabella Chrzanowski und Saskia Kutzer, oder zwei kernige Kerle, Pascal und Pascal. Bislang ist in ihrem Leben nicht immer alles rund gelaufen, nun aber wollen sie’s wissen. Pünktlich, zuverlässig, engagiert. Das gefällt ihnen. Und demnächst winkt eine Ausbildung, an die sie kaum mehr zu denken wagten. „Und in 20 Jahren erzählen wir dann jungen Leuten wie das war und dass am Eisenhammer alles irgendwie angefangen hat.“ Ein altes Gemäuer, das jungen Menschen neue Chancen bietet. Schon der Hammer . . .