Im Steeler Archiv lernen jetzt die Bilder laufen

Umzug auf dem Kaiser-Otto-Platz zur 1000-Jahrfeier Steeles am 15. Mai 1938.
Umzug auf dem Kaiser-Otto-Platz zur 1000-Jahrfeier Steeles am 15. Mai 1938.
Foto: Steeler Archiv
Was wir bereits wissen
Seit neun Jahren schon berichten die Heimatforscher vom Hünninghausenweg Historisches aus dem Stadtteil. Doch zum ersten Mal präsentieren sie nun einen eigenen Filmabend

Essen-Steele..  Als die Bilder laufen lernten: Die emsigen Heimatforscher des Steeler Archivs berichten seit neun Jahren über die Historie ihres Stadtteils und der näheren Umgebung. Sie überarbeiten Kartenwerke, sammeln und katalogisieren alte Fotos und bringen sogar ein eigenes Magazin, die „Stela historica“, heraus. Doch zum ersten Mal veranstalten Vorsitzender Arnd Hepprich und sein Team nun einen Filmabend. Am Donnerstag, 5. Februar, flimmern historische Steeler ZelluloidSchätze im Gesellschaftsraum der Turnvereinigung Steele am Ruhrbruchshof über die Leinwand – und dies zum Nulltarif.

Zwar reichen die handverlesenen Filme nicht bis in die Pionierzeit der Filmemacher zurück, doch zumindest bis in das Jahr 1938, als die Steelenser die 1000-Jahr-Feier ihres Stadtteils in Atem hielt. Mit dem Gedanken, eine abendfüllende Filmschau anzubieten, spielten die Heimatforscher zwar schon länger, „aber die Initialzündung lieferten zwei Filmrollen, die uns ein Archivbesucher erst kürzlich angeboten hatte“, erklärt Arnd Hepprich. „Und da wir sowieso mit unserer Programmplanung für das erste Halbjahr 2015 beschäftigt waren, beschlossen wir, weitere Filme zusammenzutragen und der Öffentlichkeit in unterhaltsamer Form zu präsentieren.“

Flohmarktfund

Die Filmrollen anno 1938 hatte der glückliche Finder auf einem Flohmarkt ergattert. Harald Vogelsang, Hepprichs Stellvertreter und selbst Amateurfilmer, sichtete das rund 20 Minuten lange Material und befand es als durchaus geeignet. „Die Qualität kann sich trotz des Alters sehen lassen.“ Gedreht wurde der Film im damals gängigen Normal-8-Format.“ Diese Filme, auch als „Doppel-8“ bezeichnet, wurden verwendet, um Material zu sparen. Je zur Hälfte belichtet, wurde der Film geteilt, die Kapazität verdoppelt.

Die Filme erschienen den Steeler Archivaren so interessant, dass sie beide Filmrollen erwarben. „Allerdings haben wir diese auf DVD kopiert“, sagt Vogelsang. „Zum einen, um das Urmaterial zu schonen, aber auch, weil die Lampe unseres Projektors nicht stark genug wäre, um im Saal die weite Distanz bis zur Leinwand zu überbrücken. Deshalb nehmen wir die leichten Kopierverluste auf DVD gerne in Kauf.“

Neben dem Jubiläumsumzug, damals hoch zu Pferd und die Reiter mit zum Teil prächtigen Kostümen dekoriert, sind auf den Filmrollen auch Ansichten von Steeler Gebäuden vom oberen Teil des Kaiser-Otto-Platzes zu sehen, die heute gar nicht mehr existieren. „Gerade dies macht die Filme für uns besonders interessant“, betont Hepprich. Einen Hinweis, wer den Film gedreht hat, findet sich auf dieser Rarität nicht; auch nicht auf den Filmdosen. „Schade, sonst hätten wir damit weiterforschen können.“

Der Kameramann des Films „Vertraute Fassaden“ indes ist den Heimatforschern bekannt. Der rund 18 Minuten lange Film entstand im Jahr 1970 auf Super-8-Format, ist allerdings nur eine Leihgabe. „Die Aufnahmen wurden zum Teil aus dem Auto heraus gemacht“, sagt Harald Vogelsang. „Was die ganze Sache noch abwechslungsreicher und unterhaltsamer macht.“

Vogelsang selbst steuert auch einen kurzen Beitrag zum Filmabend bei: Im Mai 1977 filmte er eine der letzten Fahrten der Straßenbahn, die kurz danach aus der Steeler City verbannt wurde und nach dem Bau des Verkehrsplatzes nur noch von dort aus verkehrte. Dass sein Film „Straßenbahn-Erinnerungen“ nur drei Minuten lang ist, hat jedoch pragmatische Gründe: Die Filmkassette war einfach nicht länger. Vogelsang schmunzelnd: „Ich erinnere mich, dass ich den Tramfahrer bat, doch ein wenig Gas zu geben, damit ich die gesamte Route auf den Film bekomme.“