Im Gesundheitszentrum ruht der Ball
15.01.2012 | 16:04 Uhr 2012-01-15T16:04:00+0100
Steele/Rüttenscheid. Das Gesundheitszentrum Alfried Krupp Krankenhaus in Steele, Hellweg 100, hat seine Türen seit dem 1. Januar geschlossen und wird sie auch so schnell nicht wieder öffnen. Für das derzeit ungenutzte Gebäude gibt es noch keine Pläne.
Das Gesundheitszentrum Alfried Krupp Krankenhaus in Steele, Hellweg 100, hat seine Türen seit dem 1. Januar geschlossen und wird sie auch so schnell nicht wieder öffnen. Für das derzeit ungenutzte Gebäude gibt es noch keine Pläne. Anhängig sind noch mehrere Kündigungsschutzklagen beim Essener Arbeitsgericht.
Schon im August vergangenen Jahres kündigten es die Verantwortlichen an, nun ist es Realität: „Die letzten Patienten wurden endbehandelt und am 21. Dezember verabschiedet. Hier wird es definitiv keine Rehabilitation mehr geben“, stellt Dr. Sabine Kisselbach, Geschäftsführerin der Alfried Krupp Krankenhäuser in Rüttenscheid und Steele, sowie in dieser Funktion bis Ende des Jahres im Gesundheitszentrum tätig, fest.
Die Schere zwischen Personalkosten und Erlösen ging immer weiter auseinander
Was nun mit dem, im Jahr 1998 errichteten, Anbau des Steeler Krankenhauses passiert, weiß sie auch noch nicht. „Derzeit sind die Räume verschlossen. Einen neuen Belegungsplan gibt es noch nicht“, sagt Dr. Sabine Kisselbach. Eine Anfrage von einem Sportverein gebe es, doch das reiche wahrscheinlich für das komplette Gebäude nicht aus. Möglich sei, dass Untersuchungsbereiche dort hineinverlegt würden.
Doch wie kann eine augenscheinlich stark besuchte Einrichtung wie das Steeler Alfried Krupp Gesundheitszentrum wegen zu starker Verluste schließen? Diese Frage stellen sich viele ehemalige Patienten, die am Hellweg seit 1998 ihre Rehabilitation angetreten haben und die dort in diesen Tagen nur noch verschlossene Türen vorfinden. Die Antwort darauf gibt Dr. Sabine Kisselbach: „Die Schere zwischen den Personalkosten und den Erlösen ging immer weiter auseinander. Probleme des Gesundheitszentrums würden sich als 100-prozentige Tochter auch auf das Krankenhaus auswirken“, erläutert die Geschäftsführerin.
Verhandlungen mit den Mitarbeitern sind gescheitert
Nur um 0,5 Prozent hätten sich die Tagessätze für die Reha-Leistungen in den vergangenen fünf Jahren erhöht, die Gehälter hätten eine andere Entwicklung genommen. Verhandlungen mit den Mitarbeitern, auf Gehalt zu verzichten, um das Zentrum weiter zu betreiben, seien gescheitert.
Rechtsanwalt Christian Nohr vertritt noch sechs der ehemals 40 Mitarbeiter vor dem Arbeitsgericht und ist sich sicher: 20 Prozent mehr als die Kollegen auf dem freien Markt hätten die Angestellten bekommen, weil sie nach BAT KF (kirchliche Fassung) bezahlt worden seien. Er befürchtet, dass für den Träger mit der Schließung des Hauses in Sachen Reha nicht Schluss ist, sondern unter anderer Flagge weitergesegelt wird – und mit neuen Arbeitsverträgen. Eine GmbH mit dem Titel AK (Alfried Krupp) Vital sei vom Träger zu diesem Zweck gegründet worden. Nohr vermutet, dass eine Kooperation mit zwei privaten Reha-Anbietern – die bereits jetzt auf einem Flyer gemeinsam werben – das Ziel war oder ist. „Es wird aufzuklären sein, ob der Betrieb fortgeführt wird“, so der Rechtsanwalt.
Dr. Sabine Kisselbach verneint dies. „Es gibt keine Kooperation mit privaten Reha-Anbietern. Die ,AK Vital’ ist nach wie vor Spekulation und wird auch nicht umgesetzt.“ Zwar biete man im Rüttenscheider Alfried Krupp Krankenhaus Reha an, die sei aber im Rahmen einer onkologischen und gynäkologischen Versorgung: „Und das ist eine völlig andere Klientel.“
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