Grend-Bar: Ein neuer Treffpunkt für Kulturfreunde
07.02.2012 | 16:57 Uhr 2012-02-07T16:57:00+0100
Steele. Das Steeler Kulturzentrum hat eine neue Kneipe: Am Wochenende hat die Grend Bar eröffnet und zog zahlreiche Neugierige an, die einen Blick auf die frisch renovierten Räumlichkeiten werfen wollten.
Das Steeler Kulturzentrum hat eine neue Kneipe: Am Wochenende hat die Grend Bar eröffnet und zog zahlreiche Neugierige an, die einen Blick auf die frisch renovierten Räumlichkeiten werfen wollten. Wer zu den geladenen Gästen gehörte, der durfte bereits am Donnerstagabend in Augenschein nehmen, was aus dem alten „El Patio“ geworden ist, in dem trotz des spanischen Namens zuletzt italienische Speisen serviert wurden. Überraschend stylish geht es nun zu: dunkle Holzmöbel in einem hellen, offenen Raum, die Stühle und Hocker rot gepolstert, schummrige Beleuchtung, die eigens von Essens „Lichtpapst“ Peter Brdenk entworfen wurden.
Norbert Bethscheider atmet auf, während er hinter der Theke gelassen ein kühles Blondes zapft. „Ist toll geworden“, sagt der neue Leiter der Grend-Gastronomie. „Vor zwei Tagen hätte man mich das allerdings nicht fragen dürfen“, gibt er zu. Denn bis zuletzt habe vieles noch einer Baustelle geglichen. „Aber dann ging plötzlich alles ganz schnell.“
„Verglichen mit vorher ist es viel sachlicher“, gibt Lore Duwe-Scherwat ihren ersten Eindruck wieder. Für sie als Ensemble-Mitglied des im Grend beheimateten Theater Freudenhaus hat die Gastronomie eine besondere Funktion: „Es ist wichtig, dass es hier einen Treffpunkt gibt für Schauspieler und Publikum“, sagt Duwe-Scherwat, die unter anderem in „Freunde der italienischen Oper“ die Oma Klärchen spielt. „So können wir mit den Leuten darüber reden, was sie gesehen haben und gleich die Werbetrommel für neue Produktionen rühren.“
Begeistert zeigt sie sich vom Deckengemälde, das mit seiner Verspieltheit einen echten Stilbruch zum sonst eher geschliffenen Interieur darstellt. Aus einem hellen Wolkenhimmel schauen comicartige Außerirdische hervor, Schriftzüge sind versteckt, die Internetadressen preisgeben oder an den legendären „Theater Freudenhaus“-Begründer Thomas Koppelberg erinnern.
Geschaffen hat das Fresko der Essener Künstler Gigo Propaganda, der sich vor allem mit seinen Graffiti einen Namen gemacht hat. „Ich sollte den Bezug vom Lokalen mit dem Globalen sichtbar machen“, erläutert Propaganda. „Übers Globale bin ich dann ins Universelle gerutscht.“
Den gegenüber liegenden Veranstaltungsraum nimmt er gleich auch noch in Beschlag: Dort zeigt Gigo Propaganda, der im bürgerlichen Leben Danijel Brekalo heißt und zu den Mitbegründern des Kreativhauses Storp 9 gehört, eine Auswahl seiner Werke.
Konzertreihe
„Früher haben wir diesen Raum regelmäßig als Ausstellungsfläche benutzt, das ist zuletzt etwas in Vergessenheit geraten“, so Grend-Geschäftsführer Johannes Brackmann. Eben diese Tradition wolle man nun wieder aufgreifen.
Auch die Grend Bar selbst will künftig verstärkt mit kulturellen Angeboten glänzen, vor allem mit der donnerstäglichen Konzertreihe, die – zur Eröffnung ausnahmsweise am Freitag – einen etwas holprigen Einstand fand: Da der Kopf der Rockabilly-Band „Johnny & The Hot Rods“, Johnny Yuma, auf dem Weg ins Grend einen Zusammenbruch erlitten hatte, standen die Musiker plötzlich ohne Sänger da. Doch die Vollblutmusiker improvisierten instrumental – und bekamen Schützenhilfe aus dem Publikum: Ein Fan griff kurzerhand zum Mikro und übernahm spontan den Sängerpart, worauf die Stimmung im rappelvollen Café fast überkochte.
Apropos kochen: Das Speisen-Angebot ist übersichtlicher und preiswerter als noch zu „El Patio“-Zeiten. Kleinigkeiten wie eine Mais-Cremesuppe mit Chorizo-Oliven-Spieß oder Gerichte wie Rigatoni mit Spinat-Gorgonzola-Soße dominieren das Angebot. „Wir wollen auch ein neues, jüngeres Publikum ansprechen“, unterstreicht Johannes Brackmann. Denn ein eigenes Publikum habe der Gastronomie zuletzt gefehlt. Ob es gelingt, ein solches zu finden, hängt wohl auch davon ab, ob die neu gegründete Betreibergesellschaft der Bar den Mut haben wird, die Öffnungszeiten auszuweiten: Denn geöffnet hat die Kneipe vorerst donnerstags bis sonntags ab 17 Uhr – also immer dann, wenn das Theater und der Konzertsaal sowieso Publikum ins Grend locken.
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