Geschichte erlebbar machen
23.07.2008 | 16:55 Uhr 2008-07-23T16:55:02+0200Rainer Busch betreut das Heimatkunde-Archiv der "Bürgerschaft Kupferdreh" im Mineralienmuseum.Derzeit arbeitet er an einer neuen Publikation zur kompletten Stadtteilgeschichte, die im Herbst erscheinen soll
Kupferdreh. Lauter Bücherregale, unzählige Mappen mit Dokumenten auf einem großen Arbeitstisch, ein Schreibtisch samt Computer, historische Wimpel - das ist das Reich von Rainer Busch. Etwas unscheinbar, direkt unter dem Dach des Mineralienmuseums, hat er seine Räume und pflegt dort für die "Bürgerschaft Kupferdreh" das Heimatkunde-Archiv des Stadtteils.
"Das Archiv ist entstanden, als wir in den 80er Jahren das Mineralienmuseum übernommen haben", sagt Busch, der seit 1988 Mitglied in der Bürgerschaft ist. Sein Vorgänger habe bereits angefangen, Unterlagen zu sammeln. Auf 1989/1990 schätzt der Hobby-Archivar den Beginn seiner Tätigkeit. "Seitdem bauen wir das hier ständig auf", betont Busch und dankt gleichzeitig auch Kupferdreher Bürgern, von denen ihm viele Unterlagen haben zukommen lassen.
"Wir bekommen immer mehr Unterlagen von Vereinen, die sich aufgelöst haben", berichtet er und kramt alte Klubfahnen und Protokollbücher von Sitzungen hervor. Die meisten Dokumente würden jedoch von Privatpersonen an das Archiv vererbt. Das Wort Dokumente klingt in diesem Zusammenhang eher staatstragend, denn die verschiedensten, historischen Schriftstücke und Fotos, die Rainer Busch in der Sammlung hat, dokumentieren vielmehr das Leben im Stadtteil.
"Das älteste Dokument ist vom Kupferhammer etwa um 1775", weiß der Heimatkundler. Etwas jünger, aber nicht weniger interessant, sind beispielsweise die Fotografien um 1890 und die Jahrhundertwende. Rund 1500 Archivalien haben laut Rainer Busch mittlerweile ihre Heimat in den Räumen und Regalen der Bürgerschaft gefunden. Gemeint sind damit ganze Ordner, Bücher oder Mappen. "Wieviele Einzelstücke es insgesamt sind, kann ich wirklich nicht genau sagen", schmunzelt der Hobby-Archivar.
Einige Publikationen hat Rainer Busch gemeinsam mit anderen Heimatkundlern bereits veröffentlicht, darunter etwa die "Kupferdreher Geschichtsblätter". Derzeit arbeitet er an einem neuen Projekt, einem Buch zur Kupferdreher Geschichte. Rund 400 Seiten hat er selbst geschrieben und 600 Fotografien hinzu gefügt. "Die gesamte Geschichte des Stadtteils wird ausführlich dargestellt", betont Busch, der sich auch um das Layout des Werkes kümmert. "Ich war früher in der Datenverarbeitung, daher kann ich das", unterstreicht der Vorruheständler.
Die richtigen Wurzeln bringt Busch für sein Ehrenamt auch mit. Seine Familie ist seit 1896 in Kupferdreh beheimatet. Er ist zwar in Steele geboren und in Überruhr aufgewachsen, aber ist dem Stadtteil und seiner Historie stets treu geblieben. "Es ist unheimlich interessant, wenn man alte Geschichten findet", schwärmt der Hobby-Archivar und blättert in vergilbten Ausgaben der "Kupferdreher Zeitung".
Rainer Busch ist in seinem Element: "Sagenhaft, wenn man so liest, was die damals alles angestellt haben." 1912 hätten die Kriegervereine etwa ein Manöver abgehalten. Auch der Untergang der "Titanic" findet sich als überregionaler Beitrag auf einer ersten Seite der "Kupferdreher Zeitung" wieder. "Beim Einscannen und Vergrößern der alten Fotos erkennt man Details, die man sonst nicht sieht", weiß Busch, dessen Heimatkundebuch im Oktober oder November erscheinen soll. Für ihn ist es sehr wichtig, dass es bezahlbar sein muss. Die bisher erschienen Werke seien alle ausverkauft.
"Meine Ehefrau hat Verständnis für mein Hobby", sagt der Vorruheständler und ergänzt lachend: "So gehe ich ihr nicht auf den Geist angesichts der vielen freien Zeit , die ich habe." In der Sammlung gäbe es viele Dinge, die ihm den Atem verschlagen. Rainer Busch nimmt ein Buch vom Schützenverein aus dem Regal: "Das spiegelt das ganze Leben von damals wieder", meint der Heimatkundler fasziniert. Früher sei der gesellschaftliche Zusammenhalt größer gewesen, es habe ja kein Fernsehen oder Internet gegeben. "Es war rauh, aber herzlich", ist er sich sicher und zieht die Fotografie eines Handwerker-Umzugs der Kolping-Familie auf der Kupferdreher Straße hervor.
Ein anderer Artikel, der ihn stets zum Schmunzeln bringt, ist ebenso aus der "Kupferdreher Zeitung". Im März 1912 schrieb das Blatt über das Brückenprojekt Kupferdreh-Heisingen. "Das ist ja heute noch relevant", lacht Rainer Busch herzlich und denkt an die marode Kampmannbrücke, von deren geplantem Bau der alte Text handelt.
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