Gefahr durch Wildwechsel

Schürzenjäger auf vier Beinen: Etwa ab Mitte Juli ist der Rehbock besonders liebestoll und läuft daher Gefahr, unter die Räder zu kommen.
Schürzenjäger auf vier Beinen: Etwa ab Mitte Juli ist der Rehbock besonders liebestoll und läuft daher Gefahr, unter die Räder zu kommen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Wenn der Rehbock die Ricke in der „Blattzeit“ zwischen Mitte Juli und Mitte August nahezu blind vor Liebe vor sich hertreibt, erhöht das die Unfallgefahr enorm.

Essen-Überruhr..  Der Sommer rückt näher – und damit die Zeit, in der die Menschen meist besser drauf und von Glücksgefühlen beseelt sind. Aber auch in der Tierwelt, da fliegen die Hormone durch die Luft und tanzen aus der Reihe. Etwa beim Rehwild.

Wenn der Bock auf „Brautschau“ geht, die brünftige Ricke in eindeutiger Absicht vor sich hertreibt, um sie zu beschlagen, dann ist die „Blattzeit“ angebrochen. „Und Vorsicht geboten“, so Rainer Neumann, seit 30 Jahren Vorsitzender des Hegerings Kupferdreh, von den zehn Essener Hegeringen vielleicht der mit dem klassischsten Einzugsgebiet (Überruhr, Kupferdreh, Burgaltendorf, Byfang).

Gerade die Gegend rund ums Deipenbecktal wird etwa zwischen Mitte Juli und September gerne mal zum Unfallschwerpunkt. Neumann: „In Essen-Mitte wird vielleicht mal ein Karnickel überfahren, hier bei uns aber ist das anders und vor allem weit gefährlicher.“

In Tagen wie diesen ist das ansonsten eher scheue Rehwild nahezu außer Rand und Band, und genau das wird mitunter zum echten Problem. Jäger, Förster, Polizei: Sie allen warnen eindringlich vor einer deutlich erhöhten Unfallgefahr, was auch Neumann nur bestätigen kann. „Liebestolle Rehe sind in der Blattzeit keine Seltenheit.“

Im Grund müsse man momentan gerade in ländlichen Gegenden anders als sonst fast rund um die Uhr damit rechnen, dass sie plötzlich auf der Straße stehen. Ohnehin sei gerade das Deipenbecktal eine Art Schwerpunktregion für Wildunfälle, in den vergangenen Jahren wurden dort bereits mehrere Stücke, wie der Jäger das Wild nennt, tot- oder angefahren.

So bitten Neumann und seine Kollegen alle Auto-, Motorrad- oder auch Radfahrer inständig, auch im eigenen Interesse noch wachsamer zu sein als ohnehin und vor allem auch Rücksicht aufs Wild zu nehmen. „Denn die Schilder, die auf den Wildwechsel hinweisen, werden von den meisten Menschen doch gar nicht mehr richtig wahrgenommen.“

Verhaltensregeln

Was aber ist zu tun, wenn’s zur Begegnung mit Wild kommt? Wer bremsen kann, sollte das tun und versuchen, das Tier durch mehrfaches Hupen zu vertreiben. Ist ein Zusammenprall aber nicht zu vermeiden: auf keinen Fall hektische Ausweichmanöver starten. Ansonsten gefährdet man sich und mitunter auch andere zusätzlich.

Ganz wichtig: Jeder Wildunfall ist meldepflichtig. Hat’s gekracht, sollte man zunächst die Unfallstelle absichern (Warnblinker, Warndreieck), immer die Polizei rufen, oder, falls bekannt, sich direkt an den zuständigen Jagdaufseherwenden. Der ist es auch, der eine wichtige Wildunfallbescheinigung ausstellt. In der Regel werden derartige Unfälle dann von der Teilkaskoversicherung reguliert. Streng verboten und eine Straftat: ein totes Tier mitzunehmen („Wilderei“). Und wer ein verletzt flüchtendes Reh nicht meldet, verstößt zudem gegen das Tierschutzgesetz.

Das Fleisch überfahrener oder auch aus anderen Gründen verendeter Tiere ist nichts für Ofen oder Pfanne und gehört zudem dem Revierinhaber, der es fachmännisch entsorgt. Wer aber Interesse an Wildbret hat, der kann und sollte sich auch bei der jeweiligen Kreisjägerschaft erkundigen(www.ljv-nrw.de). Was dort angeboten wird, sind Bioprodukte pur.