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Ganz ohne Miete geht es nicht

17.01.2012 | 17:32 Uhr
Ganz ohne Miete geht es nicht
. Foto Walter Buchholz/WAZ FotoPool

Essen-Frillendorf.   Zwölf Jahre konnte der Künstler Eugen Bednarek dank der Eigentümerfamilie Weidenbach mietfrei sein „Projekt ZKE“ samt Malschule in der Zeche Königin Elisabeth betreiben. Dass Bednarek nun öffentlich machte, dass er seine Arbeit gefährdet sieht, weil er ab sofort Miete zahlen soll, verärgerte den Eigentümer Bernd Weidenbach: Schließlich wolle er nicht aus Geldgier Kunst verhindern.

Zwölf Jahre konnte der Künstler Eugen Bednarek dank der Eigentümerfamilie Weidenbach mietfrei sein „Projekt ZKE“ samt Malschule in der Zeche Königin Elisabeth betreiben. Dass Bednarek nun öffentlich machte , dass er seine Arbeit gefährdet sieht, weil er ab sofort Miete zahlen soll, verärgerte den Eigentümer Bernd Weidenbach: Schließlich wolle er nicht aus Geldgier Kunst verhindern.

Um die 120 Quadratmeter nehmen die Galerien ein, die Eugen Bednarek zusammen mit seiner Frau für seine soziokulturelle Arbeit nutzt. „Dafür verlange ich seit dem 1. Januar von den Bednareks 200 Euro Miete – nicht mal 2 Euro pro Quadratmeter“, rechnet Bernd Weidenbach vor. So viel müsse er nehmen, allein schon um die Instandhaltungskosten der Denkmal geschützten Immobilie stemmen zu können. „Damit liegt die Summe noch weit unter dem Mietspiegel für diesen Stadtteil“, so Weidenbach.

Um das Projekt ZKE anzustoßen, hatte es der Vater von Bernd Weidenbach Bednarek und seiner damaligen Kollegin Ewa Kwasniewska erlaubt, die Räume zunächst mietfrei zu nutzen. Doch das sei eigentlich immer als Übergangslösung gedacht gewesen, so Bernd Weidenbach, der die Immobile von seinem Vater übernommen hat. „Schließlich gibt es hier auch andere Mieter, die völlig regulär den ganz normalen Mietsatz bezahlen.“ Zudem beantrage er immer wieder Förderungen für die Erhaltung des denkmalgeschützten Ensembles. „Bislang leider ohne Erfolg.“

Bednarek selbst hat sich inzwischen bei Weidenbach entschuldigt, habe er doch nie vorgehabt „den Ruf unseres langjährigen Förderers, Familie Weidenbach, und den jetzigen Eigentümer, Bernd Weidenbach, zu schädigen.“ Bednarek weiter: „Wir dachten, wenn wir mehr Einzelheiten aus dem Kampf eines soziokulturellen Projektes ums Überleben der Öffentlichkeit zeigen, hilft es uns beim Finden von Förderern.“

Wenn auch ein solcher Förderer bislang auf sich warten lässt, folgten immerhin viele Solidaritätsbekundungen auf Bednareks Hilferuf: Der Designer Reinhard Pietrass etwa bezeichnet Bednarek als einen „der wenigen Menschen, die für die Kunst leben. Es wäre wirklich jammerschade, wenn er aufgrund zu hoher Miete aufgeben müsste." So weit wird wird es nicht kommen, denn auch ohne Mäzen will Eugen Bednarek weiterhin sein Projekt in der Zeche Königin Elisabeth betreiben: „Ich weiß das gute Angebot von Herrn Weidenbach zu schätzen“, glättet er die Wogen.

Gordon K. Strahl

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Kommentare
20.01.2012
17:29
... und nur ums Geld gehts es auch nicht
von staxart | #1

Mit "Hilfe" der Presse schafft man Aufmerksamkeit - niemand hat behauptet, dass hierdurch auch immer Wahrheiten ans Tageslicht befördert werden.

2 Euro Miete / m² ist aus Sicht eines gewerblichen Vermieters ein Entgegenkommen, 200 Euro mehr Miete für ein Projekt dieser Art mit so einem persönlichen Engagement kann aber auch schon teilweise das AUS bedeuten. "David gegen Goliath" - unter dem Aspekt verkauft die Zeitung zwar Auflage, für das Projekt ZKE kann es allerdings auch ein Bärendienst sein, wenn hier langjährige Förderer an den Pranger gestellt werden, nur weil ein Redakteur die falschen Fragen stellt. Der Vergleich mit den anderen Mietern in diesem Artikel hinkt nun etwas, da diese Mieter ja scheinbar die Räume für ur-eigene Projekte benötigen und nicht mit einem derartigen öffentlichen, auch deutlich auf Kinder und Jugendliche ausgerichtetem Interesse in dieser Form.

Für Zeche Zollverein werden jährlich -zigtausende nur für ein schmales Feuerwerk geopfert, auf dem Zechenfest reihen sich alljährlich die gleichen Bratwurstbuden und Bierstände für das Hartz4 geprellte Volk aus dem Essener Norden inkl. Feuerwerk - und die Wurst für 2,50 wie überall. Ein neues Ruhr-Museum, geniale Kulturaspekte und Designhochburg, internationale Anerkennung ... und das alljährliche Fest für die Öffentlichkeit versinkt in einem "Alle Jahre wieder das gleiche Zechenfest-konzept." ... Außer das mir aufgefallen ist, das die Stauder-Brauererei 2010 während der Festtage nicht anwesend war, weil scheinbar KROMBACHER mehr Standmiete bezahlte oder einen kannte, den die Stauders nicht kannten ... ansonsten gabs damals auch nur mehr Kameras und Mikrophone, aber nicht unbedingt mehr, als das, was wir vom Zechenfest sonst schon kannten ... für das Fussvolk vor Ort im dreckigen Essener Norden. Und was hats gekostet ???

In einer Zeit, in der sich, wie der öffentlichen Medien berichteten, das sich Hartz4 und Kinderarmut im Ruhrpott etablieren, die Zahl depressiver Erkrankungen bei Erwachsenen stetig zunimmt, leistet so ein Kunst-Schul-Projekt viel mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Das kann nicht in Geld aufgewogen werden.

Was soll ein Herr Bednarek machen, wenn ein Kind (oder gar mehrere) nicht mehr kommt, weil die Eltern die 5 Euro mehr für notwendig gestiegene Preise nicht mehr haben - Rausschmeissen? Wo gehen Menschen hin, die heute im Beruf belastet sind und in der Kunst einen Ausgleich suchen .. an die nächste Trinkhalle, weil der Rausch billiger ist?

Selbstverständlich muss ein Vermieter Kosten und Risiken tragen, Zinsen an Banken oder die Sparkasse Essen bezahlen und Steuern pünktlich aufbringen - auch an die Stadt Essen. Nachlässe Und Sonderrabatte wird er wohl nicht bekommen, nur weil er nach diesen Artikeln zum kunstfördernden *********** avanciert. Und ein Immobilien-HAI ist er mit dem Kurs von 2 Euro / m² noch lange nicht. Es geht nicht um das MEHR-Verlangen oder das WENIGER-zahlen-wollen oder können.

Dieses seit Jahren im Glanz von Zeche Zollverein "noch" unscheinbare Projekt ZKE verdient mehr öffentliche Aufmerksamkeit, weil hier kontinuierlich seit Jahren junge, schlummernde Talente geweckt werden und es sich zum qualitativ und inhaltlichen Pendant zur eher kommerzorientierte Zeche Zollverein entwickelt. Quasi ein Geheimtipp.

Wo sind die Sponsoren wie zum Beispiel Krankenkassen, die Ihre Anti-Stress-Seminare mit Malerei in der Zeche Zollverein durchführen, wo ist die Stadt Essen, die einmal alle 3 Jahre auf das überflüssige Feuerwerk verzichtet und den Betrag mit Unterstützung der WAZ an das Projekt ZKE für die Kinder- und Jugendarbeit spendet. Wo ist die WAZ, die neben solchen Artikeln auch entsprechende Förderung in Geld und wichtige Kontakte liefern kann? Warum bringt der FB Kunst der Uni-Essen nicht eine kleine Handvoll Euros auf, wo doch hier eine kleine Talentschmiede entstanden ist?

Herr Bednarek braucht ein Netzwerk der Unterstützer, er selbst hat in den eigenen, kleinen Kreisen schon ein Netzwerk gesponnen, in dem er Menschen aller Kulturen und Altersklassen auf kleinstem Raum zusammenführt und sich mit viele Liebe und Engagement professionell einer Lebensaufgabe widmet, die seinesgleichen sucht.

Von den Mehr-Einnahmen wird er sich keinen Porsche kaufen - Nicht Herr Bednarek. So wie wir ihn kennen, wird er sich weiterhin engagieren und ebenfalls seinen Förderbeitrag leisten, in dem er weiterhin Farben und Werkzeug bereithält, für die, die es sich (noch) nicht leisten können, einen Koffer voller Ölfarben zu kaufen. Material wird er weiterhin zu Selbstkosten besorgen - nur das Benzingeld will er weiterhin von niemanden zurück.

Das Ziel kann nur sein, das Bednareks durch weiteren öffentlichen, kommunalen und wirtschaftlichen Zuspruch die Mittel haben, damit ein Vermieter, dessen Eltern jahrelang Unterstützung leisteten auch die Miete bekommt, die den Erhalt der denkmalgeschützten Immobilie ermöglicht. Und die Kosten trägt. Keiner mag es wenn beim Malen der Kalk von der Decke rieselt.

Also liebe Stadt Essen, wo sind die Mittel aus dem Konjunkturpaktet 2 ? Lieber Herr Pass, wie motivieren Sie Ihre Denkmalbehörde und .. Herr Weidenbach wird nun hoffentlich auch guten Gewissens in seinem Netzwerk um Unterstützung bitten dürfen. Zum Beispiel bei der Sparkasse Essen? Vielleicht bekommen die ja die Zinsen aus der Finanzierung?

Da dürfen sich die Herren auch mal mit einer Ausstellung in der Hauptstelle bedanken und ein paar Talers aus dem Sponsoring-Budget opfern. Schaut euch 1 Mal im Jahr die Kinderzeichnungen und Bilder an ... hier hat die Kinder-Zukunft ein Zuhause.

Auf die Pferde, Ihr Herren .... der "Kutscher Bednarek" kennt den Weg schon. Nur sprechenden Menschen kann man helfen. Diese öffentliche Diskussion ist OK und auch dringend notwendig. Anders (nämlich still & leise) geht es ja heute nicht mehr.

Michael Ladenthin - StaX Art

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